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Inhalt


Mark Walker


Richard H. Beyler


Michael Eckert


Dieter Hoffmann


Richard Beyler, Michael Eckert und Dieter Hoffmann


Gerhard Simonsohn


Klaus Hentschel


Gerhard Rammer


Volker R. Remmert


Ute Deichmann

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200 Jahre Wiley – Wissen für Generationen

Jede Generation hat besondere Bedürfnisse und Ziele. Als Charles Wiley 1807 eine kleine Druckerei in Manhattan gründete, hatte seine Generation Aufbruchsmöglichkeiten wie keine zuvor. Wiley half, die neue amerikanische Literatur zu etablieren. Etwa ein halbes Jahrhundert später, während der »zweiten industriellen Revolution« in den Vereinigten Staaten, konzentrierte sich die nächste Generation auf den Aufbau dieser industriellen Zukunft. Wiley bot die notwendigen Fachinformationen für Techniker, Ingeni-eure und Wissenschaftler. Das ganze 20. Jahrhundert wurde durch die Interxnationalisierung vieler Beziehungen geprägt – auch Wiley verstärkte seine verlegerischen Aktivitäten und schuf ein internationales Netzwerk, um den Austausch von Ideen, Informationen und Wissen rund um den Globus zu unterstützen.

Wiley begleitete während der vergangenen 200 Jahre jede Generation auf ihrer Reise und fördert heute den weltweit vernetzten Informationsfluss, damit auch die Ansprüche unserer global wirkenden Generation erfüllt werden und sie ihr Ziel erreicht. Immer rascher verändert sich unsere Welt, und es entstehen neue Technologien, die unser Leben und Lernen zum Teil tiefgreifend verändern. Beständig nimmt Wiley diese Herausforderungen an und stellt für Sie das notwendige Wissen bereit, das Sie neue Welten, neue Möglichkeiten und neue Gelegenheiten erschließen lässt.

Generationen kommen und gehen: Aber Sie können sich darauf verlassen, dass Wiley Sie als beständiger und zuverlässiger Partner mit dem not­wendigen Wissen versorgt.

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William J. Pesce

President and Chief Executive Officer

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Peter Booth Wiley

Chairman of the Board

Herausgeber

Prof. Dr. Dieter Hoffmann

Max-Planck-Institut für
Wissenschaftsgeschichte
Boltzmannstr. 22
D-14195 Berlin

Prof. Dr. Mark Walker

Dept. of History
Union College
Schenectady, NY 12308-3107
USA

Redaktion

Uwe Hank, Ralf Hahn

Titelbild

Hundert Jahre Deutsche Physikalische Gesellschaft, 18.1.1945, v.l.n.r.: C. Ramsauer, A. Esau, E. Brüche, H. Hartmann, A. Axmann, Bundesarchiv, Bild: J31223 RPK III/280, Fotograf: Hoffmann

1. Aufl age 2007

Alle Bücher von Wiley-VCH werden sorgfältig erarbeitet. Dennoch übernehmen Autoren, Herausgeber und Verlag in keinem Fall, einschließlich des vorliegenden Werkes, für die Richtigkeit von Angaben, Hinweisen und Ratschlägen sowie für eventuelle Druckfehler irgendeine Haftung

Geleitwort

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG), hervorgegangen aus der bereits 1845 gegründeten Physikalischen Gesellschaft zu Berlin, ist die älteste und größte physikalische Fachgesellschaft der Welt. Ihre Entwicklung ist von Anfang an durch eine stete Zunahme der Mitgliederzahl und einen Zuwachs an wissenschaftlicher Reputation gekennzeichnet. Besonders sichtbar wird diese Entwicklung in den Jahrzehnten um 1900, als die physikalische Forschung in Deutschland auf vielen Gebieten eine weltweit führende Rolle einnahm. Die DPG wurde in diesen Jahrzehnten durch Präsidenten wie Emil War­burg, Max Planck und Albert Einstein geleitet, die zugleich Symbole für physikalische Exzellenz darstellten. Darüber hinaus zählten Planck und Einstein zu den am weitesten herausragenden Forschern des beginnenden 20. Jahrhunderts.

Das Jahr 1933 beendete diese Blütezeit der Physik und führte zu einschneidenden Veränderungen. Die nationalsozialistische Diktatur verfolgte politische Gegner und Andersdenkende und entzog jüdischen Intellektuellen und Wissenschaftlern ihre Existenzgrundlage. Ihre rassistische Ausgrenzungs- und Repressionspolitik hatte den teilweisen Niedergang der physikalischen Forschung in Deutschland zur Folge. Welche Rolle die DPG in diesem Prozess spielte, wurde bisher nur unzureichend behandelt. Eine Auseinandersetzung mit diesem Kapitel der deutschen Physikgeschichte fand lediglich im Rahmen von Biographien und bei der Behandlung allgemeiner physikhistorischer Entwicklungen statt. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft ist sich dieses Defizits bewusst.

Dieses Forschungsdesiderat vor Augen, regte Dieter Hoffmann, DPG-Fachverbandsvorsitzender »Geschichte der Physik«, im Vorfeld der Vorbereitungen zum Jahr der Physik 2000 an, die Geschichte der Deutschen Physikalischen Gesellschaft im Dritten Reich einer speziellen Untersuchung zu unterziehen. Diese Initiative wurde sofort und vorbehaltlos vom damaligen DPG-Präsidenten Alexander Bradshaw aufgegriffen, denn es war ebenfalls ein besonderes Anliegen der DPG, ihre Vergangenheit in der Zeit des Nationalsozialismus aufzuarbeiten. Aus diesem Grund wurde eine Kommission des Vorstands damit beauftragt, die nötigen Voraussetzungen für die Aufarbeitung der DPG-Geschichte zu klären. Als Ergebnis dieses Klärungsprozesses wurde dem Vorstandsrat im Frühjahr 2001 vorgeschlagen, ein von der DPG finanziertes Forschungsprojekt ins Leben zu rufen und den amerikanischen Wissenschaftshistoriker Mark Walker mit dessen Leitung zu betrauen. Dabei ging man von der Erwartung aus, dass dieses Forschungsprojekt auch die in der DPG vorhandenen Kompetenzen einbezieht. In Abstimmung mit Mark Walker erfolgte die Einsetzung von Dieter Hoffmann zum Co-Direktor des Projektes. Der ehemalige Präsident der DPG, Theo Mayer-Kuckuk, wurde vom DPG-Vorstand mit der Kommunikation zwischen DPG und Herausgebern beauftragt. Eine international zusammengesetzte, unabhängige Autorengruppe beschäftigte sich in den folgenden Jahren mit den unterschiedlichen Aspekten der Geschichte der DPG im Dritten Reich. Die Ergebnisse werden nun im vorliegenden Sammelband präsentiert.

Für die geleistete Arbeit möchte ich den beiden Herausgebern, Mark Walker und Dieter Hoffmann, sowie allen anderen Beteiligten im Namen unserer Gesellschaft großen Dank aussprechen. Diese Ar­beit ist mehr als eine zusammenhängende Dokumentation und Ana­lyse der Geschichte der DPG und der Physik in Deutschland – sie ist eine Arbeit gegen das Vergessen. Denn wie sich die Zukunft entwickeln wird, hängt ganz entscheidend von unserer Fähigkeit ab, sich immer wieder der eigenen Geschichte zu stellen und aus ihr zu lernen.

Würzburg, 29. Oktober 2006

Eberhard Umbach

Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft

Vorwort

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) gehört zu den ältesten und traditionsreichsten Fachgesellschaften Deutschlands. 1845 gegründet, erfuhr sie in den folgenden Jahrzehnten einen stetigen Zuwachs in ihrer Mitgliederzahl und an wissenschaftlicher Reputa­tion. Dies gründete sich nicht zuletzt auf der Tatsache, dass die physikalische Forschung in Deutschland in den Jahrzehnten um 1900 auf vielen Gebieten den Weltstandard bestimmte. Das Jahr 1933 bedeutete für diese physikalische Hochkultur einen gravierenden Einschnitt, da die nationalsozialistische Diktatur nicht nur politische Gegner und Andersdenkende verfolgte, vielmehr entzog die rassistische Ausgrenzungs- und Repressionspolitik auch jüdischen Intellektuellen und Wissenschaftlern ihre Existenzgrundlage und zwang sie vielfach in die Emigration. Als Symbol für diese Vertreibung des Geistes aus Deutschland gilt vielfach die Emigration Albert Einsteins, die zugleich den partiellen Niedergang der physikalischen Forschung in Deutschland deutlich machte. Zu diesem Phänomen sind in den vergangenen Jahrzehnten eine Reihe interessanter und differenzierender Studien entstanden – angefangen mit Allan Beyerchens Pionierarbeit Wissenschaft unter Hitler(1977 über die umfangreiche Heisenberg Biographie Uncertainityvon David Cassidy (1992) bis zu Klaus und Ann Hentschels (leider nur auf englisch publizierten) An­thology Physics and National Socialism(1996), die wichtige Dokumente aus dieser Zeit zusammenfasst. In diesen und den vielen anderen verdienstvollen Publikationen zum Phänomen Physik im Dritten Reich wird die Deutsche Physikalische Gesellschaft – wenn überhaupt – nur am Rande und im Rahmen der allgemeinen physikhistorischen Entwicklungen behandelt. Über ihre spezifi sche Funktion im wissenschaftspolitischen Handlungsgefüge und den politischen Machtkonstellationen des Dritten Reiches weiß man indes nur wenig; dies trifft im Übrigen generell für die Rolle wissenschaftlicher Gesellschaften als Mittler zwischen Forschung und Politik zu.

Dieses Forschungsdesiderat versucht die vorliegende Publikation zu schließen. Eine international zusammengesetzte Autorengruppe hat sich in den zurückliegenden Jahren mit den unterschiedlichen Aspekten der Geschichte der DPG im Dritten Reich beschäftigt. Die Ergebnisse der Forschungen fasst der vorliegende Sammelband zusammen. Mosaikartig versucht er, zentrale Aspekte der Geschichte der Deutschen Physikalischen Gesellschaft zu analysieren, um so zu einem exemplarischen Gesamtbild ihrer Geschichte im Dritten Reich zu kommen. Mark Walker (Schenectady) macht in seinem Einleitungsbeitrag die allgemeinen politischen Zusammenhängen deutlich und ordnet die Geschichte der Gesellschaft in den nationalsozialistischen Kontext jener Zeit ein. Paul Forman (Washington, D.C.) rückt die spektakuläre 86. Naturforscherversammlung in Bad Nauheim in den Mittelpunkt seines Beitrags und zeigt an diesem Beispiel, wie die zeitgenössischen Naturwissenschaften und speziell die Physik von den politischen und weltanschaulichen Strömungen der Weimarer Zeit beeinfl usst wurden und die Konfl ikte der Physiker im Dritten Reich teilweise bereits dort ihre Wurzeln haben. Richard Beyler (Portland) untersucht unter allgemeinen Gesichtspunkten den in Teilen erfolgreichen Versuch der DPG, ihre Autorität und Autonomie auch unter den repressiven Bedingungen des NS-Staates zu bewahren. Stefan Wolff (München) beschäftigt sich mit der Physikeremigration im Dritten Reich und was dies für die DPG bedeutete bzw. welche Rolle die DPG bei der gesellschaftlichen Ausgrenzung jüdischer Kollegen gespielt hat. Michael Eckert (München) setzt sich kritisch mit dem Verhältnis von DPG und Deutscher Physik und dem in der Nachkriegszeit so vehement reklamierten beharrlichen Kampf der DPG gegen die »Parteiphysik« auseinander. Die Ramsauer-Ära, die mit der Kriegszeit zusammenfällt und durch die partielle Selbstmobilisierung der DPG gekennzeichnet war, wird im Beitrag von Die­ter Hoffmann (Berlin) detailliert beschrieben. Der Planck-Medaille, der höchsten Auszeichnung der DPG, ist eine spezielle Analyse von Richard Beyler, Michael Eckert und Dieter Hoffmann gewidmet, weil sich an ihrer Verleihungspraxis im Dritten Reich exemplarisch das Verhältnis von Autonomie und Anpassung der DPG in jenen Jahren aufzeigen lässt. Gerhard Símonsohn (Berlin) gibt einen detailreichen Überblick zu damaligen Themen physikalischer Forschung – gespiegelt in den Physikertagungen und anderen wissenschaftlichen Aktivitäten der DPG sowie zeitgenössischen Publikationsorganen. Zwei Beiträge widmen sich im Sinne des Aufzeigens von Kontinuitäten und Diskontinuitäten der DPG-Geschichte der Nachkriegszeit. Klaus Hentschel (Bern/Stuttgart) versucht in einer dichten Beschreibung, den Mentalitäten der Physiker in den ersten Nachkriegsjahren auf die Spur zu kommen, und Gerhard Rammer (Göttingen/Wuppertal) geht dem institutionellem Neuanfang der DPG nach 1945 und ihrer »Vergangenheitspolitik/-bewältigung« nach. Den Abschluss bilden die Aufsätze von Volker Remmert (Mainz) und Ute Deichmann (London/ Köln), die in vergleichender Perspektive die mathematischen und chemischen Schwestergesellschaften der DPG im Dritten Reich behandeln. Ein umfangreicher Anhang mit relevanten Dokumenten zur Geschichte der Deutschen Physikalischen Gesellschaft im Dritten Reich versucht die Authentizität der einzelnen Beiträge zu erhöhen und rundet den Sammelband ab.

Die eben gegebene Zusammenfassung zeigt, dass das vorliegende Buch zwar auf die Geschichte der DPG in den Jahren der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft fokussiert ist, doch diese in einer vergleichenden Perspektive diskutiert wird. Dabei bezieht sich der Vergleich einerseits auf die zeitliche Dimension, wodurch die Jahre vor und nach der Nazi-Diktatur eine angemessene Berücksichtigung finden und zugleich die Frage nach den Kontinuitäten und Diskontinuitäten der DPG-Geschichte thematisiert wird. Andererseits wird die Geschichte der DPG im Dritten Reich nicht isoliert behandelt, sondern in die allgemeinen politischen Kontexte und wissenschaftshistorischen gestellt und mit dem Verhalten anderer wissenschaftlicher Gesellschaften im Dritten Reich verglichen.

Drei Workshops trugen in den Jahren 2001 bis 2003 dazu bei, die nötigen thematischen Diskussionen und Klärungsprozesse zwischen den Autoren zu fördern. Darüber hinaus waren diese Zusammenkünfte immer offene Diskussionsforen, an denen sich nicht nur die eigentlichen Teilnehmer des Forschungsprojektes beteiligten, sondern auch andere kompetente Fachvertreter und interessierte Mitglieder der DPG teilnehmen und Anregungen einbringen konnten. Insbesondere der erste Workshop im Dezember 2001 fand eine rege Resonanz und versammelte im Berliner Magnus-Haus fast 50 Kollegen.

Leider haben die vielfältigen Belastungen von einem der Herausgeber dieses Bandes bei der Vorbereitung und Durchführung des Einstein-Jahres 2005 dazu geführt, dass das geplante Erscheinen des Buches zum Weltjahr der Physik erheblich verzögert wurde. Für die Nachsicht und Geduld, mit der Autoren und Verlag die ungebührlich lange Drucklegung hingenommen haben, sei an dieser Stelle nochmals gedankt. Dennoch hoffen wir, dass auch die verspätete Publikation des Buches das Interesse an diesem problembehafteten Thema nicht behindert oder gar reduziert hat.

Abschließend möchten wir all jenen herzlich danken, die zum Entstehen des Buches maßgeblich beitrugen. Zu danken ist insbesondere der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, die das Forschungsprojekt und die Drucklegung des Buches nicht nur fi nanziell großzügig ausgestattet, sondern es auch vorbehaltlos und mit großem Engagement unterstützt hat – ein spezieller Dank gilt ihren beiden Alt-Präsidenten Alexander Bradshaw (München) und Theo Mayer-Kuckuk (Berlin) für ihr großes Interesse und Engagement am Fortgang des Forschungsprojektes. Den Hauptgeschäftsführern der DPG Volker Häselbarth und Bernhard Nunner sowie ihren Kolleginnen in der Geschäftsstelle in Bad Honnef haben wir ebenfalls für so manchen konstruktiven Vorschlag bei der Überwindung praktischer Engpässe und Hürden Dank zu sagen. Großen Dank schulden wir nicht zuletzt den zahlreichen Archiven und Bibliotheken, speziell dem Archiv der Deutschen Physikalischen Gesellschaft selbst. Sie halfen bereitwillig, ihre vielfach noch ungehobenen Schätze zur DPG-Geschichte für unsere Forschungen zu erschließen.

Herr Uwe Hank (Berlin) hat mit großem Engagement und Umsicht die Mehrzahl der Beiträge redigiert, wobei die abschließende Redaktion sowie die Erstellung der druckfertigen Form von Ralf Hahn (Berlin) besorgt wurde; er half ebenfalls bei den Bildrecherchen. Last but not least ist dem Verlag Wiley-VCH, namentlich Frau Esther Dörring und Herrn Alexander Grossmann, für die geduldige und aufgeschlossene Zusammenarbeit bei der Drucklegung zu danken.

Berlin/Schenectady, im Sommer 2006

Dieter Hoffmann/Mark Walker