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INHALTSVERZEICHNIS

DIE KRUX MIT DER SCHLAGFERTIGKEIT

DER STILLEN OHNMACHT AUF DER SPUR: WARUM BLEIBEN WIR STUMM?

KÖRPERSPRACHE: STARKE WORTE BRAUCHEN STARKE SIGNALE

Hände Sprechen Bände

Standbreite

Kopfhaltung

Sitzhaltung

Lächeln

FRAUENSPRACHE – MÄNNERSPRACHE

DAS OBERSTE PRINZIP: VERWIRRUNG STIFTEN

KONTERSTRATEGIEN

Angriffe Dürfen Ignoriert Werden

Sie haben jedes Recht, eine Antwort zu verweigern

Auf ein anderes Mal: Retourkutschen vertagen

Falsch verstanden: Auch das gekonnte Missverstehen will gelernt sein

„Aha!“ Kurz, knapp und frech den Wind aus den Segeln nehmen

„Na und?“ Wie man den Ball zurückspielt

Richtungswechsel: Kein Anschluss unter dieser Nummer

„Nachts sind alle Katzen grau“: Mit Sprichwörtern parieren

Mit Metaphern kontern

Wenn man es genauer wissen will: „Was meinen Sie?“

Zustimmung macht den Gegner kampfunfähig

Übertreiben Sie es ruhig!

Meinungsfreiheit gilt für jedermann

Spieglein, Spieglein an der Wand: Dem Angreifer sein Spiegelbild zeigen

Treffend kommentieren

Attacke: Auf zum Gegenangriff!

Das Sandkastenprinzip: Den anderen übertrumpfen

Abschlussrunde: Tipps zur gelungenen Umsetzung

WER ÜBER DAS ZIEL HINAUSSCHIESST

WIE MAN CHARMANT ABLEHNT UND GEKONNT ,,NEIN“ SAGT

ANGRIFF ODER KRITIK? WIE SIE DAS EINE VOM ANDEREN UNTERSCHEIDEN

WENN DIE PEINLICHKEIT VON UNS BESITZ ERGREIFT

SCHLAGFERTIGKEIT ALS SYMPATHIEFAKTOR

ÜBER DIE AUTORIN

STICHWORTVERZEICHNIS

GEFÄLLT IHNEN DIESES KLEINE BUCH?

Little Black Book
der

SCHLAGFERTIGKEIT

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Treffsicher, pfiffig und charmant auf Partys, in Beruf und Co.

Carolin Lüdemann Illustriert von Kerren Barbas

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Little Black Book
der

SCHLAGFERTIGKEIT

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Die Krux mit der Schlagfertigkeit

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Sir Winston Churchill wurde während einer Abendgesellschaft von Lady Astor scharf attackiert. Ganz und gar nicht zurückhaltend sagte sie zu dem britischen Premier: „Wenn ich Ihre Frau wäre, würde ich Ihnen Gift in den Tee schütten.“ Daraufhin konterte Churchill: „Wenn ich Ihr Mann wäre, würde ich ihn trinken.“

Die Antwort des britischen Premiers ist der Inbegriff der pfiffigen Erwiderung. Spontan, witzig, intelligent und souverän begegnete er der unpassenden Bemerkung von Lady Astor und ging als Gewinner aus dem verbalen Schlagabtausch heraus.

Doch genau in diesem Inbegriff der perfekten Schlagfertigkeit liegt zugleich ein Teil unseres Problems. Wenn wir uns zum Ziel machen, dass nur so eine gelungene Replik aussehen darf, legen wir die Messlatte ganz schön hoch. Tatsächlich gibt es zahlreiche einfachere Techniken, mit denen wir unser Gegenüber in die Schranken weisen können. Wer in der Vergangenheit erlebt hat, dass ihn die stumme Ohnmacht ereilt, der braucht zunächst einmal simplere, aber zugleich effektive Retourkutschen. Anhand derer lassen sich das Selbstbewusstsein und die Gewissheit aufbauen, dass man keineswegs um eine Antwort verlegen ist. Je souveräner und selbstsicherer der Auftritt, umso pfiffiger die Erwiderungen.

Häufig machen insbesondere die soften Methoden der Schlagfertigkeit Sinn. Nämlich immer dann, wenn wir – zum Beispiel im beruflichen Kontext – jemandem begegnen, den wir besser nicht mundtot machen sollten, weil das für uns unangenehme Konsequenzen haben könnte. Würden wir hier zu tief in die verbale Trickkiste greifen, könnte es sein, dass wir selbst das Nachsehen haben und schneller als gedacht aufs Abstellgleis geraten. Manchmal ist Schlagfertigkeit also auch eine Art Notschalter, der das Gespräch auf eine angemessene Ebene zurückführt und der zugleich deutlich macht, dass man so besser nicht mit einem umspringt.

Und nun zu der schlechten Nachricht: Je öfter Sie andere durch schnelle Konter überraschen, umso seltener werden diese Sie in eine solch unangenehme Situation bringen. Jeder Angreifer liebt leichte und berechenbare Opfer. Sobald Sie sich als würdiger und unberechenbarer Gegner erweisen, verderben Sie Ihren Angreifern den Spaß und diese werden sich ganz automatisch mit unpassenden Bemerkungen zurückhalten. Aber das ist dann wohl ein Luxusproblem, mit dem Sie ganz sicher gut leben können.

Und zu guter Letzt vergessen wir nicht: Schlagfertigkeit ist nicht nur ein Mittel, um Angriffe abzuwehren. Schlagfertigkeit kann im uneingeschränkt positiven Sinne eingesetzt werden. Zum Beispiel um Smalltalkgespräche zu initiieren, andere zum Lachen zu bringen und um auf sympathische Art und Weise Zugang zu Menschen zu bekommen.

Kurzum: Wer treffsicher, pfiffig und charmant parieren und parlieren kann, hat in allen Lebenslagen die Nase vorn.

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Der stillen Ohnmacht auf der Spur: Warum bleiben wir stumm?

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An der Tankstelle konnte ich neulich beobachten, wie eine Frau den Tankwart um Rat fragte. Ein älterer Herr, der vorbei lief und mit dem Geschehen nichts zu tun hatte, konnte sich eine hämische Bemerkung nicht verkneifen und rief zu der jungen Dame hinüber: „Wie wäre es damit, einmal die Gebrauchsanleitung zu lesen?“ Die junge Frau und der Tankwart starrten den Mann mit offenem Mund an, über die Lippen kam ihnen jedoch kein Ton. Wir können uns relativ sicher sein, dass die beiden sich keineswegs eine passende Bemerkung verkniffen haben; vielmehr war ihnen im Eifer des Gefechts schlicht und ergreifend nichts eingefallen. Somit zog der ältere Mann als Sieger vom Feld, setzte sich in sein Auto und fuhr wohl gelaunt davon.

Es würde mich nicht wundern, wenn sich die junge Frau keineswegs so gut gefühlt hat, wie der Mann, der die unpassende Bemerkung vom Stapel ließ. Sie kam sich selbstverständlich nicht wie eine Siegerin, sondern wohl eher wie eine Verliererin vor. Nicht nur, dass sie gerade ein technisches Problem zu bewältigen hatte, um den Spott musste sie sich ebenfalls nicht sorgen. Dafür kam dann extra der „Opa von Welt“ vorbei, der sich durch einen blöden Spruch auf ihre Kosten produzierte. Da wäre es wirklich höchste Zeit gewesen, den Siegeszug des unerwünschten Dritten aufzuhalten. Es fragt sich nur wie?

Diese Situationen spielen sich Tag für Tag in diversen Varianten in unserem Umfeld ab. Und ich bin sicher: Auch Sie haben diese stumme Ohnmacht öfter erlebt, als Ihnen lieb ist. Sehr wahrscheinlich ist Ihnen Minuten oder Stunden nach der verbalen Attacke so einiges eingefallen, was Sie dem Spötter um die Ohren hätten hauen können. Nur leider ist es dafür jetzt zu spät. Ihr „Feind“ hat sich schon längst vom Acker gemacht und den Sieg stolz davongetragen – während Sie noch immer darüber grübeln, wie schön es gewesen wäre, ihm eine freche Bemerkung entgegen zu schleudern. Vermutlich sind Sie in Gedanken nun umso kreativer. Das ändert in den meisten Fällen jedoch nichts daran, dass Ihnen auch beim nächsten Mal nichts einfallen wird – oder zumindest dann nicht, wenn Ihnen der Angreifer noch gegenübersteht.

Treffenderweise bezeichnen die Franzosen die Schlagfertigkeit daher als „les mots d’escalier“. Darin kommt zum Ausdruck, dass es sich hierbei um Worte handelt, die einem erst auf der Treppe, das heißt beim Weggehen einfallen. Doch in diesem Moment ist es für eine pfiffige Erwiderung schon zu spät – die Wege von Angreifer und Angegriffenem haben sich schon längst getrennt. Klar ist auch, dass man jetzt nicht zurück rennen kann, um sich der Debatte erneut zu stellen oder dem anderen den kreativen Geistesblitz hinterher zu rufen.

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Doch fragen wir uns einmal, warum so viele Menschen diese stumme Ohnmacht erleben. Es handelt sich dabei nicht nur um schüchterne Menschen, sondern ebenso häufig um Personen, die normalerweise keineswegs auf den Mund gefallen sind und denen es auch sonst nicht an Selbstbewusstsein mangelt. Als Erklärung für diese Reaktion muss herhalten, dass es mit unserer Sprachlosigkeit eine uralte Bewandtnis hat. In Zeiten, als wir noch als Jäger und Sammler unterwegs und auf der Suche nach Feuerholz und Nahrung unerwarteten Gefahren ausgesetzt waren, war Redegewandtheit nicht gerade ein Garantieschein fürs Überleben. Während wir arglos Beeren pflückten, blinzelte uns durchs Gebüsch womöglich plötzlich der Säbelzahntiger an. Nun war es ratsam, nicht mehr lange zu überlegen oder gar auf Worte zu vertrauen, sondern schnell eine Entscheidung zu treffen: Kampf, Flucht oder Paralyse? Bei keiner der drei Varianten benötigten wir rhetorisch ausgefeilte Geistesblitze: Der Säbelzahntiger war weniger mit Worten denn mit Taten zu bezwingen. Unser Körper tat daher etwas sehr Sinnvolles für uns: in Windeseile setzte er jede Menge Adrenalin frei, das eine Steigerung der Herzfrequenz und des Blutdrucks erzeugt. Dadurch waren wir in der Lage, kraftvoll zu kämpfen oder schnell zu fliehen. Damit einher geht jedoch ein (heute lästiger) Nebeneffekt: Das bewusste Denken wird reduziert, unser Blut fließt schwerpunktmäßig in unsere Extremitäten und in unserem Kopf herrscht gähnende Leere. Nicht gerade die besten Voraussetzungen, wenn man auf der Suche nach einer entwaffnenden Erwiderung ist. Denn obwohl unsere Gegenüber keine Säbelzahntiger mehr sind, sind unsere Reaktionen immer noch vergleichbar. Vor lauter Schreck (über eine unverschämte Bemerkung) bahnt sich das Adrenalin seinen Weg und das bewusste Denken lässt uns im Stich. Kein Wunder also, dass einem die tolls ten Erwiderungen erst einige Zeit später einfallen. Nämlich dann, wenn das Adrenalin sich gelegt und wir wieder zu gedanklichen Normalleistungen im Stande sind.

Manchmal berichten Menschen auch davon, dass sie bei verbalen Angriffen keineswegs um eine Antwort verlegen sind, sondern vielmehr das Problem haben, dass sie über das Ziel hinausschießen. Im Ergebnis müssen Sie sich dann nicht selten bei Ihrem Gegenüber entschuldigen, obwohl dieser die Retourkutsche ja regelrecht provoziert hat. Für diese Überreaktion können wir ebenfalls dem Adrenalin die Schuld in die Schuhe schieben. Diese starke Reaktion ist nichts anderes, als der „Kampf“ mit Worten. „Fluchten“ wiederum lassen sich beobachten, wenn Angegriffene auf dem Absatz kehrtmachen und zur Tür heraus rennen. Die uralten Reaktionsmuster haben uns also auch heute noch fest im Griff.

Es stellt sich nun die Frage, wie man dieser Falle entkommen kann. Sicher ist, dass der zusätzliche Stress, unter den wir uns setzen, indem wir von uns die brillantesten Erwiderungen erwarten, keine Hilfe ist. Stattdessen sollten wir uns zunächst einmal Zeit nehmen und uns daran erinnern, dass wir keineswegs sofort parie ren müssen. Erstaunlicherweise sind Angreifer so neugierig auf Reaktionen und derart begierig auf Bestätigung, dass sie durchaus bereit sind, ein paar Sekunden länger darauf zu warten. Warum also überstürzen, was man auch langsam angehen könnte?

Fragen Sie sich außerdem, was Sie automatisch tun, wenn Sie sich erschrecken. In den meisten Fällen halten Sie jetzt nämlich erst einmal die Luft an. Das ist nicht gerade hilfreich, wenn es unserem Gehirn sowieso schon an Durchblutung mangelt. Kurzum: Bevor Sie reagieren, schnappen Sie am besten erst einmal nach Luft und atmen Sie tief durch.

Manch einem hilft es auch, wenn er sich sein Gegenüber in der Feinripp-Unterhose vorstellt. Dann verliert der Angreifer schnell einiges an Schrecken oder lädt sogar zum Schmunzeln ein.

Des Weiteren soll es eine beruhigende Wirkung auf uns haben, wenn wir mit unseren Zehen wackeln. Was sich auf den ersten Blick fast schon unglaubwürdig anhört, kann auf den zweiten Blick wissenschaftlich durchaus überzeugend erklärt werden. Babys wackeln mit den Zehen, wenn sie sich wohlfühlen. Selbst Erwachsene tun dies gern noch vor dem Einschlafen. Man geht davon aus, dass dieses Zehenwackeln unserem Gehirn signalisiert, dass alles in bester Ordnung ist und kein Grund zur Sorge besteht. Daher lautet die Empfehlung: Immer dann, wenn Sie sich unsicher oder unwohl fühlen, sollten Sie kräftig mit den Zehen wackeln. Dadurch aktivieren Sie eine Art „Expressleitung“ ins Gehirn, die die Botschaft überbringt, dass alles gut ist. Augenblicklich sollen wir dementsprechend ruhiger werden und dann eben auch auf pfiffige Erwiderungen kommen. Wann immer ich Klienten diesen Tipp empfohlen habe, habe ich zunächst ungläubiges Erstaunen geerntet, dann jedoch wurde mir der Erfolg vielfach bestätigt. Ich weiß bis heute nicht, ob es daran liegt, dass diese wissenschaftliche Theorie einfach wirklich so perfekt funktioniert oder ob der Grund vielmehr darin zu sehen ist, dass wir vor lauter Konzentration auf das Zehenwackeln gar keine Zeit mehr haben, an unsere Nervosität und den mangelnden Einfallsreichtum zu denken. Wie auch immer, die Hauptsache ist ja, dass das Ganze funktioniert. Insofern gilt: Viel Spaß und gute Beruhigung bei der Zehengymnastik!

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Körpersprache: Starke Worte brauchen starke Signale

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Glauben wir der Wissenschaft, so gewinnen wir innerhalb von drei Sekunden einen Eindruck davon, mit wem wir es zu tun haben. Da diese Zeitspanne sehr kurz ist, geht man davon aus, dass über den ersten Eindruck hauptsächlich nonverbale Signale entscheiden. Dazu gehören Mimik, Gestik, Körperhaltung und natürlich auch die Kleidung. Noch bevor wir also den Mund aufgemacht haben und einen einzigen Ton von uns gegeben haben, hat unser Gegenüber schon längst entschieden, wen er da vor sich hat. Das bedeutet dann auch, dass Körpersprache eine größere Rolle spielt, als wir zuvor womöglich gedacht haben. Denn nach dem ersten Eindruck bleibt erst mal alles so, wie wir meinen, es gesehen zu haben. Die meisten Menschen gehen davon aus, dass sie sich auf ihren ersten Eindruck verlassen können und hinterfragen diesen dementsprechend nicht mehr. Selbstverständlich ist es sehr viel bequemer, wenn wir uns in unseren Eindrücken bestätigen können, als wenn wir diese hinterfragen müssten.

Außerdem sind wir nach dem ersten Eindruck gar nicht mehr in der Lage, objektiv einen Blick auf eine Person zu werfen. Vielmehr nehmen wir die Verhaltensweisen, die zu unserem subjektiven ersten Eindruck passen, deutlich stärker wahr als diejenigen, die diesem widersprechen würden. Daraus folgt das Fazit: Der erste Eindruck prägt und bleibt uns erhalten. Streng genommen bedeutet das jedoch noch nicht, dass unser erster Eindruck tatsächlich zutreffend ist. Dies haben Studien vielfach bewiesen. Nichtsdestotrotz glaubt die Masse an diesen ersten Eindruck und damit sind auch wir auf ihn angewiesen.