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Von der Idee zum Produkt für Dummies

Inhaltsverzeichnis

Von der Idee zum Produkt für Dummies – Schummelseite
Titel
Impressum
Vorwort
Einleitung
Über dieses Buch
Konventionen in diesem Buch
Törichte Annahmen über den Leser
Wie dieses Buch aufgebaut ist
Teil I: Erfindungen und Innovation
Teil II: Ideen finden und technische Aufgaben lösen
Teil III: Von der Idee zum Produkt
Teil IV: Von der Idee zum Patent
Teil V: Die Erfindung verwerten
Teil VI: Zehnerlisten
Anhänge
Symbole, die in diesem Buch verwendet werden
Wie es weitergeht
Teil I - Erfolgreich erfinden
1 - Erfinder und andere Genies
Entdecken, Erschaffen, Erfinden
Erfinden als Beruf
Der Erfinder: ein Allroundkönner
Ein gutes Team: Wissenschaft und Technik
Die fünf Feinde des Erfinders
Am Anfang war das Rad
Auf den Schultern von Riesen
Die Technik des Erfindens
2 - Mit Erfolg erfinden
Ihr neuer BegleiterDas Erfindertagebuch
Das Geheimnis des Erfolgs
Ein einzigartiges Produkt
Orientierung an den Bedürfnissen potenzieller Kunden
Eine für alle
Gute Planung und Vorbereitung
Gut vorbereitetes Marketing bei der Einführung
Ein gutes Team, das an die Sache glaubt
Eigenes Wissen und Erfahrung sind Gold wert
Die Güte des Marktes prüfen
Verlierer nicht mitziehen
Klare Kontrollen
Ohne Moos nix los
Wer zuerst kommt ...
3 - Vom Umgang mit Ideen
Ideen teilen und mehren
Das Geheimnis: Ein begehrtes Gut
Der Fallstrick der Patentgesetze
Im Falle eines Falles
Unter Ausschluss der Öffentlichkeit
Gleichgesinnte finden
4 - Produkte und Innovation
InnovationMehr als nur gute Ideen
Der Kampf um Marktanteile
Entwicklung macht noch keine Innovation
Der Markt macht die Musik
Die Hausaufgaben machen
Von der Wiege bis zur Bahre – Das Leben Ihres geistigen Kindes
Einführung
Wachstum
Reife
Sättigung
Degeneration
Die strategischen Ziele des Unternehmens im Auge behalten
Innovation als Unternehmensphilosophie
Ihre Chance – Open Innovation
Teil II - Kreativität und der Umgang mit Ideen
5 - Heureka, ich hab’s gefunden!
Am Anfang steht die technische Aufgabe
Die richtige Frage stellen
Optimierungspotenzial erkennen
Verschiedene Arten von Aufgaben
Klar formulieren
Teilen und herrschen
Werden Sie Experte
Regeln erleichtern das Leben
Die Idee: Von Kopf bis Fuß auf Erfinden eingestellt
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier
kreativität entdecken
Kreativitätskiller Stress
Mut zur Naivität
Umkehrprinzip
Wieso eine Arbeit tun, die ein anderer schon erledigt hat?
Der Schritt in die Welt da draußen
Vorsicht – Ideenklau!
Das Tagebuch als bester Freund des Erfinders
Setzen Sie Ziele
Sparen Sie nicht mit Worten
Ideenschatz
6 - Modernes Erfinden
TRIZ
Das ideale Endresultat
Widersprüche aufdecken und lösen
39 Parameter, um die Welt zu beschreiben
40 Grundprinzipien, um die Welt zu verbessern
Die Widerspruchsmatrix
Funktionsanalyse
Stoff-Feld-Analyse und Lösungsklassen
Das System erkennen
1. Stoff
2. Feld
3. Analyse
Die passende Lösung
Erfinden mit dem Computer
Auf dem Laufenden bleiben
7 - Recherche
Wenn und wonach Sie suchen
Eine Suche vorbereiten
Die Suchtabelle
Clever suchen mir Wildcards
Die Aspekte kombinieren
Marktrecherche
Die ganze Welt in Ihren Händen - das Internet
In die Läden
Messen
Kommerzielle Datenbanken und Marktforschung
Patentsuche
Klassifizierung
Datenbanken
Relevante Dokumente finden
Wissenschaftliche Publikationen
Konkurrenzüberwachung
8 - Ideenbewertung
Große und kleine Erfindungen
Optimierungserfindungen
Grundlegende Erfindungen
Was es schon gibt, ist keine Erfindung
Kriterien
Technische Kriterien
Prinzipielle Einschränkungen
Technische Charakterisierung
Weitere technische Kriterien
Umwelt und Sicherheit
Wirtschaftlichkeitsabschätzung
Kosten
Umsatz
Marktpotenzial
Besser als der Rest
Kriterien abwägen
Paarweiser Vergleich
Mittel der Marktforschung
Fragebögen
Ausführliche Einzelgespräche
Fokusgruppen
Besuche im Umfeld des Kunden
Ideenextraktion aus Kunden beim Vertrieb
Von Trendsettern lernen
Teil III - Vom Prototyp zum fertigen Produkt
9 - Ein erster Prototyp
Überzeugen Sie sich selbst
Die Flausen austreiben
An die Arbeit
Do it yourself
Gründen Sie ein Projektteam
Dem Ingenieur ist nichts zu schwör
Es muss nicht immer kaviar sein
Wenn es Schnell gehen sollRapid Prototyping
Das Auge isst mit
Marmorstein und EisenEine kleine Materialkunde
Das ist die Härte: Metalle
Plastik & Co
Nicht nur in der KücheKeramik und Gläser
Verbundwerkstoffe
Werkstoffauswahl
Entsorgung
10 - Produktdesign
Die ganzheitliche Sicht
Design als Sprache der Erfindung
Wie Design entsteht
Ein Produkt für alle Lebenslagen
Einkaufen – ein sinnliches Erlebnis
Transport
Lagerung
Benutzung
Entsorgung
Knöpfchen und Lämpchen
Noch einmal: Benutzung
Qualität
Zeig mir, was Du kannst
Mein Produkt und ich
Vom Wahren und Schönen
Form und Farbe
Materialien und Oberflächen
Die Form
Farbenspiele
Harmonie der Elemente
Design im Dienste des Erfinders
Werden Sie einzigartig
Der Designprototyp
Design schützen
11 - Vom Prototyp zum Produkt
Aus Teilen das Ganze
Die drei Phasen der Produktentstehung
Planung und Konzeption
Entwurf und Ausarbeitung
Teile aus dem Baukasten
Festlegen
Testen und Optimieren
Qualitätskontrolle
Testprotokoll
Der Weg zum idealen Produkt
Ganz ohne Hilfe
Weniger ist mehr
Wie von Geisterhand
Funktionen integrieren
Und wieder an den Markt denken
Test des Prototypen
Testverkauf
Sicherheit geht Vor
Normen
Kosten drücken
Eine schöne Hülle
Sicher von A nach B
Der erste Eindruck zählt
12 - Produktion
Wer kann das bauen?
Selbst ist der Fabrikant
Ein Dach übers Kopf
Betriebsmittel
Arbeit schaffen
Vertragshersteller
Ein gemeinsames Abenteuer
Potenzielle Hersteller finden ...
... und beurteilen
Im Ausland produzieren lassen
Das soziale Gewissen
Kontrolle ist besser
Achtung vor den Zusatzkosten
Kontakte durch Vermittlungsbüros
Qualität ist alles!
Teil IV - Erfindungen schützen
13 - Patente und mehr
Gute Gründe für Patente
Gründe pro
Und kontra
Schutztitel für Erfindungen
Stand der Technik
Deutsches Patent
Voraussetzungen an eine Erfindung
Was heißt neu?
Was heißt erfinderisch?
Das Patent ist die höchste Form des Schutzes
Deutsches Gebrauchsmuster
Andere Arten geistigen Eigentums
Marken
Geschmacksmuster
Gestalten für Europa
Gebühren
Durchsetzung des Geschmacksmusterschutzes
Urheberrecht
14 - Grundkurs Patentchinesisch (oder -japanisch): Wie man ein Patent liest
Verschiedene Arten von Patentliteratur
Für Eilige: Die Zusammenfassung
Die drei Hauptteile
Die Beschreibung
Die Zeichnungen
Die Patentansprüche
Weitere Informationen
Titelblatt
Patentregister und Amtsblatt
Die Sprachen der Patentwelt
15 - Schreibwerkstatt
Das Rad neu erfinden
Merkmalsanalyse
Abstrakt und konkret
Dem Kind einen Namen geben
Die drei Hauptteile der Patentanmeldung
Zeichnungen
Verschiedene Ansichten
Die Kunst des Schwarz und Weiß
Besondere Zeichnungen, Diagramme und Formeln
Die Besonderheiten der Patentzeichnungen
Ansprüche
Der unabhängige Anspruchs
So allgemein wie möglich – aber alles klar
Die Anspruchskategorie
Mehrere unabhängige Ansprüche der gleichen Kategorie
Zweiteilige Form
Ansprüche einer Zusatzanmeldung
Die abhängigen Ansprüche
Rückfallpositionen
Ausführungsbeispiele
Einbindung in größere Zusammenhänge (Systeme)
Gebrauchsmusteransprüche
Die besondere Sprache der Patentansprüche
Ein Ding, ein Wort
»Ein« oder »Das« ist hier die Frage
Darf’s ein »bisschen mehr« sein? Nein, danke!
Positiv denken
Means-plus-function
Beschreibung
Das ABC der Bezugszeichen
Formale Erfordernisse
Erfahrung nutzen
16 - Die Patentsysteme
Aller guten Dinge sind drei
Patentschutz in Deutschland
Europäisches Verfahren
Die Welt wächst zusammen – PCT
Die Wächter des Patentschatzes
Keine Scheu vor Paragraphen
Die Regelungen im europäischen Verfahren
Für den Chef erfinden
Was sind Arbeitnehmererfindungen?
Erfindungsmeldung
Nutzung und Freigabe
Der entscheidende Faktor des richtigen Zeitpunkts
Anmeldedatum und Stand der Technik
Prioritätszeitraum
Statistische Daten und Gebühren
17 - Der Weg zum Patent – Von der Anmeldung zur Erteilung
Den richtigen Anwalt finden
Der richtige Zeitpunkt
Das Verfahren vor dem DPMA
Anmeldung
Sprache der Patentanmeldung
Elektronische Anmeldung
Wer suchet, der findet – Der Recherchenbericht
Veröffentlichung
Die Sachprüfung
Kommunikation mit dem Prüfer
Mündliche Verhandlung im europäischen Verfahren
Erteilung oder Zurückweisung
Ein Strauß von Patenten – die Validierung im europäischen Verfahren
Die Konkurrenz schläft nicht (Einspruch!)
Beschwerde
Helfende Hände
18 - Patentmanagement
Aufrechterhaltung
Lohnt sich die Aufrechterhaltung?
Patentverletzungen
Wer verletzt Patente?
Wie Sie Verletzungen finden können
Die Verletzung prüfen
Ist mein Patent gültig?
Fällt die Verletzung unter mein Patent?
Konflikte lösen
Ein Schuss vor den Bug
Das Verletzungsverfahren
Alternative Arten der Konfliktlösung
Mediation
Unabhängiger Schiedsrichter
Ansprüche berechnen
Sicher ist sicher
Patentüberwachung
Teil V - Erfindungen verwerten oder Geld verdienen mit Ihrer Erfindung
19 - Mit Patenten handeln
Lizenzen
Wie stehen die Chancen?
Vor- und Nachteile
Der Lizenzvertrag
Verschiedene Arten von Lizenzen
Ausschließliche Lizenz
Teilen und herrschen
Was kann ich verdienen?
Wie Du mir, so ich Dir
Lizenznehmer finden
Wer passt zu mir?
Der erste Kontakt
Wenn es nicht klappt
Der Sprung ins Haifischbecken
Am Verhandlungstisch
Auf Herz und Nieren
Wie die Vergütung funktioniert
Einmalzahlung
Laufende Gebühren
Was wird verhandelt
Mindestgrenzen festlegen
Nie ohne Schleudersitz
Schutzrechte verkaufen
20 - Existenzgründung
Worauf lasse ich mich da ein?
Businessplan
Vertriebskanäle
Internetvertrieb
Direktvertrieb über andere Medien
Katalogversand
Großhandel und Vertriebsvertreter
Verkaufsmessen
Alles, was Recht ist
Sicher ist sicher
Aller Anfang ist leichter, als man denkt
Das liebe Geld
Aus eigener Tasche
Der Weg zur Bank
Leasen statt kaufen
Risikokapital
21 - Finanzierung, Auszeichnungen und Förderung
Kosten planen
Sachgemeinkosten
Personalkosten
Zinsen und Abschreibungen
Kalkulatorische Kosten
Eine Finanzierung aufstellen
Aus eigener Tasche
Papa wird’s schon richten
Finanzierung über Kredite
Business Angels
Risikokapital
Erfinderwettbewerbe
Öffentliche Förderung
SIGNO
Machen Sie sich einen Namen
Erfindermessen und -datenbanken
Professionell auftreten
Internetseite
Teil VI - Zehnerlisten
22 - 10 Bereiche des Erfindens, über die Sie mehr erfahren sollten
Kreativität
TRIZ
Bücher über TRIZ
Werkstoffe
Bücher zur Werkstoffkunde
Produktentwicklung und Design
Bücher zum Thema
Herstellung und Verpackung
Bücher zur Fertigungs- und Verpackungstechnik
Marktinformationen und Vermarktung
Bücher über Marktforschung
Patentämter
Patentierung, Verwertung und Verteidigung
Bücher zu Patenten und deren Verwertung
Existenzgründung
Förderung und Wettbewerbe
23 - Zehn Erfindungen ganz normaler Leute
Verpacken mit Erik Wallenberg
Auf und zu mit Georges de Mestral
Alles klar dank Melitta Bentz
Schreiben mit László József und György Bíró
Artur Fischer
Earl S. Tupper
Lego
Trolley
Post-it-Klebezettel
Luftreifen
24 - Zehn große Erfindungen
Bibeln für alle
Mit Volldampf in die Industrialisierung
Die Welt im Netz
Dynamit für den Weltfrieden
Das heilige Blechle van Carl Bentz
Eine Rechenmaschine als Alleskönner
Es werde Licht
Vom Telegrafieren zum Telefonieren
Heilsame Schimmelpilze
Von Flimmerscheiben und -kisten
Anhänge
A - TRIZ-Listen
Die technischen Parameter
Die 40 Grundprinzipien
Die 76 Standardlösungen
Gruppe 1: Aufbau und Zerlegung vollständiger Stoff-Feld-Modelle (SFM)
Gruppe 2: (Verbesserung von Stoff-Feld-Modellen
Gruppe 3: Übergang ins Super- und Subsystem (Makro- und Mikrolevel)
Gruppe 4: Erkennen und Messen
Gruppe 5: Hilfen
B - Patentprüfungsverfahren
Die einzelnen Teile des Anhangs
Die Patentanmeldung
Recherchenbericht und erster Prüfungsbescheid
Die Reaktion des Patentanmelders
Telefongespräch
Patenterteilung
Stichwortverzeichnis

1

Erfinder und andere Genies

In diesem Kapitel

Sie sind ein Erfinder. Mit dieser Feststellung gehe ich kein Risiko ein. In dem Film »2001 – Odyssee im Weltraum« zeigt uns Stanley Kubrick den ersten Erfinder: Ein Steinzeitmensch nimmt einen Knochen und zertrümmert damit herumliegende Tierschädel. In dieser Sicht der Geschichte ist die erste Erfindung eine Waffe. Gleichzeitig ist diese Erfindung auch ein Werkzeug, das den Menschen das Leben erleichtert und sie in die Lage versetzt, ihre Umwelt zu kontrollieren und zu verändern. Jeder Mensch trägt diesen Erfindergeist in sich. Technische Hindernisse zu überwinden und aus der Erfahrung auf technische Lösungen zu schließen ist Ausdruck der menschlichen Intelligenz.

 

Auf dieser Voraussetzung basiert dieses Buch. Ich werde Ihnen in seinen sechs Teilen einen Einblick in den gesamten Prozess des Erfindens geben. Dabei werde Sie sich in verschiedenen Situationen wiederfinden: beim Brainstorming mit wildfremden Menschen, in Baumärkten und Werkstätten, an Verhandlungstischen mit Industriellen und Patentanwälten, immer wieder im Internet auf der gezielten Suche nach Informationen und irgendwann in Ihrem wohlverdienten Urlaub, den Sie sich von Ihrem ersten mit einer Erfindung verdienten Geld geleistet haben. Das Buch soll Ihnen helfen, mit Freude und Erfolg die technisierte Welt nach Ihren Vorstellungen zu verbessern und dafür belohnt zu werden.

Entdecken, Erschaffen, Erfinden

Eine Gemeinsamkeit der drei Berufe Entdecker, Künstler und Erfinder ist, dass in der Öffentlichkeit ein romantisches Bild ihres Arbeitsalltags herumgeistert. Lange Waldspaziergänge bis einen die Muse küsst mögen einen Teil dieser Arbeit bilden. Das Erfinden ist mit der guten Idee noch lange nicht getan, sondern fängt da erst an. Erst wenn die technische Umsetzung geplant, der Stand der Technik erkundet, ein lauffähiger Prototyp entwickelt und die Patentschrift verfasst ist, kann sich der Erfinder zurücklehnen. Zumindest solange, wie die Wettbewerber die Füße stillhalten. Der Schriftsteller Thomas Mann hat einmal gesagt: »Phantasie heißt nicht, sich etwas auszudenken, sondern aus den Dingen etwas zu machen«.

i0007.jpgAls Christoph Kolumbus am 12. Oktober 1492 auf den Bahamas anlegte, hatte er für die westliche Welt neues Land entdeckt. Dazu musste er keinen Erfindergeist aufbringen. Er hatte sicher gute Voraussetzungen dafür, ein Erfinder zu sein.

 

Er hatte technisches Verständnis und war gelehrt in den Naturwissenschaften. Außerdem strebte er nach Neuem und hatte durchaus auch Interesse daran, Geld zu verdienen. Doch die Inseln an denen er landete, existierten bereits und mussten nur noch entdeckt werden.

i0008.jpgLeonardo da Vinci malte im Jahr 1503 das Portrait einer jungen Frau namens Lisa del Giocondo. Dazu benutzte er allerlei technische Vorrichtungen. Doch hat Leonardo in diesem Fall keine technischen Neuerungen eingeführt. Das Besondere an dieser Arbeit war, dass das Bildnis so außerordentlich geriet, dass es noch heute die Menschen fasziniert und ihnen Rätsel aufgibt.

Wie bei Entdeckern und Künstlern gibt es auch unter den Erfindern Genies. Die meisten Erfindungen werden jedoch von ganz normalen Menschen geschaffen, die sich mit Interesse und Fleiß an die Arbeit machen. Ich denke, dass Erfinder der einfachste der »erschaffenden« Berufe ist und dass Erfinden mit ein bisschen System einfach zu erlernen ist.

 

Entdeckungen, Kunstwerke und Erfindungen teilen eine grundlegende Gemeinsamkeit: An ihrem Anfang steht eine Idee. Eine gute Idee ist einfach, überraschend und relevant. Sie lässt sich in einem Satz formulieren. Mit der Formulierung der Idee ist es jedoch nicht getan. In allen drei Berufen steckt viel mehr Arbeit, als es auf den ersten Blick scheint. Sie werden bei Ihrer ersten Erfindung überrascht sein, wie wenig Zeit die eigentliche Idee in Anspruch nimmt, auch wenn Sie lange nach ihr suchen müssen. Sie ist immer nur der Grundstein der Erfindung. Den Keller, die Wände und das Dach müssen Sie in handwerklicher Arbeit Stein für Stein aufbauen. Wie können Sie zum Beispiel von einer erfinderischen Idee sprechen, wenn Sie nicht vorher den Stand der Technik, die bereits gemachten Erfindungen, genau erkundet haben? Wenn Sie an diesem Punkt angelangt sind, will die Erfindung aus einem Hirngespinst in eine funktionierende Maschine umgesetzt werden. Dabei werden Sie sämtliche technischen Details der Vorrichtung ausarbeiten. Dieses vollständige Verständnis der Erfindung ermöglicht dann die Beurteilung ihrer Schutzfähigkeit und das Verfassen einer Patentschrift mithilfe des Patentanwalts.

 

Sie werden sehen, dass Erfinden gerade deshalb so befriedigend ist, weil etwas dabei entsteht. Es bleibt eben nicht bei einer Idee, sondern Sie werden am Ende der Reise etwas in der Hand halten und dies im Idealfall in Verkaufsregalen wiederfinden. Sie werden mit dem wundervollen Gefühl belohnt, Ihren kleinen Beitrag zur Verbesserung der Welt geleistet zu haben. Und dazu müssen Sie nicht einmal selbstlos handeln.

 

Was erfolgreiche Erfinder verbindet ist die Begeisterung, mit der sie ihre Idee verfolgen. Der Erfinder ist eine Radarantenne für die Unvollkommenheit der technischen Welt. Und hat er einen Makel entdeckt, wird er nicht eher ruhen, als bis dieser behoben ist. In diesem Sinn ist Erfinder ein Fulltimejob, der sich bequem mit anderen Tätigkeiten kombinieren lässt, da der erfinderische Geist niemals zur Ruhe kommt.

Erfinden als Beruf

Menschen sind erfinderisch. Manche Menschen jedoch finden so viel Gefallen am Erfinden, dass sie diese natürliche Gabe zum Beruf machen. In Unternehmen sitzen Ingenieure und Naturwissenschaftler in Entwicklungsabteilungen zusammen und erfinden und entwickeln tagaus tagein die Dinge, die unsere technologisierte Welt bevölkern.

Der Erfinder: ein Allroundkönner

In großen Unternehmen werden Aufgaben verteilt: die Ingenieure erfinden, Strategen planen, Verkäufer vertreiben Produkte, Werbefachleute überzeugen Kunden. Als Privaterfinder werden Sie all diese Aufgaben selbst übernehmen müssen. Sie werden dabei viel lernen. Wenn Sie Ihre erste Erfindung in den Händen halten werden Sie Folgendes getan haben:

  • coche.jpg  Aufgaben erkennen. Sie werden Ihre Umwelt mit anderen Augen sehen. Ihre Sinne werden für die Details alltäglicher Abläufe geschärft. Sie werden eine Spürnase für Ungereimtheiten entwickeln und sich darauf verstehen, diese zu analysieren.
  • coche.jpg  Ideen entwickeln. Ihre Kreativität wird auf Hochtouren laufen, und Sie werden schon während der Ausarbeitung Ihrer ersten Erfindung neue Ideen haben und einen Ideenschatz anlegen.
  • coche.jpg  Wissen anhäufen. Um erfolgreich zu erfinden, müssen Sie Experte werden. Jede neue Erfindung wird Sie in technische Gebiete führen, die Sie nicht vollständig beherrschen. Sie werden das vorhandene Wissen der Welt recherchieren und aufnehmen, um daraus Neues zu erschaffen.
  • coche.jpg  Die Welt ohne Scheuklappen sehen. Ihr Interesse sollte sich nicht in Ihrem technischen Spezialgebiet erschöpfen. Die Welt ist voller technischer Lösungen, und Sie können nicht wissen, wozu deren Kenntnis irgendwann gut sein kann. Wenn Sie einmal die Erfahrung gemacht haben, eine technische Lösung auf eine Aufgabe aus einem ganz anderen Bereich übertragen zu haben, werden Sie den offenen Blick nicht mehr ablegen können.
  • coche.jpg  Menschen begeistern und überzeugen. Mit Ihrer Erfindung werden Sie wahrscheinlich nicht im stillen Kämmerchen sitzenbleiben wollen. Um Ihre Erfindung zu testen und später zu einem Produkt zu machen, müssen Sie Menschen von deren Nützlichkeit und technischer Schönheit überzeugen. Am leichtesten gelingt dies, wenn Sie selbst überzeugt sind.
  • coche.jpg  Strategisch denken und handeln. Sie sind nicht der einzige Erfinder auf der Welt. Der Zeitpunkt einer Erfindung spielt eine große Rolle. Das Rad noch einmal zu erfinden, wird weder Sie noch Ihre Mitmenschen in Erstaunen versetzen. Eine Erfindung im richtigen Moment zu machen, ist wesentlich zum Schutz der Erfindung durch Patente und Gebrauchsmuster.
  • coche.jpg  Durchhalten. Sie werden vielleicht mehr als einmal an den Punkt gelangen, an dem Sie sich die Sinnfrage stellen. Diese Krisen zu überwinden, stärkt Ihr Durchhaltevermögen und erhöht die Erfolgschancen Ihrer Erfindungen.

Ein gutes Team: Wissenschaft und Technik

Am Anfang dieses Kapitels habe ich Ihnen vom Unterschied zwischen Entdeckern und Erfindern erzählt. Die Entdecker (also Wissenschaftler, die systematisch die Zusammenhänge der Welt erkunden und in Naturgesetzen nutzbar machen) sind für den Erfinder sehr wichtig. Neue physikalische Phänomene oder bisher unbekannte chemische Verbindungen lösen oft eine Flut von Erfindungen aus. Die Entdeckungen werden technisch ausgenützt. Sie liefern das Arbeitsmaterial zur Lösung technischer Aufgaben und damit zum Erfinden selbst. Vom Knochen, den der erste Erfinder als Werkzeug benutzt hat, über das Rad, den Stahl, die Hebelgesetze, den elektrischen Strom bis zum Lasereffekt ... die Liste der Entdeckungen, ohne die technische Erfindungen nicht möglich wären, ist unendlich lang.

 

Zu diesen neuen Entdeckungen, die der Erfinder in seiner Arbeit verwenden kann, kommen bekannte Bausteine der Technik. Der Erfinder führt diese in neuer und überraschender Weise zusammen, um ein technisches Problem zu lösen.

Die fünf Feinde des Erfinders

Um von Otto Normalverbraucher zu Daniel Düsentrieb zu werden, müssen Sie sich bewusst sein, was Sie daran hindert. Sie müssen Ihr Gehirn in Fahrt bringen und die folgenden Hindernisse beiseite räumen, die Ihnen der Alltag in den Weg legt:

Die Methoden, die ich Ihnen in Teil II dieses Buches vorstelle, sollen Ihnen dabei helfen, diese fünf Feinde zu besiegen.

i0009.jpgViele Erfinder werden so lange belächelt, bis sie mit ihrer Erfindung einen Haufen Geld verdienen. Der Schritt vom Sonderling zum gefeierten Held ist oft klein.

Am Anfang war das Rad

Da eine Erfindung ihrer Definition nach immer technisch ist, ist die Geschichte der Erfindungen immer auch eine Geschichte der Technik. Doch wieso erfindet der Mensch? Man sagt, die Not sei die Mutter der Erfindung. Ich glaube, dass hier eine Generation vergessen wurde: Die Not ist die Mutter eines artikulierten Problems und damit die Großmutter der Erfindung. Der Mensch erfindet, weil er in der Not deren Gründe erkennt und sie anpackt, um die Not zu lindern. Ganz allgemein gilt das immer noch auch für die Bedürfnisse des modernen Menschen, die oft erst durch Erfinder (und Marketingabteilungen) geschaffen werden. Dazu kommt eine gehörige Portion Spieltrieb, der durch Ausprobieren und Kombinieren immer wieder überraschende Erfindungen hervorbringt.

Auf den Schultern von Riesen

Die allermeisten Erfindungen verbessern ein bereits existierendes Gerät oder Verfahren. Meistens sind dies Geräte, die häufig und von vielen Menschen benutzt werden. Oder es sind Geräte, die von besonderem finanziellem Interesse sind, wie Blechpressen oder Computertomografen.

 

Bei Ersteren ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass dem Erfinder bei der Benutzung eine Verbesserung einfällt. Er hat dann das Problem intuitiv erkannt und aus seinem Erfahrungsschatz eine Lösung gefunden. Es ist jedoch viel effizienter, nicht auf eine solche Eingebung zu warten, sondern aktiv und gezielt nach bestehenden Problemen zu suchen. Komplexe Geräte der Hochtechnologie dagegen werden von spezialisierten Ingenieuren in Entwicklungsabteilungen weitergebracht. Der Anwender hat in der Regel wenig Ahnung davon, was in seinem piependen und blinkenden Apparat vor sich geht, und soll dies auch gar nicht im Detail verstehen müssen.

 

Als Erfinder tragen Sie zur fast unendlichen Menge an existierender Technologie Ihr Scherflein bei. Die Grundlagen dafür haben andere gelegt. In Ihre Erfindung fließt das Wissen der Welt ein, und sie stellt normalerweise nur einen kleinen Teil einer Vorrichtung oder eines Verfahrens dar. Wenn Sie die Heizspirale eines Toasters verbessern, um Ihrem Frühstücksbrot eine gleichmäßige Bräune zu geben, ist diese ein Teil eines verbesserten Geräts. Schutzrechtlich bedeutet das, dass niemand außer Ihnen einen Toaster mit dieser neuartigen Heizspirale bauen darf, sobald Sie ein Patent dafür erlangen. Jedoch erwerben Sie damit noch nicht das Recht, den Toaster auch selbst zu bauen und zu verkaufen. Alle anderen Teile des Geräts und vielleicht auch Teile der Heizspirale stammen von anderen Erfindern, die höchstwahrscheinlich auch Patente an ihren Erfindungen halten. So ergibt sich eine Reihe von Abhängigkeiten:

  • coche.jpg  Das Prinzip des Toastens von Brot mit Heizdrähten ist patentiert, aber der Patentschutz ist abgelaufen, d. h. Sie können dieses Prinzip frei nutzen.
  • coche.jpg  Die Hebe- und Auswurfvorrichtung, die Sie verwenden wollen, ist mit mehreren Patenten geschützt, von denen manche abgelaufen sind, andere nicht.
  • coche.jpg  Die elektronische Steuerung der Heizleistung ist mit einem Patent geschützt.
  • coche.jpg  Dazu kommen andere Arten des Schutzes wie Geschmacksmusterschutz für die äußere Gestaltung von Toastern verschiedener Hersteller usw.

Für Sie als Erfinder bedeuten diese Abhängigkeiten von Schutzrechten, dass Sie vor der Herstellung Ihres patentierten Toasters für die Teile, die von anderen mit gültigen Patenten geschützt sind, Lizenzen einholen müssen.

Die Technik des Erfindens

Erfinden wird allgemein als kreativer Prozess wahrgenommen, in dem ein zerzauster Kauz nach wochenlangen Tüfteleien mit einem lauten Heureka eine zusammengebastelte technische Neuerung präsentiert. Einen kreativen Prozess wie den des Erfindens zu strukturieren und in einzelne Schritte zu zerlegen, erscheint auf den ersten Blick als Widerspruch. Sie werden jedoch schnell feststellen, dass diese Selbstbeschränkung ungleich fruchtbarer ist als ein freigeistiges Draufloserfinden. Mehr über die Systematik des kreativen Arbeitens und speziell des technischen Erfindens erfahren Sie in Kapitel 5 und 6.

2

Mit Erfolg erfinden

In diesem Kapitel

Sie sind ein Erfinder. Aber sind Sie auch ein guter Erfinder? Ein guter Erfinder hat nicht nur gute Ideen. Er oder sie versteht es auch, diese zu beurteilen und zu einem Produkt weiterzuentwickeln. Das ist wie bei Musikern. Wäre Johnny Cash nur ein guter Songwriter und nicht so ein großartiger Interpret gewesen, wie er es war: Er wäre mit Sicherheit heute nicht diesen Erfolg gehabt In diesem Kapitel möchte ich Ihnen zeigen, was ein gutes Produkt von einer einfachen Erfindung unterscheidet. Sie werden lernen zu entscheiden, welche Ideen Sie zu einem erfolgreichen Produkt weiterentwickeln können und welche Sie besser schnell im Papierkorb verschwinden lassen. Diese Entscheidung ist eine der wichtigsten und finanziell folgenreichsten, die Sie in Ihrem Erfinderalltag treffen müssen. Mit den Grundideen dieses Kapitels im Hinterkopf schlagen Sie an vielen Abzweigungen auf dem Weg zum erfolgreichen Erfinder die richtige Richtung ein.

 

Viele Unternehmen verbrennen Millionen von Euro pro Jahr, weil hoffnungslose Projekte zu lange weiterverfolgt werden. Ein Luxus, den Sie sich nicht leisten können! Wenn Sie solche Fehlschläge vermeiden, können Sie all Ihre Kräfte und Ressourcen auf Ihre besten Erfindungen und Produktideen konzentrieren.

Ihr neuer BegleiterDas Erfindertagebuch

Ideen sind flüchtig und Pläne schwer einzuhalten. Aus diesen Gründen möchte ich Ihnen ein Erfindertagebuch ans Herz legen. Von der ersten Idee bis zur Unternehmensgründung können Sie darin all Ihre Aktivitäten und Vorhaben festhalten. Informationen, die Ihnen im Laufe Ihrer Lehrzeit und Ihres reifen Erfinderlebens unterkommen, finden hier ein Zuhause. Die nun folgenden zwölf Erfolgsfaktoren können Sie schon jetzt darin vermerken. An verschiedenen Stellen des Erfindungsprozesses werde ich Sie daran erinnern, Ihr Tagebuch weiter zu füllen. Halten Sie es also am besten jederzeit bereit!

Das Geheimnis des Erfolgs

Es gibt wiederkehrende Merkmale erfolgreicher Erfindungen und Produkte. Wenn Sie die folgenden Punkte bei der Beurteilung und Entwicklung Ihrer Idee beachten, stehen Ihre Chancen für ein erfolgreiches Produkt gut:

Ich werde Ihnen jetzt jeden der Punkte erläutern. Wichtig ist, dass Sie allen Punkten Beachtung schenken. Alles was Sie tun, um Ihre Position unter einem dieser Aspekte zu verbessern, erhöht die Chancen Ihrer Erfindung auf kommerziellen Erfolg!

Ein einzigartiges Produkt

Die Menschen kaufen, was ihnen nutzt. Dieser Nutzen liegt bei einer Erfindung in der Lösung einer technischen Aufgabe. Eine Erfindung ist daher eine gute Grundlage für ein erfolgreiches Produkt. Je mehr Ihrer Mitmenschen von der Verbesserung Ihrer Erfindung profitieren können, desto mehr Potenzial hat Ihr Produkt. Auch der Abstand zum Stand der Technik ist entscheidend. Je grundlegender und größer die Neuerung ist, die Ihre Erfindung ausmacht, desto leichter werden Sie die Menschen zum Kauf bringen können.

i0010.jpgWenn Sie für Ihre Erfindung ein Patent erhalten, haben Sie eine wichtige Zutat zum Erfolg bereits in der Hand: ein einzigartiges Gerät oder Verfahren, das sich vor dem Stand der Technik auszeichnet. Die Prüfung am Patentamt, die der Erteilung Ihres Patents vorausgeht, verschafft Ihnen eine gewisse Sicherheit, dass Ihre Erfindung einzigartig ist.

Orientierung an den Bedürfnissen potenzieller Kunden

Manche Erfinder kümmert der Erfolg ihrer Erfindungen wenig. Ihnen genügt es, ein individuelles technisches Problem zu lösen und sich damit im Keller einzuschließen. Gut, wenn Sie nicht zu dieser Gruppe gehören! Die Orientierung an der Umwelt, den Wünschen und Bedürfnissen der Menschen kommt bei vielen Erfindern zu spät oder gar nicht. Dabei sollte das Bewusstsein für diesen entscheidenden Erfolgsfaktor von der Idee bis zum Produkt wach sein. Besonders wichtig ist die Einbeziehung potenzieller Kunden in den folgenden Phasen:

  • coche.jpg  Die Ideenfindung, über die Sie in Kapitel 5 mehr erfahren
  • coche.jpg  Die Ideenbewertung, von der Kapitel 8 handelt
  • coche.jpg  Das Produktdesign, dem das Kapitel 10 gewidmet ist
  • coche.jpg  Optimierung und Test des Produktes vor der Markteinführung, die einen Teil des Kapitels 11 bildet

In den entsprechenden Kapiteln werde ich Sie daran erinnern, an die Menschen zu denken, deren Leben Ihre Erfindung später erleichtern und bereichern soll.

Eine für alle

Ihre Erfindung hat dann am meisten Aussichten auf Erfolg, wenn sie möglichst viele Menschen anspricht. Das Design kann Ihnen helfen, Ihre Erfindung für verschiedene Zielgruppen anzupassen. Sie können Ihre Entwicklung systematisch darauf ausrichten, ein Produkt zu schaffen, das entweder universell »verstanden« wird oder leicht anpassbar ist. So ersparen Sie sich teure Doppelentwicklungen und senken auch die späteren Herstellungskosten. Die Ausrichtung auf solch einen breiten Markt beginnt schon bei der Bewertung der Ideen und ist vor allem bei der Marktforschung wichtig. Achten Sie darauf, bei Ihrer Marktforschung Daten zu erhalten, die Sie auch hinsichtlich verschiedener Zielgruppen auswerten können.

Gute Planung und Vorbereitung

Der Weg von der Idee zum Produkt ist lang – und das ist gut so. Vor allem am Anfang sollten Sie sich Zeit nehmen und alles gut überlegen. Eine Erfindung, die eine technische Aufgabe löst, kann in viele Richtungen gehen. Die Auswahl der richtigen Lösung aus einer Menge von mehr oder weniger guten Ideen ist die erste Weiche, die Sie auf dem Weg von der Idee zum Patent stellen. Je besser Sie diese Entscheidung vorbereiten, desto größere Erfolgschancen hat Ihre Erfindung. Eine fundierte Beurteilung der Ideen beruht auf möglichst genauem Wissen in den folgenden Bereichen:

  • coche.jpg  Eine gute Kenntnis des Marktes und bereits bestehender ähnlicher Produkte
  • coche.jpg  Bedürfnisse und Wünsche potenzieller Nutzer der Erfindung
  • coche.jpg  Technische Machbarkeit
  • coche.jpg  Wirtschaftliches Potenzial

Dazu kommt die Festlegung klarer Ergebnisdefinitionen und Meilensteine, die Ihnen die Kontrolle der Entwicklung Ihrer Erfindung ermöglichen.

Gut vorbereitetes Marketing bei der Einführung

Wer soll Ihre Erfindung kaufen, wenn Sie keiner kennt? Ich vermute, dass Sie die Macht der Werbung richtig einschätzen. Aber unterschätzen Sie nie das Risiko von schlechtem Marketing. Je besser Sie potenziellen Kunden die Vorteile Ihres Produktes klarmachen und Ihre Erfindung von den Produkten der Konkurrenz abgrenzen, desto besser stehen Ihre Erfolgschancen. Zum guten Marketing gehört auch eine eingängige Marke. Wenn Sie Ihre Erfindung an Lizenznehmer vergeben oder über bekannte Marken vertreiben lassen, müssen Sie sich darum nicht kümmern. Wenn es aber nicht bei Ihrer ersten Erfindung bleiben soll und Sie daran denken, Ihre Erfindungen selbst zu vermarkten, sollten Sie reichlich Zeit und Geld in die Entwicklung einer guten Marke stecken.

 

Auch beim Marketing ist die Zeit ein kritischer Faktor. Wenn Ihre Erfindung marktfertig und hübsch verpackt aus der Fabrikhalle rollt, ist es zu spät, Marketing für Dummies zu lesen.

Ein gutes Team, das an die Sache glaubt

Am Anfang steht die Idee. Diese kommt von Ihnen und ist Ihres Geistes Kind. Doch irgendwann werden Sie keine Lust mehr haben, sich als Einzelkämpfer durchzuschlagen. Sie werden Spezialisten wie Handwerker, Techniker, Marketingfachleute, Designer oder einen Patentanwalt einbeziehen. Achten Sie bei diesen Menschen darauf, dass Sie sich mit Ihnen gut verstehen. Wenn Sie Ihre Mitarbeiter für Ihre Erfindung und sich selbst begeistern können, finden Sie Rückhalt für schwere Zeiten.

 

Auch Ihren Partner oder Ihre Familie sollten Sie an Ihrer Erfindung beteiligen. Wenn Sie sich Ihre Familie dadurch zum Feind machen, dass Sie Ihre ganze Zeit bei Ihrer Erfindung in der Garage oder bei Ihrem attraktiven Patentanwalt verbringen, werden Sie mit der Zeit immer weniger Spaß an der Arbeit haben.

Eigenes Wissen und Erfahrung sind Gold wert

Sie sind eine Fachfrau oder ein Fachmann – egal ob es ums Windeln wechseln geht, um Modelleisenbahnen oder Klaviere. Die Chance, in Ihrem eigenen »Fachbereich« eine echte Erfindung zu machen, ist ungleich höher, als wenn Sie sich erst in einen anderen Bereich einarbeiten müssen. Wenn Sie schon eine Idee haben und diese mithilfe dieses Buches zu einer Erfindung ausbauen wollen, stammt diese wahrscheinlich aus einem Bereich, mit dem Sie regelmäßig zu tun haben. Durch Ihre Erfahrung wissen Sie mehr, als Sie sich vielleicht selbst eingestehen. Dieses Wissen gibt Ihnen Sicherheit, die Sie bei der Verfolgung Ihres Ziels nutzen können. Fremde technische Gebiete bergen viele Fallen und Unsicherheiten, die Ihnen zum Verhängnis werden können. In Ihrem Fachbereich vermeiden Sie solche Gefahrenzonen intuitiv. Sie werden später Fachleute aus anderen Bereichen zur Mitarbeit engagieren: Designer, Handwerker oder Patentanwälte. Jeder ist ein Spezialist auf seinem Gebiet, und Sie können viel von diesen Menschen lernen. Behalten Sie aber im Kopf, dass Sie der Spezialist für Ihre Idee sind.

Die Güte des Marktes prüfen

Mit Ihrer Erfindung wollen Sie in einem Markt mitspielen. Mit einer bahnbrechenden Erfindung können Sie sich einen neuen Markt aufbauen, den es vorher nicht gab. Dies ist eine Idealsituation, die nur sehr selten vorkommt. In der Regel werden Sie versuchen, in einem Markt Fuß zu fassen, der bereits von etablierten Firmen bedient wird. Ihre Chancen für kommerziellen Erfolg hängen in diesem Fall von der Situation ab: Auf jungen und wachsenden Märkten in neuen technischen Gebieten ist mehr Platz für Sie und Ihre Erfindung als in Gebieten, die seit 20 Jahren fest in der Hand einiger globaler Großunternehmen sind. Dies können Sie bei Ihrer Ideenbewertung beachten und bewusst nach Märkten suchen, die Ihnen Raum bieten.

Verlierer nicht mitziehen

Die Bewertung von Ideen funktioniert ein bisschen wie die Psychologie der Aktienspekulation. Man hält zu lange an Verlierern fest, in der Hoffnung, dass sie sich doch noch zum stolzen Schwan mausern. Diesem psychologischen Mechanismus können Sie ein Schnippchen schlagen, indem Sie sich klare Kriterien für den Abbruch eines Projektes setzen. Wenn Sie an irgendeiner Stelle in der Entwicklung bemerken, dass etwas aus dem Ruder läuft oder Erwartungen nicht erfüllt werden, dann brechen Sie das Projekt ab. Wichtig ist dabei, dass Sie zwischen Hindernissen unterscheiden, die bei einer Produktentwicklung normal sind und unweigerlich vorkommen, und echten Problemen, die den Erfolg Ihrer Erfindung in Frage stellen.

Klare Kontrollen

In den einzelnen Kapiteln dieses Buches führe ich Sie in verschiedene Schritte des Erfindens ein. Jeder Schritt schließt mit einem Ergebnis ab. Am Anfang steht die technische Aufgabe (Kapitel 5) und die Idee zu deren Lösung (Kapitel 5 und 6). Danach kommt die Entwicklung zum Produkt (Kapitel 9 bis 12) und schließlich die kommerzielle Verwertung (Kapitel 18 bis 20). Jedes Ergebnis gibt Ihnen die Möglichkeit der Kontrolle. Und an jedem Punkt können Sie entscheiden, ob Sie noch einmal genauer arbeiten sollten oder zum nächsten Schritt weitergehen können. Die Kriterien dafür sollten vor Abschluss jeder Phase feststehen, um eine objektive Bewertung zu ermöglichen.

Ohne Moos nix los

Sorgen Sie im Vorfeld für ausreichende finanzielle Absicherung. Nichts ist schlimmer, als wenn Ihnen kurz vor Verkaufsstart das Geld ausgeht und Sie sich keinen ordentlichen Marketingzirkus leisten können. Ein solides Finanzierungskonzept steht am Anfang jeder Existenzgründung. Vor allem, wenn Ihr Geschäft auf einer technischen Erfindung basiert, ist Geld ein wichtiger Faktor. Von der Prototypentwicklung über die Patentierung bis zu Vertrieb und Marketing warten einige große Posten auf Sie, und es wäre schade, wenn Sie in Ihrem Tatendrang durch eine Finanzierungslücke gebremst würden. Wie Sie eine Finanzierung planen, Geldgeber finden und mit Banken umgehen, erfahren Sie in Kapitel 21.

Wer zuerst kommt ...

Der Markt, den Sie anpeilen, verändert sich schnell. Je schneller Sie von der Idee zum Produkt kommen und dieses auf den Markt loslassen, desto eher treffen die von Ihnen zugrunde gelegten Annahmen über diesen Markt zu. Während Sie erfinden und entwickeln, arbeiten auch Ihre Erfinderkollegen in aller Welt rastlos an neuen Ideen. Sobald Ihnen einer davon zuvor kommt, sinken die Chancen auf den kommerziellen Erfolg Ihrer Erfindung drastisch. Anstatt einer originellen Lösung mit Aha-Effekt bekommen Sie ein »Kennen wir schon« und werden vielleicht sogar als Nachahmer mit Missachtung gestraft. Kaum etwas schadet der Psyche des Erfinders mehr!

i0011.jpgDie Geschwindigkeit, mit der Sie von der Idee zum Produkt oder Patent kommen, darf nicht auf Kosten der Sorgfalt gehen. Die genaue Planung und die informierte Bewertung Ihrer Ideen stehen immer noch an erster Stelle. Im Gegenteil hilft Ihnen ein guter Informationsstand sogar dabei, schneller gute Entscheidungen zu treffen, sodass Sie durch gute Vorbereitung Zeit gewinnen, wenn andere längst noch auf Holzwegen irren.