Einführung

Große Gefühle verpackt in literarische Schönheit wie in einem Roman sollten Sie nicht erwarten, wenn Sie dieses Buch in den Händen halten und darüber nachdenken, ob sie es kaufen oder nur ausleihen sollten. Das Thema bietet keine Vorlage für ein entsprechendes Werk.

Selbst wenn man unterstellt, dass Buchführung ein trockenes Thema ist, das durch die Anwendung mehrerer Steuergesetze geradezu staubtrocken wird, darf man nicht davon ausgehen, dass jegliche Abhandlung darüber humorlos ist.

Schließlich spiegelt Buchführung nur das wirtschaftliche Leben wider, und wie das Leben so ist – es ist bunt, vielschichtig und auch schon mal lustig. Vor allem das Leben in den Vereinen ist lebendig und das wird so auch in die Bücher der Buchführung übertragen. Deshalb wird es auch nicht langweilig. Also freuen Sie sich drauf, Ihren Verein in seinen Büchern zu spiegeln.

Über dieses Buch

Falls Sie mit einem Lehrbuch rechnen, das mit Theorien, Modellen, Ableitungen und Übungen gespickt ist, liegen Sie falsch.

Denn das, was Sie gerade in den Händen halten, ist ein Ratgeber, der Ihnen einen gut verständlichen Überblick über die Buchhaltung im Allgemeinen und die Besonderheiten im Verein verschafft. Praxisorientierte Tipps und nette Anekdoten rund um die Vereinsbuchführung runden dieses Nachschlagewerk ab.

Sie erfahren unter anderem,

check.gif was es mit den Steuern im gemeinnützigen Verein auf sich hat,

check.gif wie Sie die wichtigsten Dinge verbuchen,

check.gif was in den Jahresabschluss hineingehört und

check.gif wie Sie den Finanzbericht für die Mitgliederversammlung zusammenstellen.

Konventionen in diesem Buch

Dieses ist kein Lehr- oder Übungsbuch. Deshalb brauchen Sie nichts einzusetzen, anzukreuzen oder auszuschneiden. Es gibt hier also nichts weiter zu beachten, als dass Sie dem Teil, den Sie gerade lesen, Aufmerksamkeit schenken sollten.

Törichte Annahmen über den Leser

Sie sind in Ihrem Beruf (welchem auch immer) und im Leben angekommen und suchen weitere Herausforderungen. Als bei der letzten Vorstandswahl in Ihrem Verein der Posten des Kassenwarts oder Schatzmeisters zu besetzen war, übernahmen Sie die Verantwortung für die Finanzen und die Buchhaltung in Ihrem Verein mehr oder weniger freiwillig. Vielleicht waren Sie auch nur nicht schnell genug »auf dem Baum«?! Mit dieser übernommenen Verantwortung entsteht ein gewisses Grundinteresse für das Thema Buchführung im Verein, was außerdem noch mit mindestens einem der folgenden Punkte gepaart sein sollte:

check.gif Sie erledigen die Buchhaltung im Verein selbst oder arbeiten eng mit dem Vereinsbuchhalter zusammen.

check.gif Sie möchten verstehen, was Ihnen Ihr Steuerberater erklärt.

check.gif Sie müssen sich in der Ausbildung oder im Studium mit der Materie herumschlagen.

check.gif Sie sind ein engagierter und sozial eingestellter Mensch und möchten Ihren Verein wirtschaftlich unterstützen.

Was Sie nicht lesen müssen

Ab und zu werden Sie beim Lesen auf einen Kasten im laufenden Text stoßen. Diese Kästen enthalten entweder theoretische Hintergrundinformationen oder banale Anekdoten rund um die Vereinsbuchführung. Beide haben eines gemeinsam: Sie müssen sie nicht unbedingt lesen, um das Thema zu verstehen. Wenn es also mal schnell gehen muss, können Sie die Kästen ohne schlechtes Gewissen überspringen. Ich sag’s auch niemandem weiter, versprochen!

Wie dieses Buch aufgebaut ist

Dieses Buch ist in vier Teile gegliedert, die der Einfachheit halber fortlaufend nummeriert und inhaltlich zusammenhängend sind. In den jeweiligen Teilen finden Sie folgende Inhalte:

Teil I: Der gemeinnützige Verein – etwas ganz Besonderes

Hier erfahren Sie, was das Besondere am gemeinnützigen Verein ist, was ihn von einem Gewerbebetrieb unterscheidet und warum er grundsätzlich sogar von einigen Steuern befreit ist.

Außerdem mache ich Sie mit dem Grundwissen einer ordentlichen Buchführung im Allgemeinen und speziell im Verein bekannt und stelle Ihnen das Grundlagenwerkzeug vor.

Teil II: Die Praxis der Vereinsbuchführung

Auf die Plätze – fertig – los! Mit dem Grundwissen der Buchführung ausgestattet, erreichen Sie das Kernstück der Vereinsbuchführung: das »Vier-Säulen-Prinzip«. Sie lernen die vier Säulen, ihre Inhalte und die Unterschiede anhand der steuerlichen Zuordnung kennen.

Sie verfolgen die Entwicklung von einem allgemeinen Kontenrahmen zum speziellen Kontenplan für den Verein.

Schließlich buchen Sie sowohl die Standardbuchungen als auch die typischen Geschäftsvorfälle im Verein. Sie fangen mit den einfachen direkt zuzuordnenden Aufwendungen an und erreichen mit den gemischt genutzten und aufzuteilenden Aufwendungen den anspruchsvollen Höhepunkt. Dabei werden Sie feststellen: Alles halb so wild! Vereinsbuchführung kann nicht nur Spaß machen; sie kann sogar richtig spannend sein.

Teil III: Der Jahresabschluss – Berichterstattung für die Mitgliederversammlung, das Finanzamt und andere

Die Vorlage des Berichts des Kassenwarts oder Schatzmeisters bei der Mitgliederversammlung mit anschließender Entlastung des Vorstands ist bildlich gesehen das Überschreiten der Ziellinie. Danach geht’s zur »Dopingkontrolle« – das Einreichen des Abschlusses beim Finanzamt.

Zuvor muss die Zielgerade überwunden werden, das bedeutet für die Vereinsbuchführung die Berichte der laufenden Buchhaltung auf ihre Richtigkeit und Vollständigkeit zu prüfen, eine Bestandsaufnahme durchzuführen und nach den Abschlussbuchungen den Gewinn zu ermitteln, eine Vermögensaufstellung zu erstellen und die Steuererklärungen abzugeben.

Inwieweit Sie sich dabei als »Selfmademan« behaupten oder sich lieber eines Steuerberaters bedienen, ist natürlich Ihnen beziehungsweise jedem Verein selbst überlassen. Überlegungen und Argumente für die Inanspruchnahme eines Steuerberaters werden aufgezeigt und abgewogen.

Teil IV: Der Top-Ten-Teil

Für den versierten … für Dummies-Leser ist dieser Teil nichts Neues. Da die Buchführung auf »Heller und Cent« stimmen muss, sollten auch die angewandten Begriffe klar und eindeutig verwendet werden. Deshalb werden zuerst einmal zehn fachchinesische Begriffe, die Ihnen über den Weg laufen könnten, erläutert.

Immer gut machen sich Kennzahlen, die in Diskussionen eingebracht werden. Und damit Sie auch hier überall mitreden und beeindrucken können, werden noch zehn nette Kennzahlen erklärt.

Außerdem – wer rastet, der rostet. Um immer aktuell zu sein und sich bei auftretenden Fragen richtig zu informieren, stelle ich Ihnen abschließend noch die zehn meiner Meinung nach besten Websites für Kassenwarte/Schatzmeister im Verein vor.

Symbole, die in diesem Buch verwendet werden

Icon_Tipp2.jpgWenn Sie dieses Symbol sehen, heißt das: Hier steht ein praktischer Tipp, der Ihnen die Arbeit erleichtern kann.

Icon_achtung2.jpgBei diesem Symbol ist Vorsicht geboten. Hier wird auf Gefahren und Stolpersteine aufmerksam gemacht.

Icon_Warnung2.jpgDieses Symbol warnt Sie eindringlich vor großen Gefahren. Eine solche Gefahr ist beispielsweise der Verlust der Gemeinnützigkeit.

Icon_Hand2.jpgMit diesem Symbol möchte ich Ihnen etwas in Erinnerung rufen, damit Sie es sich besonders gut merken.

Icon_beispiel.jpgBei diesem Symbol dürfen Sie ruhig davon ausgehen, dass das, was draufsteht, auch drin ist: ein Beispiel zum jeweiligen Thema.

Wie es weitergeht

Bevor Sie sich in die nächsten Seiten dieses Buches vertiefen, möchte ich Sie noch daran erinnern, dass es kein Roman ist, den Sie in den Händen halten. Sie brauchen es deshalb auch nicht zwingend von vorn nach hinten lückenlos durchlesen, um im Thema zu bleiben und alles zu verstehen. Falls Sie es trotzdem tun, wird es Ihnen nicht schaden.

Aber Sie haben auch die Freiheit, in der Mitte oder am Ende mit der Lektüre anzufangen und dann zwischen den einzelnen Kapiteln hin und her zu springen, so wie es Ihr Wissensdurst gerade verlangt. Sie werden den Aufbau eines Kontenrahmens wie in Kapitel 7 erläutert verstehen, ohne die vorhergehenden Kapitel 1 bis 6 gelesen zu haben. Die Lesereihenfolge ist also unerheblich. Deshalb brauchen Sie auch nicht das Buch in einem Stück durchzuarbeiten. Sie können sich die Zeit ebenfalls völlig frei einteilen.

Nun wünsche ich Ihnen viel Spaß und Erfolg! Auf die Plätze, fertig, los!

Über die Autorin

Auf dem erzbischöflichen Mädchengymnasium in Brühl bei Köln war Barbara Kern, Diplom-Volkswirt (so heißt es wirklich in ihrem Diplom), gut in Deutsch und in Mathe; ihre große Liebe aber galt dem Sport, insbesondere der Leichtathletik und dem Tennisspiel. Als sie durch Verletzungen von der praktischen Ausübung des Leistungssports Abstand nehmen musste, verlegte sie sich auf das Feld der Theorie. Sie machte ihre Trainerlizenz und studierte Volkswirtschaft in Köln. Um dem Sport nahe zu bleiben, bewarb sie sich beim Deutschen (heute Olympischen) Sportbund (DSB beziehungsweise DOSB), wurde angestellt und schließlich Geschäftsführerin einer Tochtergesellschaft des DSB. Nach Heirat und Geburt zweier Söhne stieg sie schwerpunktmäßig von der beruflichen – sie unterrichtet unter anderem Vereinsbuchhaltung in der Firma ihres Nachfolgers – auf eine ehrenamtliche Karriere um. Sie ist heute Jugendwartin einer Tennisabteilung in einem Mehrspartenverein und »Managerin eines recht erfolgreichen familiären Sportunternehmens«.

Sie schlägt weitgehend unfallfrei in ihrer Damentennisrunde auf und – falls sich keine Spielpartner finden – joggt durch die südhessischen Felder und Wiesen.

Danksagung

Ich möchte mich bei meiner Lektorin, Frau Inken Bohn, für die tolle Zusammenarbeit bei diesem Buch bedanken, für ihre verständnisvolle und geduldige Unterstützung und für ihre motivierende Einwirkung in Zeiten, in denen mir das Schreiben so gar nicht von der Hand gehen wollte. Ebenfalls bedanke ich mich bei meiner Familie, meinem Mann Jan Kern und unseren Söhnen Jan Lukas und Jan David. Sie haben mir hier und da den Rücken freigehalten und sich, wenn es mal in der Küche gerade nichts Gekochtes gab, mit den Klassikern Pizza und Döner begnügt und sich sogar gelegentlich ihre Pausenbrote selbst geschmiert.

1

Von Steuern befreit

In diesem Kapitel

arrow Der kleine Unterschied zwischen einem Verein und einem Gewerbebetrieb

arrow Die Gemeinnützigkeit ist etwas Besonderes

arrow Die süße Last der Steuerfreiheit

Was haben der FC Bayern München, die Prinzen-Garde Köln 1906 und das Deutsche Rote Kreuz gemeinsam? Es sind nicht nur eingetragene Vereine, sie sind auch gemeinnützig. Aber was ist das Besondere daran? Ist nicht jeder eingetragene Verein auch gemeinnützig?

In diesem Kapitel erfahren Sie, was Vereine von Gewerbebetrieben unterscheidet, obwohl sie mitunter das Gleiche tun, und was es mit der Gemeinnützigkeit und der Steuerfreiheit von Vereinen auf sich hat.

Abgrenzung gemeinnütziger Verein – Betrieb/Unternehmen

In einem Verein »vereinen« sich freiwillig natürliche und/oder juristische Personen auf Dauer, um einen bestimmten Zweck zu verfolgen. Sie geben sich einen gemeinsamen Vereinsnamen und halten ihren Vereinszweck (es können auch mehrere Zwecke sein) schriftlich in ihrer Satzung fest. Der Vereinszweck wird somit unabhängig vom Wechsel seiner Mitglieder weiterhin verfolgt, sodass jeder bei Anerkennung der Satzung (und damit des Vereinszwecks) ein- und austreten kann.

Der Zweck formt den Verein

Denkbare Vereinszwecke gibt es mindestens so viele wie es Geschäftsideen gibt. Und so gibt es auch Vereine, die wirtschaftliche Interessen verfolgen und sich von Gewerbebetrieben kaum unterscheiden, beispielsweise Einkaufsvereine, die durch größere Abnahmemengen günstigere Preise erzielen. Oder Gewerbevereine, die die Interessen der Selbstständigen aus Handel, Handwerk, Industrie und der freien Berufe in den Kommunen vertreten und durch verschiedene Aktivitäten das Wirtschaftspotenzial der Mitglieder verbessern und ausschöpfen wollen.

Und es gibt Vereine, die auf das Erreichen eines Ziels ausgerichtet sind, beispielsweise auf die Verhinderung des Ausbaus einer Straße. Bürgerinitiativen verfolgen oftmals solche »finalen« Vereinszwecke. Mit der Entscheidung für oder gegen den Straßenausbau durch die entsprechende Behörde ist der Vereinszweck erfüllt oder hinfällig und dem Verein die Grundlage für das Fortbestehen entzogen.

Je nachdem, was und wie nachhaltig die Mitglieder mit ihrem Verein etwas bewegen wollen, stellt sich die Frage nach der Rechtsfähigkeit und der Haftung des Vereins beziehungsweise seiner Mitglieder. Und damit stellt sich auch die Frage nach der Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht.

Die Eintragung macht’s

Mindestvoraussetzung für die Eintragung eines rechtsfähigen Vereins sind die Anzahl von sieben Vereinsmitgliedern (§ 56 des Bürgerlichen Gesetzbuches – kurz BGB) und eine Satzung, in der insbesondere der Vereinszweck und die Befugnisse des Vereinsvorstands definiert sind.

Bei Vereinen, die in das Vereinsregister eingetragen werden, handelt es sich um nicht wirtschaftliche Vereine (sogenannte Idealvereine), die keine Gewinnerzielung, sondern vorwiegend ideelle Zwecke verfolgen. Ideelle Vereinszwecke können sehr vielfältig sein und entsprechend groß ist der Kreis der eingetragenen Vereine, die ihren Zweck meist im Namen zum Ausdruck bringen, beispielsweise Sport-, Karnevals-, Wohltätigkeits-, Berufs-, Gesangs-, Nachbarschaftshilfe-, Einkaufs-, Lohnsteuerhilfe-, Fremdenverkehrs-, Gesundheits- und …vereine.

Icon_Hand2.jpgNicht jeder eingetragene Verein erlangt automatisch den Status der Gemeinnützigkeit. Um diesen begehrten Status zu erhalten, muss der Vereinszweck gemeinnützig, mildtätig oder kirchlich sein. Außerdem darf nur dieser Zweck (oder eine Kombination dieser Zwecke) ausschließlich, unmittelbar und selbstlos verfolgt werden und das muss in der Satzung festgeschrieben und damit vom Finanzamt prüfbar sein. Gesetzlich geregelt sind die Voraussetzungen in § 52 der Abgabenordnung (kurz AO).

Wann ein Verein gemeinnützig ist

Gemeinnützig ist ein Verein, wenn er »allgemeinnützlich« ist und der Kreis der Personen, die in den Genuss der Förderung kommen können, groß ist und grundsätzlich niemand ausgeschlossen wird. Ein Verein, dessen Mitglieder mindestens eine Körperlänge von zwei Metern erreicht haben müssen, kann deshalb nicht gemeinnützig sein, weil zu viele Menschen diese Voraussetzung nicht erfüllen. Seine steuerbegünstigten Zwecke muss der Verein unmittelbar in eigenem Namen verfolgen. Allerdings werden zum Beispiel Fördervereine als gemeinnützig anerkannt, wenn in ihrer Satzung ausdrücklich festgelegt ist, dass sie Geld für die steuerbegünstigten Zwecke anderer Vereine beschaffen. Selbstlos bedeutet, dass der Verein seine Mittel nur für die satzungsmäßigen Zwecke verwendet. Sparen zum Beispiel, um später einmal etwas reicher zu sein, gehört nicht dazu.

Beispiele für Förderzwecke, die als gemeinnützig anerkannt werden, sind:

check.gif Sport

check.gif Jugend-, Altenhilfe

check.gif Umweltschutz

check.gif Bildung und Erziehung

check.gif Kunst und Kultur

check.gif Tierschutz

check.gif Kleingärtnerei

Welche Vorteile bringt die Gemeinnützigkeit dem Verein? Steuerbefreiung beziehungsweise Steuerbegünstigung. Als gemeinnützig anerkannt zu werden, bedeutet für den Verein, dass seine Einnahmequellen von verschiedenen Steuern ganz befreit und von einigen Steuern durch Freibeträge oder ermäßigte Steuersätze begünstigt werden.

Und genau da liegt der Unterschied zum Gewerbebetrieb. Unabhängig von der Rechtsform des Betriebs (Personengesellschaft, GmbH, AG oder …) ist jeder Einkommensbezieher und Gewerbebetrieb verpflichtet, Steuern zu zahlen. Folglich müssen auch die entsprechenden Unterlagen zusammengestellt, Formulare ausgefüllt und belegt werden. Gemeinnützigkeit bedeutet daher nicht nur Geld, sondern auch Zeit bei der Erstellung aller möglichen Steuererklärungen zu sparen.

Grundsätzliche Steuerbefreiung/-begünstigung

Ist der Verein als gemeinnützig anerkannt und der Freistellungsauftrag liegt vor, gilt die Steuerbefreiung für folgende Steuern, die in den entsprechenden Gesetzen geregelt ist:

check.gif Körperschaftsteuer (KStG)

check.gif Umsatzsteuer (UStG)

check.gif Gewerbeertragsteuer (GewEStG)

check.gif Grundsteuer (GrStG)

check.gif Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer (ErbStG)

Erbschaften und Schenkungen erhalten Vereine (leider) so selten, dass wir uns damit nicht weiter beschäftigen. Für den Fall, dass Ihr Verein eine Erbschaft oder Schenkung erhält, empfehle ich, sich mit den konkreten Daten an Ihren Steuerberater oder direkt an das Finanzamt zu wenden, um alle Formalitäten ordnungsgemäß und natürlich steuerfrei abzuwickeln.

Die Befreiung von der Grundsteuer (§ 3 Absatz 3b GrStG) nehmen Sie einfach zur Kenntnis. Auch sie ist für die Vereinsbuchhaltung unerheblich. Für die Befreiung beziehungsweise Begünstigung bei den übrigen Steuern (Körperschaftsteuer, Umsatzsteuer, Gewerbeertragsteuer) müssen die Mittel des Vereins genauer unter die Lupe genommen werden.

Um die satzungsmäßigen Zwecke erfüllen zu können, brauchen Vereine in der Regel finanzielle Mittel. Verschiedene Einnahmequellen können dafür angezapft werden. Neben den »Klassikern« Beiträge und Spenden ist auch die wirtschaftliche Betätigung eines Vereins (zum Beispiel Eintrittsgelder, Vereinsgaststätte, Werbung) denkbar und möglich und gehört mittlerweile zu den »Finanzierungsstandards«.

Icon_Warnung2.jpgDie wirtschaftliche Betätigung darf nicht zum Selbstzweck des Vereins und schon gar nicht als Vereinszweck in die Satzung aufgenommen werden. Nichtbeachtung dessen kann zum Verlust der Gemeinnützigkeit und damit zu erheblichen Steuernachzahlungen führen.

Für einige dieser Einnahmequellen trifft die Steuerbefreiung grundsätzlich und in vollem Umfang zu, für andere nur zum Teil (zum Beispiel durch Freibeträge oder ermäßigte Steuersätze) und für wieder andere Einnahmequellen gilt die Steuerbefreiung nicht. Mit diesem Teil (dem sogenannten wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb) – so es ihn im Verein überhaupt gibt – wird der Verein steuerlich behandelt wie ein Gewerbebetrieb.

Diese steuerliche »Vielfalt«, bedingt durch die Vielfalt der Einnahmen im Verein, bringt es mit sich, dass Vereine ihre Mittel so ordnen müssen, dass die steuerfreien von den steuerbegünstigten und den steuerpflichtigen abgegrenzt werden. Das bedeutet für viele Vereine, dass sie keine (oder nur ganz wenig) Steuern zahlen müssen, dafür müssen sie aber ihre Buchhaltung etwas umfangreicher gliedern als »normale« Betriebe.

Weitergabe der Mittel eines Fördervereins

Wie ein Förderverein die Mittel weitergibt, spielt dabei keine Rolle. So kann er sowohl Geld- als auch Sachmittel zuwenden, er kann aber auch Kosten des geförderten Vereins übernehmen oder ihm andere wirtschaftliche Vorteile (zum Beispiel Darlehen) bieten. Beispielsweise kann der Förderverein des FC Kickdaneben für das Trainingslager der ersten Herrenmannschaft einen Zuschuss gewähren und den Betrag dem FC Kickdaneben überweisen. Er kann aber auch die Hotelrechnung oder die Fahrtkosten (oder beides) direkt begleichen beziehungsweise erstatten. Oder er kauft Trainingsgeräte, Bälle und Ähnliches und stellt sie dem FC Kickdaneben zur Verfügung.

Bei einer direkten Kostenübernahme wird nur beim Förderverein gebucht und die Buchhaltung des geförderten Vereins bleibt unberührt. Damit zieht diese Vorgehensweise weniger Buchungen nach sich und ist deshalb auch weniger arbeitsaufwendig. Allerdings erscheinen so die Kosten nicht in den Büchern des geförderten Vereins, sind also haushaltsneutral. So könnte der geförderte Verein den Umfang der Förderung aus den Augen verlieren und die Kosten könnten langfristig in Vergessenheit geraten.

Satzungszweck der Fördervereine ist die Mittelbeschaffung und Weitergabe an die zu fördernde Körperschaft. Behält ein Förderverein die Mittel ein, leitet sie also nicht weiter, verfolgt er nicht mehr seine eigenen steuerbegünstigten Satzungszwecke, was zur Aberkennung der Gemeinnützigkeit führt. Leitet der Förderverein die Mittel jedoch ordnungsgemäß weiter, muss der Empfänger, also der geförderte Verein, die Mittel für seine steuerbegünstigten Tätigkeiten einsetzen. Die Mittelverwendung im steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb ist unzulässig. Der Förderverein darf zum Beispiel seinem FC Kickdaneben keine Kuchen (oder entsprechende Zutaten) zuwenden, damit der FC Kickdaneben sie bei den Heimspielen seiner Mannschaften an der Kuchentheke verkauft. Auch wenn die Überschüsse aus dem Kuchenverkauf zur Förderung der Jugend verwendet werden, bleibt der Kuchenverkauf wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb.

Beschaffung der Mittel

Allerdings setzt die Weitergabe der Mittel voraus, dass sie erst einmal beschafft wurden. Und darin verbergen sich einige Schwierigkeiten. Natürlich hat jeder Förderverein ein Spendenkonto und wirbt sowohl in der Öffentlichkeit als auch bei den Mitgliedern fleißig um Spenden zugunsten des geförderten Vereins auf dieses Konto. Aber das reicht meistens nicht aus, um nennenswerte Beträge für die Förderung zu erzielen. Deshalb werden Fördervereine in der Regel auch wirtschaftlich aktiv, richten Vereinsfeste aus, veranstalten Gebrauchtwaren-/Flohmärkte und vieles mehr, um deren Überschüsse dem zu fördernden Verein zur Verfügung zu stellen. Nach der früheren Auffassung der Finanzverwaltung bestand dabei die Gefahr für den Förderverein, seine Gemeinnützigkeit zu verlieren, wenn die wirtschaftliche Tätigkeit dem Verein sein Gepräge gab. Die Fachwelt bezeichnet diesen Ansatz als die sogenannte Geprägetheorie. Damit war einerseits der finanzielle Umfang gemeint, andererseits auch der arbeitskräftemäßig betriebene Aufwand.

Glücklicherweise hatte die Finanzverwaltung ein Einsehen und lockerte mit der Änderung des Anwendungserlasses zur Abgabenordnung (AEAO) vom 17.12.2012 die gemeinnützigkeitsrechtlichen Anforderungen. Seitdem werden Fördervereine auch als gemeinnützig anerkannt, wenn ihre Einnahmen ausschließlich im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb und/oder der Vermögensverwaltung erzielt werden. Allerdings sind sie weiterhin verpflichtet, die Mittel für satzungsmäßige Zwecke zu verwenden.

Neben einigen organisatorischen Vorteilen, die für Fördervereine sprechen, sind vor allem die steuerlichen Vorteile erwähnenswert. Mit dem Förderverein besteht praktisch ein weiterer Verein mit dem grundsätzlich gleichen (indirekten) Zweck. Durch diese Doppelstruktur können auch die Körperschaft- und Gewerbesteuerfreibeträge doppelt in Anspruch genommen und außerdem die Kleinunternehmerregelung doppelt genutzt werden.

Um bei den Finanzbehörden gar nicht erst den Verdacht aufkommen zu lassen, dass mit dem Förderverein rechtliche Gestaltungsmöglichkeiten missbraucht werden, sollte eine zu enge Bindung an den zu fördernden Verein vermieden werden. Der Förderverein muss eigenständig bleiben. Das kann durch die Gestaltung der Satzung und die personelle Besetzung der Organe sichergestellt werden. Die Vorstände der beiden Vereine sollten nicht identisch sein.