Einführung

Für viele Menschen hat das Lesen von Bilanzen einen ähnlichen Charme wie die eingehende Lektüre des Telefonbuchs der Stadt Bielefeld. Dabei kann eine Bilanz gar so spannend sein wie ein Krimi von Henning Mankell oder John Grisham – zumindest, wenn Sie die Inhalte verstehen und, vor allem, entsprechend zu interpretieren wissen.

Da Sie dieses Buch gerade in Ihren Händen halten, gehen wir übrigens davon aus, dass Sie sich genau das auf die Fahne geschrieben haben. Eine gute Entscheidung. Denn wir sind uns sicher, dass Sie auf den kommenden Seiten packend unterhalten werden. Das Thema ist nämlich gar nicht so schlimm wie sein Ruf.

Und wenn Sie die Vermögens- und Ertragslage von börsennotierten Unternehmen in Zukunft besser nachvollziehen wollen, kann Ihnen Bilanzen erstellen und lesen für Dummies sogar noch dabei helfen, Ihr Vermögen ein kleines bisschen zu vermehren.

Versuchen Sie das mal mit einem Telefonbuch …

Über dieses Buch

Falls Sie nun ein mit Theorie und unappetitlichen Formeln vollgepacktes Lehrbuch erwarten, sind Sie hier mit Sicherheit falsch. Denn was Sie gerade vor sich haben, ist ein praxisorientierter und gut verständlicher Überblick über die wunderbare Welt der Bilanzierung und der Bilanzanalyse, gespickt mit praxisorientierten Tipps und ein paar netten Anekdoten.

Erfahren Sie unter anderem,

check.gif wie Sie einen Jahresabschluss erstellen,

check.gif was es mit einem Konzernabschluss auf sich hat,

check.gif wie Bilanzpolitik funktioniert und ob man dafür auch eine Regierung braucht,

check.gif welche Kennzahlen für die Bilanzanalyse wichtig sind.

Konventionen in diesem Buch

Keine Sorge: In diesem Buch verlangen wir an keiner Stelle von Ihnen, dass Sie irgendetwas eingeben, mitschreiben oder ausschneiden sollen. Somit gibt es hier nichts weiter zu beachten. Und falls Sie jetzt aus uns unerfindlichen Gründen doch an diesem Buch herumschnippeln sollten, haben wir nichts damit zu tun …

Sie finden bei jedem Kapitel am Ende eine Übungsaufgabe. Hier können Sie testen, ob ein wenig hängen blieb. Die Lösungen zu den Übungsaufgaben finden Sie im Anhang. Wenn Ihnen die Kostproben gefallen haben, sollten Sie sich das Übungsbuch Bilanzen erstellen und lesen für Dummies besorgen, mit dem Sie tiefer in die Übungen einsteigen können.

Törichte Annahmen über den Leser

Wir unterstellen Ihnen an dieser Stelle einfach einmal ein gewisses Grundinteresse an den Themen Bilanzierung und Bilanzanalyse. Ansonsten hätten Sie sich beim Buchhändler Ihres Vertrauens sicherlich für einen Krimi von Mankell oder Grisham entschieden. Dieses Grundinteresse, sei es freiwillig oder gezwungenermaßen vorhanden, ist die Mindestanforderung, die wir an Sie haben.

Zudem gehen wir davon aus, dass noch mindestens einer der folgenden Punkte auf Sie zutrifft:

check.gif Sie müssen sich von Berufs wegen mit Bilanzen beschäftigen.

check.gif Sie halten Aktien und wollen wissen, wie es um Ihre Investitionen bestellt ist.

check.gif Sie wollen endlich einmal wissen, was zum Henker eine Rentabilitätsanalyse ist.

check.gif Sie müssen sich in der Ausbildung oder im Studium mit der Materie herumschlagen.

check.gif Sie sind ein vielseitig interessierter Mensch, aber die besagten Themen gehörten zu den wenigen Dingen, bei denen Sie bisher nur Bahnhof verstanden haben.

check.gif Sie haben Controlling für Dummies sowie Buchführung und Bilanzierung für Dummies bereits verschlungen und warten schon seit Monaten sehnsüchtig auf den nächsten Teil der Trilogie.

Sie dürfen das, was auf Sie zutrifft, übrigens auch gerne ankreuzen – es ist ja schließlich Ihr Buch.

Was Sie nicht lesen müssen

Ab und zu werden Sie beim Lesen auf einen Kasten im Text stoßen. Diese Kästen enthalten entweder theoretische Hintergrundinformationen oder banale Anekdoten aus der Bilanzwelt. Beide haben eines gemeinsam: Sie müssen sie nicht unbedingt lesen, um das Thema zu verstehen. Wenn es also mal schnell gehen muss, können Sie die Kästen ohne schlechtes Gewissen überspringen. Wir sagen’s auch niemandem weiter, versprochen!

Wie dieses Buch aufgebaut ist

Das Buch ist in sechs Teile (und den besagten Anhang mit den Lösungen zu den Übungsaufgaben) gegliedert, die originellerweise fortlaufend nummeriert sind. In den sechs Teilen finden Sie folgende Inhalte:

Teil I: Willkommen in der Welt der Bilanzen

Hier bekommen Sie zunächst einen ersten Einblick in die Welt der Zahlen und Erbsenzähler.

Außerdem machen wir Sie mit verschiedenen Rechenwelten bekannt und werden auch das Thema Abgrenzung nicht ausgrenzen.

Teil II: Der Jahresabschluss: Bilanz und GuV erstellen

Jetzt geht’s richtig los! Nachdem wir Sie hier mit dem Inventar sowie der Inventur vertraut gemacht haben, weihen wir Sie danach gleich noch in die Geheimnisse der unterschiedlichen Gewinnermittlungsarten ein. Dann lernen Sie die Bilanz so richtig kennen. Und zwar aktiv wie passiv, inklusive der E-Bilanz.

Doch damit nicht genug: Alles Wissenswerte über die Gewinn-und-Verlust-Rechnung rundet diesen Teil ab.

Teil III: Konzernabschluss und Berichte erstellen

Kinder, wie die Zeit vergeht! Schon wieder ist ein Jahr vorbei und das bedeutet: Der Jahresabschluss steht vor der Tür. Ein solcher besteht allerdings nicht nur aus der Bilanz und der Gewinn-und-Verlust-Rechnung. Auch Anhang und Lagebericht müssen gemacht werden.

Die Konsequenzen des grenzenlosen Unternehmenswachstums werden dann im Konzernabschluss spürbar, ehe die Themen Berichterstattung und Abschlussprüfung den dritten Teil des Buches würdig abschließen.

Teil IV: Unparteiisch: Bilanzpolitik

Hier erfahren Sie nicht nur alles Wichtige zum Begriff und den Zielen der Bilanzpolitik. Auch die diversen Wahlrechte bezüglich der Gliederung und der Bewertung sowie rechtliche Grenzen und Ermessensspielräume finden in Teil IV ein lauschiges Plätzchen.

Dann begeben wir uns auf internationales Parkett und zeigen Ihnen, welche Auswirkungen die internationalen Bilanzierungsrichtlinien auf die Bilanzpolitik haben. Natürlich auf Deutsch …

Teil V: Ganz kritisch: Bilanzanalyse

Neben einem bunten Strauß hübscher Analysemöglichkeiten einer Bilanz zeigen wir Ihnen hier, wie Sie sich selbst eine Strukturbilanz und eine Struktur-GuV basteln können. Werkzeug benötigen Sie dazu übrigens keins (außer Ihrem Kopf).

Dann wird kräftig analysiert: die Finanzierungs- und Investitionsanalyse, die Liquiditätsanalyse, die Erfolgsanalyse, die Wertschöpfungs- und Break-even-Analyse sowie die strategische Bilanzanalyse warten schon auf Sie.

Aber keine Angst! Keine der Analysen beißt …

Teil VI: Der Top-Ten-Teil

Für den versierten Dummies-Leser ist dieser Teil nichts Neues. Hier erfahren Sie zuerst einmal mehr über die zehn unserer Meinung nach besten Websites rund um das Thema Bilanzen. Dann geben wir Ihnen noch zehn nützliche Bilanzierungstipps mit auf den Weg – falls Sie mal selbst in die Verlegenheit kommen sollten, eine Bilanz erstellen zu müssen.

Damit Sie immer und überall mitreden können, erklären wir Ihnen zu guter Letzt noch zehn Begriffe zum Thema, die Ihnen über den Weg laufen könnten.

Symbole, die in diesem Buch verwendet werden

Sie finden über das ganze Buch verteilt verschiedene Symbole, über deren Bedeutung wir Sie hier kurz aufklären:

Icon_Tipp.jpgDieses Symbol markiert einen praktischen Tipp, der Ihnen einiges erleichtern kann.

Icon_Hand.jpgHier handelt es sich um zusätzliche Erklärungen und Hinweise, die etwaige Unklarheiten beseitigen können.

Icon_techniker2.jpgHier gibt es noch theoretisches Hintergrundwissen. Wenn Sie etwas, das mit diesem Symbol versehen ist, nicht lesen, tut das dem Verständnis keinen Abbruch.

Icon_definition.jpgHinter diesem Symbol versteckt sich die Erklärung oder die Definition von neu eingeführten Fachbegriffen.

Icon_beispiel.jpgDreimal dürfen Sie raten, was Sie bei diesem Symbol erwartet: Richtig, ein Beispiel zum jeweiligen Thema.

Wie es weitergeht

Das Buch ist so aufgebaut, dass Sie es nicht zwingend wie einen Roman von vorn nach hinten durchlesen müssen, um alles zu verstehen.

Wollen Sie sich zum Beispiel mal eben über Grundlagen und Ziele der Bilanzpolitik informieren, können Sie direkt und ohne Umwege Kapitel 14 aufschlagen. Sie werden dort alles verstehen, auch ohne die Kapitel 1 bis 13 gelesen zu haben.

Wenn Sie das Buch aber dennoch von vorn bis hinten durchlesen möchten, sind wir Ihnen auch nicht böse. Wie und in welcher Reihenfolge Sie was, warum und weshalb lesen, können Sie somit frei entscheiden.

Und nun wünschen wir Ihnen viel Spaß und Erfolg!

A

Anhang Lösungen zu den Übungsaufgaben

Hier finden Sie die Lösungen zu den Aufgaben.

Aufgabe 1

Hier einige Gründe, weshalb es manchmal sinnvoll sein kann, sich schlechter darzustellen:

check.gif Sie können durch den Ausweis möglichst geringer Gewinne die Steuerlast und die Ausschüttung an die Aktionäre reduzieren.

check.gif Bei einer laufenden Tarifrunde können schlechte Bilanzergebnisse ein gutes Gegenargument für hohe Lohnforderungen der eigenen Arbeitnehmer sein.

check.gif Ein Monopolist kann Preiserhöhungen bei der Kundschaft dann besser kommunizieren.

Und hier Gründe, weshalb es sich manchmal lohnt, ein höheres Ergebnis auszuweisen:

check.gif Potenzielle Gläubiger sind aufgrund einer augenscheinlich guten finanziellen Lage des Unternehmens eher bereit, Kredite zu gewähren. Man erhält auch bessere Kreditkonditionen.

check.gif Imagepflege: Gute Ergebnisse können helfen, das eigene Image in der Öffentlichkeit aufzupolieren.

Aufgabe 2

Da sich Ihr Reinvermögen nicht verändert hat, handelt es sich nicht um Erträge. Das Anlagevermögen schrumpft um 750.000 Euro, Ihr Geldvermögen erhöht sich um diesen Betrag.

Aufgabe 3

Die Personalkosten der Abteilungen Adressdatenverkauf, Mobilfunk und Internet sind Einzelkosten, da sie den Produkten direkt zugeordnet werden können. Die Personalkosten der Verwaltung und des Marketings können dagegen beim besten Willen nicht den drei Produkten direkt zugeordnet werden. Sie sind deshalb Gemeinkosten.

Aufgabe 4

Das bewegliche Anlagevermögen, das Vorratsvermögen und Kassenbestände werden körperlich, das heißt mengenmäßig erfasst. Bei dieser mengenmäßigen Erfassung werden die Vermögensgegenstände gezählt, gewogen, gemessen oder im Notfall auch geschätzt, beispielsweise die Büroklammern im Büro oder die Schrauben im Lager. So etwas müssen Sie nicht einzeln zählen. Das unbewegliche Anlagevermögen sowie Forderungen, Guthaben und Schulden werden dagegen wertmäßig, das heißt in harten Franken oder Euro erfasst.

Aufgabe 5

Das Betriebsvermögen nahm um 4.000 Euro zu. Hier muss er seine Privatentnahmen in Höhe von 36.000 Euro dazuzählen. Privateinlagen, die davon abzuziehen wären, gab es nicht. Somit beträgt der Gewinn des letzten Jahres 40.000 Euro.

Aufgabe 6

Bei selbst erstellten immateriellen Vermögensgegenständen besitzen Sie ein Wahlrecht nach HGB. Sie können aktivieren, müssen es aber nicht.

Aufgabe 7

Die Taxonomie ist eine Art Kontenrahmen. Hieraus kann sich jedes Unternehmen bedienen und die benötigten Konten im Rahmen der E-Bilanz auswählen. Es gibt jede Menge Taxonomien. In Deutschland gibt es den Standardkontenrahmen, die Kerntaxonomie und einige Branchentaxonomien für Unternehmen, die besonderen Regelungen unterliegen, wie zum Beispiel Banken oder Krankenhäuser. Daneben gibt es in etwa zwanzig weiteren Ländern jeweils eine oder mehrere Taxonomien.

Aufgabe 8

In der Handelsbilanz besitzen Sie ein Wahlrecht, die selbst erstellte Software zu aktivieren oder gleich als Aufwand zu verbuchen. Das Steuerrecht verbietet weiterhin die Aktivierung selbst erstellter immaterieller Vermögenswerte. Sie verzichten auf die handelsrechtliche Aktivierung, wenn Sie einen identischen Wertansatz anstreben.

Aufgabe 9

Der letzte Zugang ist rein zufällig auch der Schlussbestand über 7 Meter. Nach FIFO sind die 7 Meter mit 15 Euro pro Meter zu bewerten. Das ergibt 105 Euro. Da der Marktpreis am Jahresende mit 14 Euro für 1 Meter jedoch unter dem ermittelten Wert liegt, greift das strenge Niederstwertprinzip. Sie müssen die 7 Meter mit 1 Euro pro Meter wertmindern, also von den 105 Euro 7 Euro abschreiben. Der Schlussbestand ist danach noch 98 Euro wert.

Aufgabe 10

Es muss eine Rückstellung für ungewisse Verbindlichkeiten in Höhe von 60 Millionen Euro gebildet werden, da die Nobelhobel AG verpflichtet ist, innerhalb der Garantiezeit den Schaden zu beheben.

Aufgabe 11

Da das Umsatzverfahren auf der internationalen Ebene üblicher ist als das Gesamtkostenverfahren, sollten Sie das Umsatzkostenverfahren verwenden. Die Antwort auf die Zusatzfrage lautet: Bei beiden Verfahren muss das ermittelte Ergebnis gleich sein.

Aufgabe 12

Nach § 293 HGB ist ein Unternehmen vom Konzernabschluss befreit, wenn zwei der drei genannten Merkmale zutreffen. Im Falle der Esogrün ist dies der Fall. Die Umsatzerlöse liegen unter der Grenze von 46,2 Millionen Euro und es werden weniger als 250 Mitarbeiter beschäftigt.

Aufgabe 13

Da im Anhang nur Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren ausgewiesen werden müssen, muss nur das Bankdarlehen für die neue Lagerhalle dort ausgewiesen werden. Operate-Leasing-Vorgänge müssten auch aufgenommen werden, wenn deren Restlaufzeit mehr als fünf Jahre beträgt. Das ist beim Leasing der drei Maschinen nicht der Fall.

Aufgabe 14

Die Pflegebedürftigkeit der Schwiegermutter ist keine Ad-hoc-Meldung wert. Der vorzeitige Abgang des Vorstandsmitglieds dagegen auf jeden Fall. Möglicherweise erlebt die Aktie nach Bekanntgabe Kurssprünge, sofern ein Mensch mit einigermaßen Geschmack als Nachfolger in Sicht ist.

Aufgabe 15

Bei einer konservativen Bilanzpolitik wird das Unternehmen schlechter dargestellt. Und genau dies will der Vorstandschef. So muss er nur in diesem Jahr schlecht gelaunte Aktionäre auf der Hauptversammlung ertragen. Das nächste Geschäftsjahr wird durch diese Maßnahmen entlastet. Eine solche Bilanzpolitik wird von Unternehmen in schlechten Jahren gerne ausgeübt; dann ist man alle schlechten Nachrichten und Zahlen auf einmal los.

Aufgabe 16

Beim Disagio besteht ein Aktivierungswahlrecht. Möchte man im aktuellen Jahr möglichst viel Aufwand haben, damit der Gewinn geringer ausfällt, sollte das Disagio sofort voll als Aufwand erfasst werden. Möchte man dagegen den Aufwand über die Jahre verteilen, empfiehlt sich eine Aktivierung des Disagio.

Aufgabe 17

Im Gegensatz zum HGB dürfen Sie nach IFRS Umsätze auch ohne erfolgte Realisierung ausweisen. Hier dürfen Sie die Erträge nach dem Grad der Fertigstellung ausweisen; im ersten Jahresabschluss nach Beginn der Bauarbeiten können Sie so anteilige Erträge ausweisen, obwohl Ihr Unternehmen in Wahrheit keinerlei Erträge hatte. Der gesamte Sachverhalt hat zwei Seiten: Nach HGB werden langfristige Fertigungsaufträge oftmals zu negativ dargestellt; nach IFRS stehen dagegen manchmal nie realisierte Erträge in den Büchern.

Ein seriöser langfristiger Fertigungsauftrag sollte stets Teilabnahmen inklusive Teilzahlungen enthalten. Dann gibt es bei der Bilanzierung nach HGB und IFRS auch keine Unterschiede.

Aufgabe 18

Die Beton- und Kieswerk AG kann durch die restriktive Vorgehensweise des neuen Finanzchefs einen finanziellen Verlust erleiden oder auch nicht. Es kommt schlicht auf die individuellen Rahmenbedingungen an. Kennt das Börsenumfeld die Eigenheiten des neuen Finanzchefs und schätzt dessen Bodenständigkeit, ist die Strategie für das Unternehmen vorteilhaft. Werden die Eigenheiten des neuen Finanzchefs dagegen nicht positiv aufgenommen, kann es das Unternehmen durchaus Geld kosten; sei es durch sinkende Börsenkurse oder durch schlechtere Kreditkonditionen.

Aufgabe 19

Eine formelle Bilanzanalyse prüft immerhin, ob alle gesetzlichen Bestimmungen zur äußerlichen Form beim Jahresabschluss eingehalten wurden. So wissen Sie, ob das betreffende Unternehmen wenigstens dies hinbekommt. Ob das Unternehmen deshalb künftig Rendite abwirft, ist damit jedoch nicht gesagt. Dazu hätte eine materielle Bilanzanalyse durchgeführt werden müssen. Und selbst danach gibt es keine hundertprozentige Sicherheit.

Aufgabe 20

Es gibt Ansatzkorrekturen, Gliederungskorrekturen und Bewertungskorrekturen.

Aufgabe 21

Ins neutrale Ergebnis gehören alle betriebs-, periodenfremden und außerordentlichen Sachverhalte.

Aufgabe 22

Die F&E-Quote gibt lediglich darüber Auskunft, dass ein Unternehmen hierfür Geld ausgibt und zumindest versucht, in die Zukunft des Unternehmens zu investieren. Ob die F&E-Aufwendungen eines Tages Nutzen bringen, ist jedoch offen. Im schlimmsten Fall können sich hinter den F&E-Aufwendungen Dinge verstecken, die rein gar nichts mit F&E zu tun haben. Im weniger schlimmen Fall hat es schon etwas mit F&E zu tun, wird jedoch nie Nutzen bringen. Im besten Fall bilden die F&E-Aufwendungen die Grundlage für tolle neue Produkte und sprudelnde Gewinne.

Aufgabe 23

Der Free Cashflow ist negativ. Er beläuft sich auf –597.500 Euro. Damit ist das Unternehmen nicht in der Lage, eventuelle Kredite zu bedienen. Wenn es in den nächsten Jahren so weitergeht, droht die Insolvenz.

Aufgabe 24

Das Unternehmen macht Verluste und hat somit ein negatives ordentliches Betriebsergebnis. Der Anteil des ordentlichen Betriebsergebnisses am positiven Gesamtergebnis ist damit definitiv kleiner als 100. Es ist sogar kleiner als null.

Aufgabe 25

Bei einem Unternehmen mit einem Produkt berechnen Sie den Break-even-Point mit dieser Formel:

 

kap_99_anhang_001.png

Jetzt noch die Werte aus der Aufgabe eintragen:

 

kap_99_anhang_002.png

Der Break-even-Point liegt damit bei 500.000 Parkscheiben. Dummerweise wurden nur 300.000 verkauft. Die P&S AG hat also ein verlustreiches Jahr hinter sich. Um wieder auf die Beine zu kommen, müssen entweder mindestens 500.000 Parkscheiben verkauft werden oder die Kostenstruktur muss verbessert werden.

Aufgabe 26

Das sind:

check.gif Ressourcenanalyse

check.gif Branchenanalyse

check.gif Marktstellungsanalyse

check.gif Geschäftsmodellanalyse

Über die Autoren

Michael Griga, Diplom-Volkswirt, geboren 1966 in Ludwigsburg, studierte Volkswirtschaftslehre in Tübingen. Er ist heute Controller in einem Technologiekonzern.

Raymund Krauleidis, Diplom-Kaufmann, geboren 1973 in Tübingen, studierte Betriebswirtschaftslehre. Heute ist er Referent in einem Energieunternehmen.

Die Autoren haben sich während ihrer gemeinsamen Zeit bei einem Telekommunikationsunternehmen kennengelernt und dort Pläne für gemeinsame Projekte ausgeheckt. Nach ihrem erfolgreichen Erstlingswerk Controlling für Dummies haben sie Buchführung und Bilanzierung für Dummies geschrieben. Mit Bilanzen erstellen und lesen für Dummies folgt ihr dritter Streich.

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Von schönen und schiefen Bilanzen

In diesem Kapitel

arrow Wozu eine Bilanz gut ist

arrow Was Bilanzanalyse und Bilanzpolitik ist

arrow Welche Art von Bilanzpolitik Sie nicht betreiben sollten

Wir haben den Italienern ja schon einiges zu verdanken. Nicht nur, dass sie Spaghetti, Pizza und andere Leckereien sowie den Catenaccio auf dem Fußballplatz erfunden haben, auch das hübsche Wort »Bilancia« kommt ursprünglich aus dem Italienischen. Es bedeutet so viel wie »Waage« und ist gleichzeitig auch der Ursprung unseres Begriffs »Bilanz«. So weit unser kleiner Ausflug in die Etymologie.

Auch bei der Bilanz sollen die Dinge, ähnlich wie bei einer Balkenwaage, ins Gleichgewicht gebracht werden. Und zwar das Vermögen auf der Aktivseite sowie das dazu verwendete Kapital auf der Passivseite. Gerüchten zufolge soll es aber leider auch Leute geben, die beim Lesen von Bilanzen dafür aus dem inneren Gleichgewicht gebracht werden. Das wird sich aber sicherlich durch die Lektüre der nächsten paar Hundert Seiten ändern.

Wir empfehlen dazu ein saftiges Rinder-Carpaccio sowie ein kleines Gläschen Franciacorta Brut.

Icon_Hand.jpgEs war übrigens auch ein Italiener, der einst das Vor-Vor-Vor-Vorgängerbuch zu Bilanzen erstellen und lesen für Dummies schrieb. Der aus der Toskana stammende Mathematiker Luca Pacioli fasste im Jahre 1494 als Erster das Wissen seiner Zeit zum Thema Buchführung schriftlich zusammen. Sein epochales Werk Summa de arithmetica, geometria, proportioni et proportinalità ist auch heute noch als Reprint erhältlich: Abhandlung über die Buchhaltung von Luca Pacioli und Balduin Penndorf.

Die Aufgaben der Bilanz

Die Bilanz ist neben der Gewinn-und-Verlust-Rechnung das Kernstück eines jeden Jahresabschlusses. In ihr werden die aus der Buchführung ermittelten Daten zu einem bestimmten Stichtag zusammengefasst und systematisch geordnet. Das ergibt dann eine hübsche Übersicht über die Vermögens- und Kapitallage des Unternehmens.

Icon_Hand.jpgAbgesehen von der Bilanz und der Gewinn-und-Verlust-Rechnung besteht ein kompletter Jahresabschluss noch aus einem Anhang, dem Lagebericht sowie bei kapitalmarktorientierten Unternehmen aus einer Kapitalflussrechnung sowie dem Eigenkapitalspiegel.

Natürlich wird eine Bilanz nicht aus purer Langeweile erstellt. Sie ist in erster Linie für drei Dinge gut:

check.gif Dokumentations- und Rechenschaftsfunktion: Die Bilanz gibt detailliert Auskunft über das vorhandene Vermögen eines Unternehmens und zeigt auf, wie dieses finanziert wurde. Zudem soll sie verdeutlichen, wie gut oder schlecht das Management gearbeitet hat.

check.gif Zahlungsbemessungsfunktion: Die Ausschüttungen, also zum Beispiel die Dividendenzahlungen an die Anteilseigner, orientieren sich am Gewinn. Dieser wird durch das Ergebnis der Bilanz beeinflusst.

check.gif Informationsfunktion: Kapitalgesellschaften sowie Personengesellschaften ohne natürliche Person als persönlich haftendem Gesellschafter, wie etwa die GmbH & Co. KG, sind dazu verpflichtet, ihre Bilanzen zu veröffentlichen. Dadurch sollen Gläubiger, Kreditgeber, Geschäftspartner, der Fiskus und die Arbeitnehmer informiert werden, wie es um das Unternehmen wirtschaftlich bestellt ist.

Wozu die Bilanzanalyse gut ist

Zugegeben, ein spannender Kriminalroman hat gegenüber einer Bilanz einen kleinen Vorteil: Um ihn zu verstehen, muss man ihn einfach nur lesen. Das reine Durchlesen der Zahlenkolonnen eines Jahresabschlusses reicht jedoch meist nicht aus, um richtig schlau daraus zu werden.

Icon_beispiel.jpgWer sagt Ihnen etwa, was es bedeutet, dass die XY AG im letzten Geschäftsjahr einen Jahresüberschuss von 1.000.000 Euro erwirtschaften konnte und zusätzlich noch Eigenkapital in Höhe von 3.000.000 Euro ausweist?

Die Antwort ist denkbar einfach: das Buch, das gerade vor Ihnen liegt!

Damit Sie einen Jahresabschluss richtig verstehen, müssen Sie dessen Informationen erst einmal analysieren. Aus dem vorhandenen Datenmaterial werden dabei viele Kennzahlen gebildet.

Diese Kennzahlen heißen beispielsweise:

check.gif Cashflow

check.gif Liquidität

check.gif Rentabilität

check.gif Wertschöpfung

Im nächsten Schritt werden diese Kennzahlen interpretiert und verglichen. Denkbar sind zwei Vergleichsmöglichkeiten:

check.gif Zeitvergleich: Hier betrachten Sie die jeweiligen Kennzahlen des Unternehmens im Zeitverlauf und können damit gewisse Entwicklungen herauslesen.

Icon_Hand.jpgBeim Zeitvergleich sollten Sie mindestens drei aufeinanderfolgende Geschäftsjahre betrachten. So können Sie gewisse Trends erkennen und eventuelle »Ausreißerjahre« eliminieren.

check.gif Branchenvergleich: Hier vergleichen Sie die Kennzahlen eines Unternehmens mit denjenigen der Konkurrenz. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Unternehmen eine ähnliche Struktur haben. Sonst vergleicht man möglicherweise Äpfel mit Birnen.

Die Qualität der Bilanzanalyse steht und fällt natürlich mit der Qualität des Datenmaterials, das Ihnen zur Verfügung steht. Denn wie heißt es so schön: »Garbage in, garbage out.«

Icon_Hand.jpgBevor Sie jetzt vor Neugier platzen: Die Kennzahl, die Sie für das eben erwähnte kurze Beispiel mit dem Jahresüberschuss von 1.000.000 Euro benötigen, heißt »Eigenkapitalrentabilität«. Mehr dazu und noch viel mehr Kennzahlen gibt es natürlich im weiteren Verlauf von Bilanzen erstellen und lesen für Dummies.

Warum Bilanzpolitik gemacht wird

Vieles, was die Erstellung von Jahresabschlüssen betrifft, wird in entsprechenden Rechnungslegungsvorschriften wie etwa dem Handelsgesetzbuch (HGB) oder dem International Financial Reporting Standard (IFRS) mehr oder weniger streng geregelt.

Allerdings gibt es durchaus noch ein paar Stellschrauben, mit denen Unternehmen ihre Bilanzen noch ein wenig aufhübschen können. Diese Stellschrauben bestehen beispielsweise aus

check.gif bestimmten Wahlrechten bezüglich Ansatz und Bewertung von Vermögensgegenständen,

check.gif zeitlichen Verlagerungen von Investitionsvorhaben,

check.gif Ermessensspielräumen bei der Bildung von Rücklagen und Rückstellungen.

All das ermöglicht dem Unternehmen, sich nach außen hin so darzustellen, wie man es gerne hätte.

Icon_definition.jpgWird der Jahresabschluss im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten bewusst so ausgestaltet, dass dem Leser der Bilanz ein bestimmter Eindruck vermittelt werden soll, nennt man dies Bilanzpolitik.

Je nachdem, wem durch den Jahresabschluss welcher Eindruck vermittelt werden soll, kann die Bilanzpolitik unterschiedliche Richtungen verfolgen. Möglich wäre es zum einen, die Ertragslage schlechter auszuweisen, als sie eigentlich ist, oder – im Umkehrschluss – besser.

Gründe, weshalb es manchmal sinnvoll sein kann, sich schlechter darzustellen, sind unter anderem:

check.gif Durch den Ausweis möglichst geringer Gewinne können die Steuerlast und die Ausschüttung an die Aktionäre reduziert werden.

check.gif Schlechte Bilanzergebnisse können ein gutes Gegenargument bei hohen Lohnforderungen der eigenen Arbeitnehmer sein.

check.gif Preiserhöhungen lassen sich bei der Kundschaft besser kommunizieren.

Die Gründe, weshalb es sich manchmal lohnt, das Ergebnis besser auszuweisen, sind unter anderem:

check.gif Potenzielle Geldgeber sind aufgrund einer augenscheinlich guten finanziellen Lage des Unternehmens eher bereit, Kredite zu gewähren.

check.gif Gute Ergebnisse können helfen, das eigene Image in der Öffentlichkeit aufzupolieren.

Icon_definition.jpgHouston, wir haben ein Problem: Obwohl die Bilanz eigentlich ein möglichst realistisches Bild von der wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens liefern soll, kann die aktuelle Situation durch Bilanzpolitik verzerrt dargestellt werden. Dies hat natürlich auch Folgen für die Bilanzanalyse.

Doch keine Panik: Im weiteren Verlauf dieses Buches erfahren Sie, welche bilanzpolitischen Möglichkeiten es gibt und an welchen Stellen Sie deshalb bei der Bilanzanalyse etwas aufpassen sollten.

Schiefe Bilanzen

Ab und zu wird Bilanzpolitik leider auch jenseits aller Grenzen der Legalität ausgeübt. Kommen solche Machenschaften ans Tageslicht, spricht man von einem »Bilanzierungsskandal« und »raffgierigen Managern«.

Wenn Sie so etwas interessiert, lesen Sie doch den Kasten »Parmalat und der 11.11.«, dort erzählen wir Ihnen exemplarisch kurz eine wahre Geschichte aus einem stiefelförmigen Land im Süden Europas.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Bilanzierungsskandale gibt es natürlich nicht nur in Italien! Leider tritt diese Unsitte weltweit auf. Doch genug des Übels – jetzt kümmern wir uns wieder um die schönen Dinge des Lebens. Zum Beispiel um zwei Rechenwelten …

Buon divertimento!

Aufgabe 1

Überlegen Sie sich ein paar Gründe, warum ein Unternehmen in der Bilanz ein möglichst niedriges Ergebnis ausweisen möchte. Und wenn Sie schon dabei sind: Überlegen Sie sich doch auch gleich, was es für Gründe geben kann, in der Bilanz ein möglichst hohes Ergebnis auszuweisen.

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Passiv bilanzieren

In diesem Kapitel

arrow Das Eigenkapital von Einzelunternehmen und Personengesellschaften

arrow Eigenkapital bei Kapitalgesellschaften

arrow Welche Arten von Rückstellungen und Verbindlichkeiten es gibt

Eigentlich könnte der Begriff »Passivseite« ja suggerieren, dass auf dieser Seite der Bilanz eigentlich nicht allzu viel passiert. Denkste! Auch hier ist eine Menge los.

Das Wichtigste über Eigenkapital und Verbindlichkeiten finden Sie auf den folgenden Seiten. Wir wünschen Ihnen gute Unterhaltung beim hoffentlich aktiven Lesen der folgenden Passivseiten.

Alles meins: Das Eigenkapital

Eigenkapital ist eine feine Sache. Das kennen Sie sicherlich aus Ihrem eigenen Geldbeutel. Und auch Unternehmen freuen sich darüber, möglichst viel davon zu haben.

Was Sie hierbei alles in der Bilanz beachten müssen, hängt erst einmal davon ab, ob es sich um

check.gif ein Einzelunternehmen,

check.gif eine Personengesellschaft oder

check.gif eine Kapitalgesellschaft

handelt.

Während bei einem Einzelunternehmen und einer Personengesellschaft das Unternehmen natürlichen Personen gehört, ist die Kapitalgesellschaft selbst eine Person. Und zwar eine juristische Person. Als Erstes zeigen wir Ihnen nun, wie es bei Einzelunternehmen aussieht.

Eigenkapital bei Einzelunternehmen

Icon_definition.jpgUm ein Einzelunternehmen handelt es sich, wenn an einem Unternehmen lediglich eine einzige Person wirtschaftlich beteiligt ist. Diese Person kann natürlich auch Angestellte haben – jedoch ist sie der einzige Anteilseigner.

Bei einem Einzelunternehmen ergibt sich das Eigenkapital aus dem Saldo der Einlagen, die der Unternehmer getätigt hat, und seinen Entnahmen.

Icon_Hand.jpgDie Einlagen und die Entnahmen werden bei Einzelunternehmen auf einem sogenannten Privatkonto verbucht. Das dürfen Sie aber nicht mit seinem privaten Girokonto verwechseln.

Eigenkapital bei Personengesellschaften

Der ehemalige Einzelunternehmer Ernst Sparfuchs tut sich mit seinem Freund Knut Freigeb zusammen. Gemeinsam gründen die beiden die »Spar-Frei OHG«, also eine Personengesellschaft.

Icon_Hand.jpgZunächst einmal bedeutet das, dass jetzt zwei Privatkonten benötigt werden: eines für Herrn Sparfuchs und eines für Herrn Freigeb.

Herr Freigeb bringt stolze 100.000 Euro als Eigenkapital mit und beteiligt sich mit diesem Betrag am Unternehmen.

Icon_Hand.jpgDie Bilanz hat sich nun auf der Aktiv- wie auch auf der Passivseite erhöht. Man spricht hier von einer Erhöhung des Bilanzvolumens. Das wirkt nach außen immer gut – vor allem wenn dies mit Eigenkapital geschieht.

Zum Bilanzstichtag sieht die Lage dann so aus:

check.gif Herr Freigeb tätigte das Jahr über keine weiteren Einlagen mehr. Seine Entnahmen beliefen sich auf 35.000 Euro.

check.gif Herr Sparfuchs tätigte Einlagen von insgesamt 30.000 Euro. Er gönnte sich aber auch mehr als im letzten Jahr und entnahm in Summe 20.000 Euro aus dem Unternehmen.

check.gif Der Jahresüberschuss beträgt 80.000 Euro. Dieser Gewinn soll jeweils hälftig den Eigenkapitalkonten von Sparfuchs und Freigeb zugeschlagen werden.

Auf dem Privatkonto von Herrn Sparfuchs tut sich Folgendes:

check.gif Anfang des Jahres befanden sich 100.000 Euro auf seinem Privatkonto. Da er 10.000 Euro mehr eingelegt hatte, als er entnahm, erhöht sich sein Eigenkapital auf 110.000 Euro. Zudem wird noch die Hälfte des Jahresüberschusses, also 40.000 Euro seinem Privatkonto gutgeschrieben. Macht in Summe 150.000 Euro.

Bei Herrn Freigeb passiert Folgendes:

check.gif Herr Freigeb beteiligte sich mit 100.000 Euro am Unternehmen. Davon entnahm er im Laufe des Jahres 35.000 Euro. Es verbleiben also 65.000 Euro. Dazu kommt noch die verbleibende Hälfte des Jahresüberschusses, also 40.000 Euro. Sein Privatkonto weist am Ende des Jahres somit einen Saldo von 105.000 Euro auf.

Somit wäre eigentlich alles Wichtige zum Eigenkapital bei Personengesellschaften gesagt. Jetzt entführen wir Sie deshalb in die wunderbare Welt der Kapitalgesellschaften.

Eigenkapital bei Kapitalgesellschaften

Das Eigenkapital setzt sich bei Kapitalgesellschaften aus folgenden Posten zusammen:

check.gif Gezeichnetes Kapital: Hier wird das Grundkapital einer AG beziehungsweise das Stammkapital einer GmbH ausgewiesen.

check.gif Kapitalrücklage: Hier kommt das rein, was beim Verkauf von Anteilen über den Nennwert hinausgeht.

check.gif Gewinnrücklage: Das ist die hohe Kante für schlechte Tage.

check.gif Gewinn-/Verlustvortrag: Hier kommen die Anteile vom Gewinn rein, die weder an die Aktionäre ausgeschüttet noch in die Gewinnrücklagen gesteckt werden. Bei Verlusten können Sie diese auch auf mehrere Jahre verteilen.

check.gif Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag: Falls die Bilanz erstellt wird, bevor geklärt ist, was mit dem Ergebnis gemacht werden soll, muss der Gewinn oder der Verlust hier zwischengeparkt werden.

Was Sie hierbei alles wissen müssen, zeigen wir Ihnen jetzt. Die Herren Sparfuchs und Freigeb haben ihr Geld nämlich mittlerweile in eine AG gesteckt, die »Spar-Frei AG«.

Gewinnverwendung bei Kapitalgesellschaften

Die Spar-Frei AG hat ein recht erfolgreiches Geschäftsjahr hinter sich. Der Gewinn beläuft sich auf stolze 500.000 Euro.

Die Hauptversammlung wird allerdings erst im März darüber entscheiden, was mit dem Gewinn gemacht werden soll – also welcher Anteil davon an die Aktionäre ausgeschüttet wird und was im Unternehmen bleiben soll. Solange noch nicht klar ist, was mit dem Gewinn passiert, wird er erst einmal auf dem Konto »Jahresüberschuss« zwischengeparkt.

Im März folgt dann die Hauptversammlung. Nach hitziger Diskussion und stundenlangen Debatten steht mehrere Kaffeepausen später dann endlich fest, was mit dem Gewinn gemacht werden soll:

check.gif 250.000 Euro sollen an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

check.gif 200.000 Euro sollen thesauriert werden, also im Unternehmen bleiben.

Icon_definition.jpgThesauriert ist ein Begriff, der sich wunderbar dazu eignet, um beim nächsten Sektempfang sein Wissen unter Beweis zu stellen. Klingt sehr gebildet und wetten, dass die wenigsten etwas damit anfangen können? Sie jetzt schon!

Jetzt gilt es, das, was auf dem Konto »Jahresüberschuss« zwischengelagert wurde, auf die entsprechenden Konten zu verteilen:

check.gif Für die Gewinne, die ausgeschüttet werden sollen, wird bis zum endgültigen Zeitpunkt der Auszahlung erst einmal eine Verbindlichkeit gebildet.

check.gif Thesaurierte Gewinne werden in die Gewinnrücklage eingestellt.

check.gif Wenn Sie die beiden Beträge von oben zusammenzählen, so merken Sie, dass noch 50.000 Euro fehlen. Diese sollen also weder ausgeschüttet noch in die Gewinnrücklagen eingestellt werden. Somit werden sie einfach auf dem Konto »Gewinnvortrag« verbucht. Fertig!

Was wir Ihnen in diesem Abschnitt aber bislang noch verschwiegen haben, ist, dass sich die Gewinnrücklagen auch noch weiter separieren lassen.

Gewinnrücklagen

Die Gewinnrücklagen lassen sich noch in folgende Unterarten unterteilen:

check.gif Die gesetzliche Rücklage: Hier müssen stets fünf Prozent des Jahresüberschusses eingestellt werden, ob man will oder nicht. Diese Pflicht gilt allerdings nur, bis die gesetzliche Rücklage und die Kapitalrücklage zehn Prozent des gesamten Grundkapitals umfasst.

check.gif Die Rücklage für eigene Anteile: Falls die Spar-Frei AG von sich selbst eigene Aktien hält, muss derselbe Betrag, mit dem die Aktien auf der Aktivseite erscheinen, in die Rücklage für eigene Anteile eingestellt werden.

check.gif Die satzungsmäßigen Rücklagen: Im Gesellschaftsvertrag kann geregelt werden, dass stets ein bestimmter Gewinnanteil auf die Seite gelegt werden muss. Diese Gewinnanteile kommen dann hier rein.

check.gif Andere Gewinnrücklagen: Wie es der Name schon erahnen lässt, kommen hier alle Gewinnrücklagen hinein, die nicht zu den ersten drei Kategorien gehören. Ein klassisches Sammelbecken also.

Icon_Hand.jpgDas gilt übrigens nur für Aktiengesellschaften. Für GmbHs gibt es keine entsprechenden Regelungen. Diese können es letztendlich so halten, wie sie wollen.

Die Spar-Frei AG hat bislang insgesamt 50.000 Euro in der gesetzlichen Rücklage und Kapitalrücklage. Und das bei einem Grundkapital von einer Million Euro. Somit müssen jedes Jahr fünf Prozent des Jahresüberschusses noch in diese beiden Rücklagen eingestellt werden – so lange, bis dort 100.000 Euro enthalten sind.

Außerdem hält die Spar-Frei AG eigene Aktien, die mit einem Wert von 10.000 Euro auf der Aktivseite der Bilanz stehen.

Als ob das nicht schon genug wäre, sieht der Gesellschaftsvertrag vor, dass zwei Prozent des Jahresüberschusses in die satzungsmäßige Rücklage eingestellt werden müssen.

Jetzt müssen die 200.000 Euro, die in die Gewinnrücklagen kommen, also noch weiter aufgedröselt werden.

check.gif Der Jahresüberschuss betrug 500.000 Euro. Fünf Prozent daraus macht 25.000 Euro. Die kommen also in die gesetzliche Rücklage.

check.gif 10.000 Euro müssen als Rücklagen für eigene Anteile verbucht werden.

check.gif Zwei Prozent aus 500.000 Euro ergibt nach Adam Riese ebenfalls 10.000 Euro für die satzungsmäßigen Rücklagen.

check.gif 200.000 Euro – 25.000 Euro – 10.000 Euro – 10.000 Euro ergeben 155.000 Euro, die im Sammelbecken »andere Gewinnrücklagen« verbucht werden müssen.

Kapitalerhöhung

Manchmal kommt es auch vor, dass eine Aktiengesellschaft ihr Eigenkapital aufstocken möchte und eine sogenannte Kapitalerhöhung durchführt. Aber Vorsicht: In der Regel werden die Anteile über ihrem eigentlichen Nennwert ausgegeben.

Icon_Hand.jpgHier kommen jetzt das gezeichnete Kapital und die Kapitalrücklage ins Spiel. Im gezeichneten Kapital darf nur der eigentliche Nennwert der Anteile verbucht werden. Alles, was darüber hinausgeht, kommt in die Kapitalrücklage.

Zurück zum Beispiel: Die Spar-Frei AG möchte 10.000 neue Aktien ausgeben. Diese haben jeweils einen Nennwert von 5 Euro. Verkauft werden sie jedoch für 12 Euro das Stück.

Der komplette Nennwert der ausgegebenen Aktien beträgt also 50.000 Euro. Insgesamt werden durch die Kapitalerhöhung jedoch satte 120.000 Euro in die Kassen gespült. 70.000 Euro kommen somit in die Kapitalrücklage.

Icon_Hand.jpgEine Kapitalerhöhung ist jedoch vom Drumherum eine höchst komplizierte Angelegenheit. Sie muss von der Hauptversammlung mit einer Dreiviertelmehrheit beschlossen werden und ins Handelsregister eingetragen werden. Weitere Details ersparen wir Ihnen lieber.

Die hohe Kante: Rückstellungen

Bei Verbindlichkeiten wissen Sie genau, wann eine Zahlung in welcher Höhe fällig ist. Bei Rückstellungen sieht das ein klein wenig anders aus. Hier wissen Sie nicht, wann eine mögliche Zahlung fällig wird. Oder in welcher Höhe. Oder ob sie überhaupt fällig wird.

Icon_definition.jpgRückstellungen sind Aufwendungen in der Zukunft, die mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten, deren Höhe und Zahlungszeitpunkt aber zum Bilanzstichtag nur vage bekannt sind.

Icon_Hand.jpgRückstellungen haben ihren Ursprung wieder einmal im Gläubigerschutz. Es soll sichergestellt werden, dass für Zahlungen, die sich abzeichnen, auch genug Geld vorhanden ist.

Folgende Rückstellungen müssen gebildet werden:

check.gif Rückstellungen für ungewisse Verpflichtungen wie etwa Garantierückstellungen oder Rückstellungen für Serviceleistungen oder Nacharbeiten. Steuer- und Pensionsrückstellungen zählen ebenfalls zu dieser Kategorie.

check.gif Rückstellungen für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften oder Bürgschaften

check.gif Rückstellungen für unterlassene Aufwendungen für Instandhaltung, sofern sie im folgenden Geschäftsjahr innerhalb von drei Monaten nachgeholt werden, oder für Abraumbeseitigung, sofern sie im folgenden Geschäftsjahr nachgeholt werden

Icon_Hand.jpgPensionsrückstellungen sind künftige Verpflichtungen, die aus einer zugesicherten betrieblichen Altersversorgung entstehen.

Icon_Hand.jpgNach IFRS dürfen Rückstellungen übrigens nur dann gebildet werden, wenn die Wahrscheinlichkeit des Eintritts einer Zahlung höher als 50 Prozent ist und Sie die Höhe des Betrags zuverlässig schätzen können. Dafür hilft übrigens ein Blick in die berühmte Glaskugel.

Andere Rückstellungen als die oben angegebenen dürfen nach HGB nicht gebildet werden. Sonst könnten der Steuerprüfer und der Fiskus etwas sauer reagieren.

Icon_Hand.jpgRückstellungen verringern übrigens den Gewinn des aktuellen Geschäftsjahrs. Sobald der zugrunde liegende Sachverhalt abgeschlossen ist, muss die Rückstellung natürlich wieder aufgelöst werden.

Icon_Hand.jpgSeit Inkrafttreten des BilMoG im Jahr 2010 müssen Sie bei der Bewertung von Rückstellungen zukünftige Preis- und Kostensteigerungen übrigens zwingend in die Bewertung mit einbeziehen.

Haste mal ’nen Euro: Verbindlichkeiten

In nahezu allen Fällen reicht das vorhandene Eigenkapital nicht aus, um den Laden am Laufen zu halten. Frei nach einem alten deutschen Schlager: »Ein bisschen Pump muss sein.«

Dafür gibt es auf der Passivseite der Bilanz die Position »Verbindlichkeiten«.

Icon_definition.jpgBei einer Verbindlichkeit wissen Sie am Bilanzstichtag genau, welchen gepumpten Betrag Sie wann zurückzahlen müssen. Höhe und Fälligkeit müssen also bekannt sein. Ist der Betrag und/oder der Zeitpunkt hingegen offen oder nur vage bekannt, haben Sie es mit Rückstellungen zu tun.

Icon_Hand.jpgEine Verbindlichkeit ist das Gegenstück zu einer Forderung. Tätigen Sie mit anderen Unternehmen Geschäfte, entsteht bei jeder Ihrer Verbindlichkeiten zwangsläufig eine Forderung bei Ihrem Geschäftspartner.

Artenvielfalt: Verschiedene Verbindlichkeiten

Das alles wäre ja zu einfach, wenn sich die Verbindlichkeiten nicht noch in acht Unterarten aufteilen ließen:

check.gif Anleihen

check.gif Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten

check.gif erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen

check.gif Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

check.gif Verbindlichkeiten aus Wechselgeschäften

check.gif Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen

check.gif Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht

check.gif sonstige Verbindlichkeiten

Anleihen

In der Regel werden Anleihen nur von größeren Kapitalgesellschaften genutzt. Hierbei werden zum Beispiel Wandelschuldverschreibungen ausgegeben, die mit einem festen Nominalzins ausgestattet sind.

Icon_definition.jpgEine Wandelschuldverschreibung ist eine Anleihe, die den Käufer berechtigt, sie während einer bestimmten Wandlungsfrist in Aktien einzutauschen.

Optionsanleihen und Genussscheine sind ebenfalls typische Vertreter von Anleihen.

Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten

Das sind die typischen Bankschulden. Aber Obacht: Wenn Ihre Hausbank Ihrem Unternehmen einen Kredit eingeräumt hat, darf nur der Betrag passiviert werden, der am Bilanzstichtag auch wirklich in Anspruch genommen wurde.

Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen

Die Spar-Frei AG hat eine Anzahlung erhalten, die entsprechende Ware hierfür aber noch nicht geliefert. Hierdurch entsteht ebenfalls eine Art Verbindlichkeit – in Form einer Lieferschuld.

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sind der Klassiker unter den Verbindlichkeiten. Sie entstehen, wenn Sie einen bestimmten Gegenstand oder eine Dienstleistung kaufen, das Geld hierfür aber erst später – das heißt, nach Erhalt der Ware – bezahlen.

Man nennt das dann auch Zielkauf, weil das Geld erst zu einem bestimmten Zieltag bezahlt werden muss.

Verbindlichkeiten aus Wechselgeschäften

Ein Wechsel ist grob gesagt so etwas wie ein Schuldschein. Früher hatten Wechsel im Wirtschaftsleben eine große Bedeutung, heute fristen sie eher ein Randgruppendasein.

Mit einem Wechsel können Sie Waren oder Dienstleistungen bezahlen. Der Clou: Wer einen Wechsel besitzt, kann diesen auch weitergeben und selbst damit bezahlen. So wird dann der Schuldschein einfach weitergereicht.

Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen

Sie sind grob gesagt mit einem anderen Unternehmen verbunden, wenn es zu 100 Prozent Ihrem Unternehmen gehört. Man spricht hierbei oftmals auch von Mutter- und Tochtergesellschaft oder von einem Konzern.

Damit vermieden werden kann, dass verbundene Unternehmen unauffällig Gelder hin- und herschieben, um etwa irgendwelche Steuerschlupflöcher zu nutzen, hat der Gesetzgeber hier Transparenz geschaffen. Er verlangt, dass solche Verbindlichkeiten gesondert ausgewiesen werden.

Icon_Hand.jpgIm Gegenzug müssen übrigens auch Forderungen, die gegenüber verbundenen Unternehmen bestehen, gesondert ausgewiesen werden. Aber das nur am Rande.

Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht

Das über Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen Ausgeführte gilt eigentlich auch hier. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass Sie an Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht, nicht der hundertprozentige Anteilseigner sind.

Ein Beteiligungsverhältnis besteht, wenn an einem Unternehmen längerfristig Anteile gehalten werden und dadurch ein positiver Nutzen für das eigene Unternehmen erhofft wird. Beispielsweise durch gemeinsame Projekte. Die Höhe der Beteiligung spielt hierbei keine Rolle.

Sonstige Verbindlichkeiten

Dies ist wieder einmal eines der berühmten Sammelbecken. Hier fallen alle Verbindlichkeiten rein, die in keine der bisherigen Kategorien passen. Das sind zum Beispiel Steuerschulden, Sozialabgaben, Zinsschulden gegenüber Nichtbanken sowie ein Großteil der antizipativen Abgrenzungsposten.

Aufgabe 10

Der Automobilhersteller Nobelhobel AG verkauft seit fünf Jahren auch Kompaktwagen. Leider hapert es etwas mit der Qualität. Innerhalb des ersten Jahres fallen bei jedem zehnten Wagen die Türen ab. Kostenpunkt pro Tür: 2.000 Euro. Im nächsten Jahr wird die Nobelhobel AG vermutlich 30.000 Türen auf Garantie reparieren müssen. Darf eine Rückstellung gebildet werden? Falls ja, in welcher Höhe?