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Carolin Lüdemann

Der kleine Business-Knigge

Wie Sie Fettnäpfchen im Berufsalltag umschiffen

 

 

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Karrierekiller wider Willen

2 Authentizität als Sympathiefaktor

3 Der erste Eindruck prägt, der letzte Eindruck bleibt

4 Kleider, die Karrieren machen

5 Nonverbal übertrumpft verbal

6 Begrüßungen und Vorstellungen

7 Smalltalk: Die Kunst des kleinen Gesprächs

8 Der Gabeltest

9 Fettnäpfchen des Büroalltags

10 Schlusswort

11 Über die Autorin

Literatur

Vorwort

Gern sagt man dem imagesKniggeimages nach, dass man sich gut und anständig benehmen solle, um seinem Gegenüber Respekt zu erweisen. Das ist sicher richtig. Denn es macht einen Unterscheid, ob man seine Gesprächspartner mit einem feinen Zwirn oder einem Jogginganzug würdigt. Doch es ist nicht der einzige Grund, warum gutes Benehmen nach wie vor Sinn macht – denn vor allem benimmt man sich für sich selbst.

Studien haben hinlänglich belegt, dass man so behandelt wird, wie man handelt und wie man sich präsentiert. Gelingt es also aufgrund eines zweifelhaften Auftretens nicht, als Person zu überzeugen, wird es um ein Vielfaches schwieriger, mit seinem eigentlichen Anliegen, mit seiner Fachkompetenz oder mit seinen Inhalten zu überzeugen. Überzeugt man dagegen schnellstmöglich als Person, hat man es im weiteren Miteinander umso leichter.

Und doch tue ich mich stets schwer, zwischen imagesschwarzimages und imagesweißimages bzw. imagesrichtigimages oder imagesfalschimages zu unterscheiden. Denn viel zu oft habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Wahrheit auch imagesgrauimages sein kann. Um ein Beispiel zu nennen: In meinen Seminaren treffe ich häufig auf Kundenberater von Banken. Geht der Berater morgens im schwarzen Anzug, weißen Hemd und in roter Krawatte aus dem Haus, ist er objektiv betrachtet gut und korrekt gekleidet. Das gilt erst recht, wenn er im weiteren Verlauf des Tages ein Gespräch mit einem seiner Kunden wahrnimmt, der zum Beispiel Geschäftsführer eines Unternehmens ist und auf eine ähnliche Art und Weise gekleidet ist. Was aber, wenn unser Kundenberater im Anschluss einen weiteren Kunden besucht, der nun nicht hinter dem Schreibtisch agiert, sondern einen landwirtschaftlichen Hof betreibt? Dieser Kunde begegnet dem Bankmitarbeiter in Gummistiefeln und Jeans. Nun plötzlich ist die akkurate Kleidung des Bankers dazu geeignet, unerwünschte Distanzen zu schaffen.

Dieses Beispiel zeigt, warum die Wahrheit oft zwischen den Extremen liegen kann. Es gibt Situationen, in denen imageszu vielimages des Guten auch unfreiwillig Kluften schlagen kann. Daher werde ich nie müde, zu betonen, dass Sie das Wichtigste in punkto imagesUmgangsformenimages bereits besitzen – und das ist Ihr Fingerspitzengefühl; Ihr feines Gespür für die jeweilige Situation und für das, was das Gegenüber von Ihnen erwartet.

Zugleich meine ich jedoch, dass man möglichst viele der zahlreichen Regeln kennen sollte, um mit seinem Fingerspitzengefühl entscheiden zu können, wo man welche Spielregeln zum Einsatz bringen möchte. Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen genau hierbei dieses Buch ein treuer Ratgeber sein wird.

Ihre Carolin Lüdemann

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Karrierekiller wider Willen

imagesTakt besteht darin, dass man weiß, wieweit man zu weit gehen darf.images

Jean Cocteau (1889–1963), französischer Schriftsteller, Regisseur und Maler

Die Unternehmen sind voll von Menschen mit großer Fachkompetenz. Und doch schaffen es einige, diese Kompetenz erfolgreich zu verschleiern. Zum Beispiel, weil sie gleich im ersten Eindruck beim Vorstellungsgespräch versagen oder weil sie nichts Besseres zu tun haben, als an falscher Stelle einen Flirtversuch zu wagen. Nach wie vor gelten die soziale Kompetenz und damit die Fähigkeit, mit anderen Menschen erfolgreich zu agieren, als entscheidende Karrierefaktoren. Und das völlig zu Recht.

Denn überlegen wir einmal, was heute noch den Unterschied ausmacht. Betrachten wir ein Unternehmen und stellen die Frage, nach welchen Kriterien ein Kunde entscheidet, ob er sich in diesem Unternehmen in den besten Händen wähnen darf. Dann wird deutlich, dass das schon lange nicht mehr die Produkte oder Dienstleistungen sind. Denn diese sind substituierbar. Nie zuvor war ein Kunde so gut informiert wie heute. Das Internet hat ihm neue Möglichkeiten der Recherche gegeben und so weiß er spätestens jetzt, dass sich die Angebote der Unternehmen fast so stark gleichen wie ein Ei dem anderen.

Das, was heute den Unterschied ausmacht, ist der Faktor Mensch. Der Mitarbeiter im Kundenkontakt ist das entscheidende Kriterium, um den Kunden auch weiterhin an sich binden zu können. Darum ist es kein Wunder, dass gute Umgangsformen in den Unternehmen weiterhin hoch im Kurs stehen. Ohne Zweifel ist es zwar so, dass viele Dinge und so manches Verhalten heutzutage nicht mehr selbstverständlich sind. Das führt jedoch nicht dazu, dass Arbeitgeber ihre Ansprüche senken würden. Das können sie ja schon alleine deshalb nicht, weil es der Kunde aus oben genannten Gründen auch nicht tut. Darum zeigt sich, dass diejenigen Mitarbeiter, die in der Lage sind, Gespräche zu initiieren, auf Menschen zuzugehen und Sympathien zu wecken, diejenigen sind, die die besten Aussichten auf Erfolg haben.

Und auch fern vom Kundenkontakt haben die meisten Arbeitgeber selbstverständlich eine Vorstellung davon, welche Werte in ihrem Unternehmen verkörpert werden sollen. Das gilt dann eben nicht nur im Kontakt nach außen, sondern auch für das interne Miteinander. Darum bleibt das Fazit:


Wer Karriere machen möchte, tut sich leichter, wenn er sich benehmen kann.

Und doch ist immer wieder festzustellen, dass das nicht jedem Mitarbeiter klar zu sein scheint. Wer sich imagessehenden Knigge-Augesimages in den Unternehmen bewegt, kann Tag für Tag erstaunliches beobachten: Seien es Mitarbeiter, die nicht einmal grüßen, wenn sie den Meeting-Raum betreten, die sich lümmelnd auf Besprechungsstühlen tummeln, bei der Anrede akademische Grade unterschlagen, einige Minuten später als die eigene Führungskraft bei Veranstaltungen eintreffen (und dafür auch gleich früher wieder gehen müssen) oder sich selbstredend vom Vorsitzenden der Geschäftsführung die Tür aufhalten lassen. Sehr häufig lässt sich in diesem Zusammenhang feststellen, dass die Fähigkeit zur Selbstreflektion bei diesen Mitarbeitern nicht gerade stark ausgeprägt ist. Sie bemerken nicht einmal, dass sie selbst völlig anders als die anderen agieren – und dadurch wird es für sie natürlich mehr als schwierig, etwas an diesem unpassenden Verhalten zu ändern. Nicht selten sind sie völlig überrascht, dass es mit der Karriere nicht schneller bergauf geht oder geben in entsprechenden Seminaren (zu denen sie von Vorgesetzten geschickt wurden) zu bedenken, dass viele der Umgangsformen doch nicht den Sitten im Alltag entsprächen. Leider verkennen sie dabei, dass sie als Maßstab für diese Sitten lediglich ihr eigenes Verhalten angelegt haben und nicht das ihres Umfelds.

So berichtete mir beispielsweise ein Teilnehmer bei einem Knigge-Training, dass es ihm extrem wichtig sei, einen guten ersten Eindruck zu machen, da er glaube, dass man hierfür keine zweite Chance bekäme. Das Interessante daran war, dass er zu diesem Training 15 Minuten zu spät eintraf, sich dafür jedoch nicht entschuldigte oder erklärte, warum dies der Fall war. Das war vor allen Dingen deshalb so interessant, weil zu Beginn des Trainings seine neue Führungskraft ein paar einleitende Worte sprach und der Mitarbeiter mitten in diese Ansprache platzte, sich erst einmal in aller Ruhe einen Platz suchte und seine Arbeitsunterlagen auspackte. Als ich ihn dann im Seminar fragte, was denn als Allererstes wichtig sei bei einem ersten Eindruck bzw. bei einem Aufeinandertreffen von mehreren Personen, so zählte er mir Punkte wie die Kleidung, Körpersprache und gar den Geruch auf. Natürlich hatte er mit dieser Aufzählung nicht Unrecht, vergaß dabei jedoch das Wesentlichste: Uns fällt selbstverständlich zu allererst auf, ob jemand pünktlich erscheint – oder eben nicht.

In diesem Zusammenhang veröffentlichte eine große deutsche Tageszeitung im Jahr 2012 einen interessanten Artikel mit der Überschrift imagesZehn überraschende Gründe, warum Sie keine Karriere machenimages1. Diese 10 Pudnkte möchte ich im Folgenden, basierend auf dem Artikel, genauer erläutern: