Cover: Bilanzen erstellen und lesen für Dummies, 5. Auflage by Michael Griga, Raymund Krauleidis

Evangelisch für Dummies

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Über die Autoren

Michael Griga, Diplom-Volkswirt, studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität Tübingen. Er ist heute Bereichscontroller in einem Technologiekonzern, der im Fortune Global 500 unter den 100 größten Unternehmen weltweit gelistet ist. Davor hat er unter anderem als Referent im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg an der Einführung einer Kosten- und Leistungsrechnung an den Hochschulen mitgewirkt. Zu seinen weiteren Aufgaben gehörte dort unter anderem die Entwicklung eines Konzepts für ein Hochschulberichtswesen und -controlling.

Raymund Krauleidis, Diplom-Kaufmann, studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Tübingen. Heute ist er Data Scientist in einem großen deutschen Energieunternehmen. Neben … für Dummies-Büchern schreibt er auch humoristische Literatur. Seine Bücher erschienen bisher unter anderem bei Bastei Lübbe, Goldmann sowie im Heyne Verlag.

Die beiden Autoren haben sich während ihrer gemeinsamen Zeit bei einem Telekommunikationsunternehmen kennengelernt und dort Pläne für gemeinsame Projekte ausgeheckt. Nach ihrem erfolgreichen Erstlingswerk Controlling für Dummies folgten Buchführung und Bilanzierung für Dummies, Bilanzen erstellen und lesen für Dummies, Jahresabschluss für Dummies und Rechnungswesen für Dummies.

Einführung

Für viele Menschen hat das Lesen von Bilanzen einen ähnlichen Charme wie die eingehende Lektüre des Telefonbuchs der Stadt Bielefeld. Dabei kann eine Bilanz so spannend sein wie ein Krimi, wenn Sie die Inhalte verstehen und entsprechend zu interpretieren wissen.

Da Sie dieses Buch gerade in Ihren Händen halten, gehen wir übrigens davon aus, dass Sie sich genau das auf die Fahne geschrieben haben. Eine gute Entscheidung. Denn wir sind uns sicher, dass Sie auf den kommenden Seiten packend unterhalten werden. Das Thema ist nämlich gar nicht so schlimm wie sein Ruf.

Und wenn Sie die Vermögens- und Ertragslage von börsennotierten Unternehmen in Zukunft besser nachvollziehen wollen, kann Ihnen Bilanzen erstellen und lesen für Dummies sogar noch dabei helfen, Ihr Vermögen ein kleines bisschen zu vermehren.

Versuchen Sie das mal mit einem Telefonbuch …

Über dieses Buch

Falls Sie nun ein mit Theorie und unappetitlichen Formeln vollgepacktes Lehrbuch erwarten, sind Sie hier mit Sicherheit falsch. Denn was Sie gerade vor sich haben, ist ein praxisorientierter und gut verständlicher Überblick über die wunderbare Welt der Bilanzierung und der Bilanzanalyse, gespickt mit praxisorientierten Tipps und ein paar netten Anekdoten.

Erfahren Sie unter anderem,

  • wie Sie einen Jahresabschluss erstellen,
  • was es mit einem Konzernabschluss auf sich hat,
  • wie Bilanzpolitik funktioniert und ob man dafür auch eine Regierung braucht,
  • welche Kennzahlen für die Bilanzanalyse wichtig sind.

Konventionen in diesem Buch

Keine Sorge: In diesem Buch verlangen wir an keiner Stelle von Ihnen, dass Sie irgendetwas eingeben, mitschreiben oder ausschneiden sollen. Somit gibt es hier nichts weiter zu beachten. Und falls Sie jetzt aus uns unerfindlichen Gründen doch an diesem Buch herumschnippeln sollten, haben wir nichts damit zu tun …

Sie finden bei jedem Kapitel am Ende Übungsaufgaben. Hier können Sie testen, ob ein wenig hängen blieb. Wenn Ihnen die Übungen gefallen haben und Sie weitere Aufgaben zum Thema Bilanzen und darüber hinaus auch zur Buchführung und Kostenrechnung bearbeiten wollen, sollten Sie sich das Übungsbuch Rechnungswesen für Dummies besorgen.

Törichte Annahmen über den Leser

Wir unterstellen Ihnen an dieser Stelle einfach einmal ein gewisses Grundinteresse an den Themen Bilanzierung und Bilanzanalyse. Ansonsten hätten Sie sich beim Buchhändler Ihres Vertrauens sicherlich für einen Krimi entschieden. Dieses Grundinteresse, sei es freiwillig oder gezwungenermaßen vorhanden, ist die Mindestanforderung, die wir an Sie haben.

Zudem gehen wir davon aus, dass noch mindestens einer der folgenden Punkte auf Sie zutrifft:

  • Sie müssen sich von Berufs wegen mit Bilanzen beschäftigen.
  • Sie halten Aktien und wollen wissen, wie es um Ihre Investitionen bestellt ist.
  • Sie wollen endlich einmal wissen, was zum Henker eine Rentabilitätsanalyse ist.
  • Sie müssen sich in der Ausbildung oder im Studium mit der Materie herumschlagen.
  • Sie sind ein vielseitig interessierter Mensch, aber die besagten Themen gehörten zu den wenigen Dingen, bei denen Sie bisher nur Bahnhof verstanden haben.
  • Sie haben Controlling für Dummies sowie Buchführung und Bilanzierung für Dummies bereits verschlungen und warten schon seit Monaten sehnsüchtig auf den nächsten Teil der Trilogie.

Sie dürfen das, was auf Sie zutrifft, übrigens auch gerne ankreuzen – es ist ja schließlich Ihr Buch.

Was Sie nicht lesen müssen

Ab und zu werden Sie beim Lesen auf einen Kasten im Text stoßen. Diese Kästen enthalten entweder theoretische Hintergrundinformationen oder banale Anekdoten aus der Bilanzwelt. Beide haben eines gemeinsam: Sie müssen sie nicht unbedingt lesen, um das Thema zu verstehen. Wenn es also mal schnell gehen muss, können Sie die Kästen ohne schlechtes Gewissen überspringen. Wir sagen's auch niemandem weiter, versprochen!

Wie dieses Buch aufgebaut ist

Das Buch ist in sechs Teile gegliedert, die originellerweise fortlaufend nummeriert sind. In den sechs Teilen finden Sie folgende Inhalte:

Teil I: Willkommen in der Welt der Bilanzen

Hier bekommen Sie zunächst einen ersten Einblick in die Welt der Zahlen und Erbsenzähler.

Außerdem machen wir Sie mit verschiedenen Rechenwelten bekannt und werden auch das Thema Abgrenzung nicht ausgrenzen.

Teil II: Der Jahresabschluss: Bilanz und GuV erstellen

Jetzt geht's richtig los! Nachdem wir Sie hier mit dem Inventar sowie der Inventur vertraut gemacht haben, weihen wir Sie danach gleich noch in die Geheimnisse der unterschiedlichen Gewinnermittlungsarten ein. Dann lernen Sie die Bilanz so richtig kennen. Und zwar aktiv wie passiv, inklusive der E-Bilanz.

Doch damit nicht genug: Alles Wissenswerte über die Gewinn-und-Verlust-Rechnung rundet diesen Teil ab.

Teil III: Konzernabschluss und Berichte erstellen

Kinder, wie die Zeit vergeht! Schon wieder ist ein Jahr vorbei und das bedeutet: Der Jahresabschluss steht vor der Tür. Ein solcher besteht allerdings nicht nur aus der Bilanz und der Gewinn-und-Verlust-Rechnung. Auch Anhang und Lagebericht müssen gemacht werden.

Die Konsequenzen des grenzenlosen Unternehmenswachstums werden dann im Konzernabschluss spürbar, ehe die Themen Berichterstattung und Abschlussprüfung den dritten Teil des Buches würdig abschließen.

Teil IV: Unparteiisch: Bilanzpolitik

Hier erfahren Sie nicht nur alles Wichtige zum Begriff und den Zielen der Bilanzpolitik. Auch die diversen Wahlrechte bezüglich der Gliederung und der Bewertung sowie rechtliche Grenzen und Ermessensspielräume finden in Teil IV ein lauschiges Plätzchen.

Dann begeben wir uns auf internationales Parkett und zeigen Ihnen, welche Auswirkungen die internationalen Bilanzierungsrichtlinien auf die Bilanzpolitik haben. Natürlich auf Deutsch …

Teil V: Ganz kritisch: Bilanzanalyse

Neben einem bunten Strauß hübscher Analysemöglichkeiten einer Bilanz zeigen wir Ihnen hier, wie Sie sich selbst eine Strukturbilanz und eine Struktur-GuV basteln können. Werkzeug benötigen Sie dazu übrigens keins (außer Ihrem Kopf).

Dann wird kräftig analysiert: die Finanzierungs- und Investitionsanalyse, die Liquiditätsanalyse, die Erfolgsanalyse, die Wertschöpfungs- und Break-even-Analyse sowie die strategische Bilanzanalyse warten schon auf Sie.

Aber keine Angst! Keine der Analysen beißt …

Teil VI: Der Top-Ten-Teil

Für den versierten … für Dummies-Leser ist dieser Teil nichts Neues. Hier erfahren Sie zuerst einmal mehr über die zehn unserer Meinung nach besten Websites rund um das Thema Bilanzen. Dann stellen wir Ihnen zehn Beispiele »effektiver« Bilanzpolitik vor. Und damit Sie immer und überall mitreden können, erklären wir Ihnen zu guter Letzt noch zehn Begriffe zum Thema, die Ihnen über den Weg laufen könnten.

Symbole, die in diesem Buch verwendet werden

Sie finden über das ganze Buch verteilt verschiedene Symbole, über deren Bedeutung wir Sie hier kurz aufklären:

Wie es weitergeht

Das Buch ist so aufgebaut, dass Sie es nicht zwingend wie einen Roman von vorn nach hinten durchlesen müssen, um alles zu verstehen.

Wollen Sie sich zum Beispiel mal eben über Grundlagen und Ziele der Bilanzpolitik informieren, können Sie direkt und ohne Umwege Kapitel 15 aufschlagen. Sie werden dort alles verstehen, auch ohne die Kapitel 1 bis 14 gelesen zu haben.

Wenn Sie das Buch aber dennoch von vorn bis hinten durchlesen möchten, sind wir Ihnen auch nicht böse. Wie und in welcher Reihenfolge Sie was, warum und weshalb lesen, können Sie somit frei entscheiden.

Und nun wünschen wir Ihnen viel Spaß und Erfolg!

Teil I

Willkommen in der Welt der Bilanzen

Kapitel 1

Von schönen und schiefen Bilanzen

IN DIESEM KAPITEL

  • Wozu eine Bilanz gut ist
  • Was Bilanzanalyse und Bilanzpolitik ist
  • Welche Art von Bilanzpolitik Sie nicht betreiben sollten

Wir haben den Italienern ja schon einiges zu verdanken. Nicht nur, dass sie Spaghetti, Pizza und andere Leckereien sowie den Catenaccio auf dem Fußballplatz erfunden haben, auch das hübsche Wort »Bilancia« kommt ursprünglich aus dem Italienischen. Es bedeutet so viel wie »Waage« und ist gleichzeitig auch der Ursprung unseres Begriffs »Bilanz«. So weit unser kleiner Ausflug in die Etymologie.

Auch bei der Bilanz sollen die Dinge, ähnlich wie bei einer Balkenwaage, ins Gleichgewicht gebracht werden. Und zwar das Vermögen auf der Aktivseite sowie das dazu verwendete Kapital auf der Passivseite. Gerüchten zufolge soll es aber leider auch Leute geben, die beim Lesen von Bilanzen dafür aus dem inneren Gleichgewicht gebracht werden. Das wird sich aber sicherlich durch die Lektüre der nächsten paar Hundert Seiten ändern.

Wir empfehlen dazu ein saftiges Rinder-Carpaccio sowie ein kleines Gläschen Franciacorta Brut.

Es war übrigens auch ein Italiener, der einst das Vor-Vor-Vor-Vorgängerbuch zu Bilanzen erstellen und lesen für Dummies schrieb. Der aus der Toskana stammende Mathematiker Luca Pacioli fasste im Jahre 1494 als Erster das Wissen seiner Zeit zum Thema Buchführung schriftlich zusammen. Sein epochales Werk Summa de arithmetica, geometria, proportioni et proportinalità ist auch heute noch als Reprint erhältlich: Abhandlung über die Buchhaltung von Luca Pacioli und Balduin Penndorf.

Die Aufgaben der Bilanz

Die Bilanz ist neben der Gewinn-und-Verlust-Rechnung das Kernstück eines jeden Jahresabschlusses. In ihr werden die aus der Buchführung ermittelten Daten zu einem bestimmten Stichtag zusammengefasst und systematisch geordnet. Das ergibt dann eine hübsche Übersicht über die Vermögens- und Kapitallage des Unternehmens.

Der Jahresabschluss besteht aus der Bilanz und der Gewinn-und-Verlust-Rechnung und bei Kapitalgesellschaften zusätzlich noch aus einem Anhang und einem Lagebericht.

Natürlich wird eine Bilanz nicht aus purer Langeweile erstellt. Sie ist in erster Linie für drei Dinge gut:

  • Dokumentations- und Rechenschaftsfunktion: Die Bilanz gibt detailliert Auskunft über das vorhandene Vermögen eines Unternehmens und zeigt auf, wie dieses finanziert wurde. Zudem soll sie verdeutlichen, wie gut oder schlecht das Management gearbeitet hat.
  • Zahlungsbemessungsfunktion: Die Ausschüttungen, also zum Beispiel die Dividendenzahlungen an die Anteilseigner, orientieren sich am Gewinn. Dieser wird durch das Ergebnis der Bilanz beeinflusst.
  • Informationsfunktion: Kapitalgesellschaften sowie Personengesellschaften ohne natürliche Person als persönlich haftendem Gesellschafter, wie etwa die GmbH & Co. KG, sind dazu verpflichtet, ihre Bilanzen zu veröffentlichen. Dadurch sollen Gläubiger, Kreditgeber, Geschäftspartner, der Fiskus und die Arbeitnehmer informiert werden, wie es um das Unternehmen wirtschaftlich bestellt ist.

Wozu die Bilanzanalyse gut ist

Zugegeben, ein spannender Kriminalroman hat gegenüber einer Bilanz einen kleinen Vorteil: Um ihn zu verstehen, muss man ihn einfach nur lesen. Das reine Durchlesen der Zahlenkolonnen eines Jahresabschlusses reicht jedoch meist nicht aus, um richtig schlau daraus zu werden.

Wer erklärt Ihnen, was es bedeutet, dass die XY AG im letzten Geschäftsjahr einen Jahresüberschuss von 1.000.000 Euro erwirtschaften konnte und zusätzlich noch Eigenkapital in Höhe von 3.000.000 Euro ausweist?

Die Antwort ist denkbar einfach: Das Buch, das gerade vor Ihnen liegt!

Damit Sie einen Jahresabschluss richtig verstehen, müssen Sie dessen Informationen erst einmal analysieren. Aus dem vorhandenen Datenmaterial werden dabei viele Kennzahlen gebildet.

Diese Kennzahlen heißen beispielsweise:

  • Cashflow
  • Liquidität
  • Rentabilität
  • Wertschöpfung

Im nächsten Schritt werden diese Kennzahlen interpretiert und verglichen. Denkbar sind zwei Vergleichsmöglichkeiten:

  • Zeitvergleich: Hier betrachten Sie die jeweiligen Kennzahlen des Unternehmens im Zeitverlauf und können damit gewisse Entwicklungen herauslesen.

Beim Zeitvergleich sollten Sie mindestens drei aufeinanderfolgende Geschäftsjahre betrachten. So können Sie gewisse Trends erkennen und eventuelle »Ausreißerjahre« eliminieren.

  • Branchenvergleich: Hier vergleichen Sie die Kennzahlen eines Unternehmens mit denjenigen der Konkurrenz. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Unternehmen eine ähnliche Struktur haben. Sonst vergleicht man möglicherweise Äpfel mit Birnen.

Die Qualität der Bilanzanalyse steht und fällt natürlich mit der Qualität des Datenmaterials, das Ihnen zur Verfügung steht. Denn wie heißt es so schön: »Garbage in, garbage out.«

Bevor Sie jetzt vor Neugier platzen: Die Kennzahl, die Sie für das eben erwähnte kurze Beispiel mit dem Jahresüberschuss von 1.000.000 Euro benötigen, heißt »Eigenkapitalrentabilität«. Mehr dazu und noch viel mehr Kennzahlen gibt es natürlich im weiteren Verlauf von Bilanzen erstellen und lesen für Dummies.

Warum Bilanzpolitik gemacht wird

Vieles, was die Erstellung von Jahresabschlüssen betrifft, wird in entsprechenden Rechnungslegungsvorschriften wie etwa dem Handelsgesetzbuch (HGB) oder dem International Financial Reporting Standard (IFRS) mehr oder weniger streng geregelt.

Allerdings gibt es durchaus noch ein paar Stellschrauben, mit denen Unternehmen ihre Bilanzen noch ein wenig aufhübschen können. Diese Stellschrauben bestehen beispielsweise aus

  • bestimmten Wahlrechten bezüglich Ansatz und Bewertung von Vermögensgegenständen,
  • zeitlichen Verlagerungen von Investitionsvorhaben,
  • Ermessensspielräumen bei der Bildung von Rücklagen und Rückstellungen.

All das ermöglicht dem Unternehmen, sich nach außen hin so darzustellen, wie man es gerne hätte.

Wird der Jahresabschluss im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten bewusst so ausgestaltet, dass dem Leser der Bilanz ein bestimmter Eindruck vermittelt werden soll, nennt man das Bilanzpolitik.

Je nachdem, wem durch den Jahresabschluss welcher Eindruck vermittelt werden soll, kann die Bilanzpolitik unterschiedliche Richtungen verfolgen. Möglich wäre es zum einen, die Ertragslage schlechter auszuweisen, als sie eigentlich ist, oder – im Umkehrschluss – besser.

Gründe, weshalb es manchmal sinnvoll sein kann, sich schlechter darzustellen, sind unter anderem:

  • Durch den Ausweis möglichst geringer Gewinne können die Steuerlast und die Ausschüttung an die Aktionäre reduziert werden.
  • Schlechte Bilanzergebnisse können ein gutes Gegenargument bei hohen Lohnforderungen der eigenen Arbeitnehmer sein.
  • Preiserhöhungen lassen sich bei der Kundschaft besser kommunizieren.

Die Gründe, weshalb es sich manchmal lohnt, das Ergebnis besser auszuweisen, sind unter anderem:

  • Potenzielle Geldgeber sind aufgrund einer augenscheinlich guten finanziellen Lage des Unternehmens eher bereit, Kredite zu gewähren.
  • Gute Ergebnisse können helfen, das eigene Image in der Öffentlichkeit aufzupolieren.

Houston, wir haben ein Problem: Obwohl die Bilanz eigentlich ein möglichst realistisches Bild von der wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens liefern soll, kann die aktuelle Situation durch Bilanzpolitik verzerrt dargestellt werden. Dies hat natürlich auch Folgen für die Bilanzanalyse.

Doch keine Panik: Im weiteren Verlauf dieses Buches erfahren Sie, welche bilanzpolitischen Möglichkeiten es gibt und an welchen Stellen Sie deshalb bei der Bilanzanalyse etwas aufpassen sollten.

Schiefe Bilanzen

Ab und zu wird Bilanzpolitik leider auch jenseits aller Grenzen der Legalität ausgeübt. Kommen solche Machenschaften ans Tageslicht, spricht man von einem »Bilanzierungsskandal« und »raffgierigen Managern«.

Wenn Sie so etwas interessiert, lesen Sie doch den Kasten »Wirecard: Nur ein weiterer Fall in einer endlosen Reihe von Bilanzierungsskandalen«, dort erzählen wir Ihnen die Geschichte eines großen Bilanzierungsskandals.

Übungsaufgaben

Aufgabe 1.1

Beschreiben Sie bitte, was man unter der Dokumentations-, Rechenschafts-, Zahlungsbemessungs- und Informationsfunktion versteht.

Aufgabe 1.2

Was versteht man unter einem Zeitvergleich und was sollte man dabei beachten?

Aufgabe 1.3

Überlegen Sie sich ein paar Gründe, warum ein Unternehmen in der Bilanz ein möglichst niedriges Ergebnis ausweisen möchte. Und wenn Sie schon dabei sind: Überlegen Sie sich doch auch gleich, was es für Gründe geben kann, in der Bilanz ein möglichst hohes Ergebnis auszuweisen.

Aufgabe 1.4

Nennen Sie mindestens drei Kennzahlen der Bilanzanalyse.

Lösungen zu den Übungsaufgaben

Aufgabe 1.1

  • Dokumentationsfunktion: Die Bilanz gibt detailliert Auskunft über das vorhandene Vermögen eines Unternehmens und zeigt auf, wie dieses finanziert wurde. Die Bilanz ist der Nachweis aller verbuchten Geschäftsvorfälle.
  • Rechenschaftsfunktion: Gegenüber allen am Unternehmen Interessierten, wie zum Beispiel den Eigentümern, wird mit der Bilanz über die Arbeit des Managements Rechenschaft abgelegt.
  • Zahlungsbemessungsfunktion: Die Ausschüttungen, also zum Beispiel die Dividendenzahlungen an die Anteilseigner, orientieren sich am Gewinn. Dieser wird durch das Ergebnis der Bilanz beeinflusst.
  • Informationsfunktion: Kapitalgesellschaften sowie Personengesellschaften ohne natürliche Person als persönlich haftendem Gesellschafter, wie etwa die GmbH & Co. KG, sind dazu verpflichtet, ihre Bilanzen zu veröffentlichen. Dadurch sollen Gläubiger, Kreditgeber, Geschäftspartner, der Fiskus und die Arbeitnehmer informiert werden, wie es um das Unternehmen wirtschaftlich bestellt ist.

Aufgabe 1.2

Beim Zeitvergleich betrachten Sie die jeweiligen Kennzahlen des Unternehmens im Zeitverlauf und können damit gewisse Entwicklungen herauslesen. Dabei sollten Sie mindestens drei aufeinander folgende Geschäftsjahre betrachten, um gewisse Trends herauslesen zu können und eventuelle »Ausreißerjahre« zu eliminieren.

Achtung: Strukturbrüche wie Verkäufe von Unternehmensteilen oder Zukäufe von Unternehmen sollten Sie bei einer Zeitreihenanalyse immer rückwirkend einbeziehen oder gesondert ausweisen.

Aufgabe 1.3

Hier einige Gründe, weshalb es manchmal sinnvoll sein kann, sich schlechter darzustellen:

  • Sie können durch den Ausweis möglichst geringer Gewinne die Steuerlast und die Ausschüttung an die Aktionäre reduzieren.
  • Bei einer laufenden Tarifrunde können schlechte Bilanzergebnisse ein gutes Gegenargument für hohe Lohnforderungen der eigenen Arbeitnehmer sein.
  • Ein Monopolist kann Preiserhöhungen bei der Kundschaft dann besser kommunizieren.

Und hier Gründe, weshalb es sich manchmal lohnt, ein höheres Ergebnis auszuweisen:

  • Potenzielle Gläubiger sind aufgrund einer augenscheinlich guten finanziellen Lage des Unternehmens eher bereit, Kredite zu gewähren. Man erhält auch bessere Kreditkonditionen.
  • Imagepflege: Gute Ergebnisse können helfen, das eigene Image in der Öffentlichkeit aufzupolieren.

Aufgabe 1.4

Bekannte Kennzahlen der Bilanzanalyse sind der Cashflow, die Liquidität 1. bis 3. Grades, die Rentabilität und die Wertschöpfung. Sie können dabei die Eigenkapitalrentabilität, die Gesamtkapitalrentabilität oder die Umsatzrentabilität untersuchen. Daneben gibt es noch viele weitere Kennzahlen wie zum Beispiel die Wertschöpfung, die Eigenkapital- und Fremdkapitalquote, die Anlagenintensität oder den Return on Investment, kurz ROI.