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Buchführung und Bilanzierung für Dummies

Schummelseite

Über den Autoren

Einführung

Sicherlich haben Sie den Spruch »Der sieht aus wie ein Buchhalter« auch schon mal gehört. Selten ist hierbei jedoch etwas Positives gemeint. Gemäß gängigen Klischees ist der Buchhalter an sich nämlich ebenso trocken, unscheinbar und langweilig wie sein Themengebiet.

Doch wie so viele Klischees entspricht auch das eben Erwähnte nicht wirklich der Wahrheit. Zum einen gibt es tatsächlich Buchhalter mit hippen Klamotten und modischen Frisuren, zum anderen ist das Thema Buchhaltung und Bilanzierung nicht einmal halb so trocken und langweilig wie sein Ruf.

Im Gegenteil: Es lieferte schon genügend Stoff für zahlreiche packende Romane oder Filme, wie zum Beispiel John Grishams »Die Firma« oder den Dokumentarstreifen »Enron: The Smartest Guys in the Room«. Zugegebenermaßen wird hierbei jedoch meistens gezeigt, wie man es nicht machen sollte.

Da Sie dieses Buch aber gerade in Ihren Händen halten, gehen wir davon aus, dass Sie sich von den gängigen Klischees nicht abschrecken lassen und sich zumindest ein klein wenig für die Themen Buchhaltung und Bilanzierung interessieren.

Eine gute Entscheidung. Denn wir sind uns sicher, dass Sie auf den kommenden gut 400 Seiten viel Spaß haben werden. Das Thema ist gar nicht so schlimm wie sein Ruf.

Treten Sie also unbesorgt ein in die wunderbare Welt der Buchhaltung und Bilanzierung.

Über dieses Buch

Falls Sie ein mit Theorie und unappetitlichen Formeln vollgepacktes Lehrbuch erwarten, sind Sie hier mit Sicherheit falsch.

Denn was Sie gerade vor sich haben, ist ein praxisorientierter und gut verständlicher Überblick über die Welt der Bilanzierung und Buchhaltung, gespickt mit praxisorientierten Tipps und netten Anekdoten rund um den Buchhalter-Alltag.

Erfahren Sie unter anderem:

  • was es mit der doppelten Buchführung genau auf sich hat
  • wie Sie die wichtigsten Dinge verbuchen
  • was in einen Jahresabschluss hineingehört
  • welche Rolle Leonardo da Vinci bei der Entstehungsgeschichte der Buchhaltung gespielt hat

Konventionen in diesem Buch

Keine Sorge: In diesem Buch verlangen wir an keiner Stelle von Ihnen, dass Sie irgendetwas eingeben, mitschreiben oder ausschneiden sollen. Somit gibt es hier nichts weiter zu beachten.

Törichte Annahmen über den Leser

Wir unterstellen Ihnen an dieser Stelle einfach einmal ein gewisses Grundinteresse für die Themen Buchführung und Bilanzierung. Dieses Grundinteresse, sei es freiwillig oder gezwungenermaßen vorhanden, ist die Mindestanforderung, die wir an Sie haben.

Zudem gehen wir einmal davon aus, dass noch mindestens einer der folgenden Punkte auf Sie zutrifft.

  • Sie sind in der Buchhaltung tätig oder arbeiten eng mit Buchhaltern zusammen.
  • Sie wollen endlich einmal wissen, was Ihre Kollegen in der Buchhaltung so den ganzen Tag treiben.
  • Sie müssen sich in der Ausbildung oder im Studium mit der Materie herumschlagen.
  • Sie sind ein vielseitig interessierter Mensch, aber die besagten Themen gehören zu den wenigen Dingen, bei denen Sie bisher nur Bahnhof verstanden haben.
  • Sie haben Controlling für Dummies gelesen und wollen nun wissen, was die Autoren noch so alles verzapfen.

Sie dürfen das, was auf Sie zutrifft, übrigens auch gerne ankreuzen – es ist ja schließlich Ihr Buch.

Sie finden übrigens bei jedem Kapitel am Ende eine Übungsaufgabe. Hier können Sie testen, ob ein wenig hängen blieb. Die Lösungen zu den Übungsaufgaben finden Sie im Anhang. Sollten Ihnen die Kostproben gefallen haben, sollten Sie sich das Übungsbuch Buchführung für Dummies besorgen, mit dem Sie tiefer in die Übungen einsteigen können.

Was Sie nicht lesen müssen

Ab und zu werden Sie beim Lesen auf einen Kasten im laufenden Text stoßen. Diese Kästen enthalten entweder theoretische Hintergrundinformationen oder banale Anekdoten aus dem Buchhalter-Alltag. Beide haben eines gemeinsam: Sie müssen sie nicht unbedingt lesen, um das Thema zu verstehen. Wenn es also mal schnell gehen muss, können Sie die Kästen ohne schlechtes Gewissen überspringen. Wir sagen's auch niemandem weiter, versprochen!

Wie dieses Buch aufgebaut ist

Das Buch gliedert sich in fünf Teile (und den besagten Anhang mit den Lösungen zu den Übungsaufgaben), die der Einfachheit halber fortlaufend nummeriert und inhaltlich zusammenhängend sind. In den jeweiligen Teilen finden Sie folgende Inhalte:

Teil I: Willkommen in der Buchhaltung

Hier bekommen Sie zunächst einen ersten Grobüberblick über die Aufgaben, die in der Buchhaltung anfallen.

Außerdem machen wir Sie mit verschiedenen Rechenwelten bekannt und weihen Sie in die Geheimnisse der doppelten Buchführung ein.

Teil II: Jetzt wird gebucht

Und los geht's! Nachdem wir Sie hier zunächst mit den unterschiedlichen Kontenrahmen und den vermeintlich ominösen Abgrenzungen vertraut machen, wird endlich gebucht.

Sie buchen munter im Anlage- und Umlaufvermögen herum, leasen nebenher und beglücken schließlich sowohl die Anteilseigner als auch Ihre Kollegen mit Privat- und Personalbuchungen. Das große Finale dieses Teils bilden dann die Buchungen im Finanzbereich.

Sie werden sehen: Alles halb so schlimm! Buchen kann sogar Spaß machen.

Teil III: Der Jahresabschluss: Bilanzieren und bewerten

Kinder, wie die Zeit vergeht. Schon wieder ist ein Jahr vorbei und das heißt für den Buchhalter: Jahresabschluss.

Bei der Inventur werden wir mit Ihnen gemeinsam zählen, schätzen und wiegen. Und wie alles im Leben will auch ein Jahresabschluss gut vorbereitet sein. Was Sie dabei alles beachten müssen, erfahren Sie ebenfalls in diesem Teil.

Neben der Gewinn-und-Verlust-Rechnung stellen wir Ihnen dann noch die Königsdisziplinen der Buchhaltung vor: die Bilanz. Und zwar mit allem Drum und Dran – inklusive der E-Bilanz.

Teil IV: Der Jahresabschluss: Konzernabschluss und Berichte

Doch das war noch längst nicht alles. Alles Wichtige über den Anhang, den Lagebericht, die Kapitalflussrechnung und die Berichterstattung finden Sie in diesem Teil. Auch diese schönen Sachen gehören zu einem Jahresabschluss – vor allem bei Konzernen.

Teil V: Der Top-Ten-Teil

Für den versierten für Dummies-Leser ist dieser Teil nichts Neues. Hier erfahren Sie zuerst einmal mehr über die zehn unserer Meinung nach besten Websites für Buchhalter.

Dann wird's kriminell: Es folgen nämlich die zehn größten Bilanzierungsskandale. Damit Sie immer und überall mitreden können, erklären wir Ihnen schließlich noch zehn Begriffe, die Ihnen über den Weg laufen könnten, und beglücken Sie zum Abschluss noch mit ein paar netten Kennzahlen, die Sie aus der Bilanz sowie der Gewinn-und-Verlust-Rechnung bilden können.

Symbole, die in diesem Buch verwendet werden

Sie finden über das ganze Buch verteilt verschiedene Symbole, über deren Bedeutung wir Sie hier kurz aufklären:

Tipp Wenn Sie dieses Symbol sehen, heißt das, dass es sich hier um einen praktischen Tipp handelt, der Ihnen einiges erleichtern kann.

Erinnerung Hier handelt es sich um wichtige Hinweise, die Sie vor Stolperfallen, zum Beispiel in Form von Gesetzen, warnen oder etwaige Unklarheiten beseitigen.

Vorsicht Hier gibt es noch theoretisches Hintergrundwissen. Wenn Sie etwas, das mit diesem Symbol versehen ist, nicht lesen, tut das dem Verständnis keinen Abbruch.

Definition Hinter diesem Symbol versteckt sich eine Erklärung oder eine Definition von neu eingeführten Fachbegriffen.

spyglass_icon Dreimal dürfen Sie raten, was Sie bei diesem Icon erwartet: richtig, ein übersichtliches Beispiel zum jeweiligen Thema.

Wie es weitergeht

Das Buch ist so aufgebaut, dass Sie es nicht zwingend wie einen Roman von vorne nach hinten durchlesen müssen, um alles zu verstehen.

Wollen Sie sich zum Beispiel mal eben über die Einnahmen-Überschussrechnung informieren, können Sie direkt und ohne Umwege das Kapitel 15 aufschlagen. Sie werden dort alles verstehen, auch ohne die Kapitel 1 bis 14 gelesen zu haben.

Wenn Sie das Buch aber dennoch von vorne bis hinten durchlesen möchten, sind wir Ihnen auch nicht böse.

Wie und in welcher Reihenfolge Sie was, warum und weshalb lesen, können Sie somit frei entscheiden.

Und nun wünschen wir Ihnen viel Spaß und Erfolg! Vorhang auf …

Teil I

Willkommen in der Buchhaltung

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Kapitel 1

Von Erbsenzählern und Buchhaltern

IN DIESEM KAPITEL

  1. Wozu es die Buchführung gibt
  2. Die Werkzeuge der Buchführung
  3. Vorurteile und Realität

Was haben die Buchführung, eine Mailänder WG und die Renaissance miteinander zu tun? Eine blöde Frage, denken Sie? Aber diese Dinge haben mehr miteinander gemeinsam, als Sie glauben.

Im Jahr 1494 verfasste der Mathematiker Luca Pacioli ein Buch mit dem Titel »Summa de arithmetica, geometria, proportioni et proportinalità«. Der Titel lässt erahnen, dass es sich hierbei nicht um einen spannenden Abenteuerroman handelt, zum Beispiel über die zwei Jahre zurückliegende Entdeckung Amerikas, sondern um ein nüchternes Sachbuch. In dieses Buch hat Pacioli das gesamte mathematische Wissen seiner Zeit gepackt. Zusätzlich hat er in diesem Buch so nebenbei auch noch eine Abhandlung über die doppelte Buchführung geschrieben.

Luca Pacioli hat die doppelte Buchführung damit zwar nicht erfunden. Er war aber der Erste, der sie schriftlich darstellte. Die zweite Besonderheit: Dieses Buch war nicht in Latein, sondern in Italienisch geschrieben, damit es auch von den Kaufleuten gelesen werden konnte. Das Buch wurde zum Klassiker. 429 Jahre nach der Erstveröffentlichung übersetzte Dr. Balduin Penndorf den Buchhaltungsteil ins Deutsche.

Tipp Falls Sie sich für den Urahn unseres für Dummies-Buches interessieren; als Reprint ist es auch heute noch erhältlich: »Abhandlung über die Buchhaltung« von Luca Pacioli und Balduin Penndorf.

Ach ja, und was hat die Buchhaltung nun mit einer Mailänder WG zu tun? Luca Pacioli war mit Leonardo da Vinci befreundet und lebte mit ihm in Mailand in einer WG. Luca machte Leonardo während dieser Zeit mit der Mathematik vertraut.

Luca Pacioli begründete auch, warum er in seine Abhandlung einen Buchhaltungsteil eingebaut hatte: Wenn die Kaufleute alle Geschäftsfälle erfassen, haben sie jederzeit einen Überblick über ihre Schulden und Guthaben und damit ein sorgenfreieres Leben.

Die doppelte Buchführung gilt als eine Voraussetzung für die Entwicklung des Kapitalismus. Die dadurch ermöglichte Erfolgskontrolle ließ erst die Entwicklung und Führung großer Unternehmen zu.

Erinnerung Jakob Fugger brachte die doppelte Buchführung von seinem Italien-Aufenthalt als Reisepräsent mit nach Deutschland und erfand bei dieser Gelegenheit auch gleich noch die Sachkonten.

Die Aufgaben der Buchführung

Die Buchführung wird häufig als lästiges Übel betrachtet, die nur für den Fiskus gemacht werden müsse. Dem ist ganz und gar nicht so. Sie erfüllt für ein Unternehmen ein paar überlebenswichtige Aufgaben:

  • Informationsinstrument: Die Buchführung dient der Unternehmensleitung als wichtiges Informationsinstrument. Nur mit ihrer Hilfe kann sie den Überblick über die wirtschaftliche Situation behalten.
  • Ermittlungsfunktion: Mit den Daten aus der Buchführung werden die Steuerbemes-sungsgrundlage und die Gewinnausschüttungen ermittelt.
  • Planungsfunktion: Mit den Ist-Zahlen aus der Buchführung können Entwicklungen der vergangenen Jahre erkannt und auch für die Zukunft geplant werden.
  • Kontrollfunktion: Wenn Sie eine funktionierende Buchführung besitzen und zusätzlich auch noch eine Planung gemacht haben, können Sie später einmal die Istwerte aus der Buchhaltung mit Ihren Planzahlen vergleichen.
  • Dokumentationsfunktion: Die Buchhaltung dokumentiert alle Geschäftsfälle des Unternehmens. So können Sie dort zum Beispiel jederzeit nachschauen, ob Rechnungen bezahlt wurden oder nicht.

Werkzeuge der Buchführung

Um diese ganzen Aufgaben bewältigen zu können, hat man im Laufe der Zeit mehrere Werkzeuge erfunden. So unter anderem:

  • Die doppelte Buchführung: Das Originelle der doppelten Buchführung ist, dass immer auf zwei Konten gebucht wird. Einmal auf ein Konto im Soll und einmal auf ein Konto im Haben. Im Soll steht, wofür das Geld verwendet wird beziehungsweise wohin das Geld fließt. Im Haben steht, woher das Geld stammt.
  • Der Kontenrahmen ist eine Auflistung aller Konten, die Sie für die Verbuchung Ihrer Geschäftsvorfälle benötigen.
  • Buchungssätze legen fest, welche Beträge auf welchen Konten verbucht werden sollen. Sie werden entweder schriftlich oder in digitaler Form festgehalten, damit man auch alles schön nachvollziehen kann.
  • Inventur und Inventar: Bei einer Inventur müssen Sie all Ihre Vermögenswerte zu einem bestimmten Stichtag in einer Liste festhalten. Diese Bestandsliste heißt auch Inventar.
  • Die Bilanz ist eine Auflistung aller Vermögensgegenstände eines Unternehmens. Diese werden in Anlage- und Umlaufvermögen unterteilt. Zum Anlagevermögen zählt alles, was Ihr Unternehmen dauerhaft benötigt, um seine Aufgaben erledigen zu können. Ins Umlaufvermögen kommen die durchlaufenden Posten, die in der Regel nicht lange im Unternehmen bleiben. Zusätzlich beinhaltet die Bilanz auch noch Informationen darüber, wie diese Vermögensgegenstände finanziert wurden.

Die Gewinn-und-Verlust-Rechnung: Hier erscheinen alle Erträge und Aufwendungen eines Geschäftsjahres. Das Ergebnis ist dann der Gewinn. In schlechten Zeiten heißt dieser leider auch einmal Verlust. Zusammen mit der Bilanz bildet die Gewinn-und-Verlust-Rechnung das Kernstück des Jahresabschlusses.

spyglass_icon Kaum jemand sagt oder schreibt »Gewinn-und-Verlust-Rechnung«. Jeder sagt einfach »G und V« und schreibt »GuV«.

  • Der Anhang ist ein weiterer Bestandteil des Jahresabschlusses. Hier werden die Bilanz sowie die Gewinn-und-Verlust-Rechnung verbal erläutert und um qualitative Angaben ergänzt.
  • Der Lagebericht gehört ebenfalls zum Jahresabschluss. Hier gehen Sie auf die aktuelle und künftige Situation des Unternehmens ein und stellen Chancen und Risiken für das Unternehmen dar.
  • Die Kapitalflussrechnung zeigt zusätzlich zur Bilanz und der Gewinn-und-Verlust-Rechnung noch den Geldfluss des Unternehmens in einer bestimmten Periode auf. Denn nur Bares ist bekanntlich Wahres.
  • Berichte: Zusätzlich zum Lagebericht können Sie auf freiwilliger Basis auch noch beliebig viele andere Berichte erstellen, die einen tieferen Einblick in die Situation des Unternehmens geben.

Teilweise gehören diese Werkzeuge zum buchhalterischen Pflichtprogramm, teilweise sind sie freiwillig. Dies hängt hauptsächlich davon ab, welche Rechtsform das Unternehmen hat und gemäß welchen Standards Sie bilanzieren.

Erinnerung In den nationalen Gesetzen und Standards, also dem HGB in Deutschland, dem UGB in Österreich und dem Obligationenrecht und Swiss GAAP FER in der Schweiz, gelten teilweise andere Regeln als im internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS oder im US-GAAP.

Das täglich' Brot eines Buchhalters ist also sowohl von der Bandbreite der Aufgaben als auch von den Rahmenbedingungen her sehr facettenreich. Doch keine Panik: Alles Wissenswerte hierüber erfahren Sie im weiteren Verlauf dieses Buches.

Klischee und Wahrheit

Der Internetnachrichtendienst »The Inquirer« schrieb: »Softwarefirma sucht aufregende Buchhalter«, und stellte die Frage, ob dies nicht ein Widerspruch an sich sei. Es ging um die Stellenannonce einer englischen Softwarefirma. Gesucht war nicht das Klischee: grau, langweilig und spießig. Nein, es sollte ein aufregender, charismatischer Buchhalter sein. Der Artikel endet mit:

»Böse Zungen berichten, dass der momentane Favorit tatsächlich einen lila Taschenrechner besitzt, dicht gefolgt von einer Buchhalterin, die nachweislich schon mal ein gutes Lied gehört haben soll

Klar, ein Buchhalter hat mit Sicherheit nicht so kreative Entfaltungsmöglichkeiten wie ein Werbetexter. Aber auch ein Texter ist bestimmten Restriktionen unterworfen. Zum Beispiel den Erwartungen seiner Kunden. Ein Buchhalter muss sich dagegen bei seiner Arbeit an eine Vielzahl von Vorschriften und Rechnungslegungsstandards halten. Und dort gibt es jede Menge Handlungs- und Ermessensspielräume. Innerhalb dieser muss sich der Buchhalter bewegen und deshalb oftmals auch Wünsche des Managements ablehnen. So ist dann und wann auch für ein wenig Adrenalin in diesem Job gesorgt.

Und wenn Ihnen die Zahlenwelt rund um die Buchhaltung dennoch einmal eintönig werden sollte oder Sie gar mit dem Vorurteil des grauen Buchhalters konfrontiert wurden: Denken Sie dann doch daran, dass Leonardo da Vinci seinen WG-Genossen Luca Pacioli wegen seiner mathematischen Künste als Maestro bezeichnete. Und spätestens wenn Sie den Film »The Accountant« mit Ben Affleck gesehen haben, werden Sie die Buchhaltung nie wieder als langweilig empfinden.

Aufgabe 1

Was versteht man unter der Ermittlungsfunktion der Buchhaltung?

Kapitel 2

Verschiedene Rechenwelten

IN DIESEM KAPITEL

  1. Der Unterschied zwischen Finanzbuchhaltung und Kostenrechnung
  2. Alles über Erträge, Aufwendungen, Kosten und Leistungen
  3. Was die Kostenrechnung alles kann

Was haben die Finanzbuchhaltung und die Kostenrechnung gemeinsam? Beide verbreiten oftmals Angst und Schrecken bei denjenigen Menschen, die sich mit diesen nicht unbedingt als aufregend und sexy geltenden Themenfeldern herumärgern müssen. Warum, ist uns auch nicht ganz klar – nicht dass wir die Kostenrechnung und die Finanzbuchhaltung wirklich aufregend und sexy finden, aber verängstigen und erschrecken lassen müssen Sie sich davon nun wirklich nicht. Und beide beißen übrigens auch nicht.

Doch das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit. Welche es noch gibt und wo zum Henker dann die Unterschiede der beiden Rechenwerke liegen, erfahren Sie auf den nächsten, hoffentlich spannenden und wenig Furcht einflößenden Seiten.

Warum es überhaupt zwei Rechenwelten gibt

Zunächst konfrontieren wir Sie erst einmal knallhart mit den wesentlichen Begrifflichkeiten: Die Welt der Finanzbuchhaltung besteht aus

  • Aufwendungen und
  • Erträgen

während in der Kostenrechnung von

  • Kosten und
  • Leistungen

die Rede ist.

Definition Die Finanzbuchhaltung kann Ihnen auch unter dem Namen Geschäftsbuchhaltung über den Weg laufen. Die Kostenrechnung heißt mitunter auch Betriebsbuchhaltung.

Definition In manchen angestaubten Lehrbüchern können Sie statt Leistungen auch auf den Begriff Erlöse stoßen. Es ist hierbei dasselbe gemeint. Nicht nur Namen von Schokoriegeln können sich im Laufe der Jahre ändern – auch profane Fachbegriffe tun das mitunter.

Da gemäß eines bekannten Zitats eines noch bekannteren ehemaligen Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland »wichtig ist, was hinten rauskommt«, wollen wir Ihnen auch nicht verschweigen, worin die beiden genannten Rechenwelten münden:

  • Die Kostenrechnung beinhaltet die Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträger-rechnung.
  • Die Finanzbuchhaltung ist die Basis für die Bilanz sowie die Gewinn-und-Verlust-Rechnung.

Wie so oft im Leben liegt der Unterschied zwischen Kosten und Aufwendungen einerseits sowie Leistungen und Erträgen andererseits im Detail. Und dieses Detail nennt sich recht unspektakulär Betriebszweck.

Definition Der Betriebszweck ist einfach ausgedrückt das eigentliche Kerngeschäft Ihres Unternehmens und alles, was damit im Zusammenhang steht.

Der Grund für die Unterscheidung ist, dass die beiden Rechenwerke unterschiedliche Ziele verfolgen.

Aber der Reihe nach:

  • Die Finanzbuchhaltung erfüllt hauptsächlich folgende Zwecke:
    • Rechenschaftslegung gegenüber den Anteilseignern des Unternehmens: Wer Geld investiert, will auch wissen, was genau damit passiert.
    • Besteuerungsgrundlage: Aus der Finanzbuchhaltung ergibt sich, was Ihr Unternehmen an den Fiskus abdrücken muss.
    • Gläubigerschutz: Wenn ein Unternehmen Geld braucht, ist ziemlich sicher, dass die Bank die Kreditwürdigkeit der Firma anhand von Finanzbuchhaltungskennzahlen beurteilen wird.
  • Die wichtigsten Aufgaben der Kostenrechnung sind hingegen:
    • Hilfe bei der Preisbestimmung: Zu welchem Preis bieten Sie ein Produkt am besten an?
    • Hilfe bei Entscheidungen: Wann immer mehrere Alternativen zur Auswahl stehen, die denselben Nutzen bringen, entscheiden Sie sich normalerweise für die Variante mit den geringsten Kosten.
    • Kontrollfunktion: Sie vergleichen die geplanten Kosten mit den tatsächlichen und freuen sich hoffentlich über geringe Abweichungen und eine gelungene Planung.

Eine Kostenrechnung dient also rein innerbetrieblichen Zwecken, während die Finanzbuchhaltung hauptsächlich Außenstehende informieren und schützen soll.

Für die Beantwortung der Frage, ob es wirtschaftlich sinnvoller ist, wenn Ihre Gärtnerei die Rosen selbst züchtet, statt sie wie bisher vom Großhändler zu beziehen, spielt es nun wirklich keine Rolle, ob das Unternehmen Wertpapiere in seinem Besitz hält oder nicht.

Für das Finanzamt zum Beispiel ist es aber durchaus wichtig zu wissen, was sich alles im Unternehmensbesitz befindet und besteuert werden muss. Dafür dürfte das Finanzamt im Gegenzug aber wohl weniger Interesse daran haben, woher Sie Ihre Rosen denn nun genau beziehen.

Erinnerung Während eine Finanzbuchhaltung gemäß dem Handelsgesetzbuch zwingend vorgeschrieben wird, ist die Kostenrechnung eine rein freiwillige Sache. Man kann sie haben – muss aber nicht.

Von Aufwendungen, Erträgen, Kosten und Leistungen

Nachdem wir Sie eben schon grob mit den vier Begriffen bekannt gemacht haben, stellen wir sie Ihnen nun noch etwas näher vor.

  • Aufwendungen und Erträge gehören zur Finanzbuchhaltung und münden in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung. Die beiden Größen umfassen alles, was dem Unternehmen an Werten zu- und abfließt. Sie entscheiden also, wie der Gewinn in einem bestimmten Zeitraum ausfallen wird. Und das muss nicht unbedingt mit den Produkten und dem eigentlichen Zweck des Unternehmens zu tun haben. Aufwand ist beispielsweise auch die Spende an den lokalen Sportverein, was nun wirklich überhaupt nichts mit der eigentlichen Tätigkeit des Unternehmens zu tun hat.

    Erinnerung Wichtig ist hierbei, dass die Aufwendungen und Erträge auch der Abrechnungsperiode zugeschrieben werden, in der sie verursacht wurden. Das nennt man auch Periodengerechtigkeit. Wenn Sie beispielsweise in Ihrer Gärtnerei Ende Dezember Rosen auf Pump verkaufen und das Geld dafür erst im Januar bekommen, werden die Erträge dennoch dem Vorjahr zugeschrieben, denn dort wurden sie ja verursacht. Wann letztendlich die Zahlung erfolgt, spielt bei Aufwendungen und Erträgen im ersten Schritt keine Rolle.

  • Kosten und Leistungen beziehen sich auf den eigentlichen Betriebszweck, das heißt auf die tollen Produkte des Unternehmens im betrachteten Zeitraum. Kosten und Leistungen sind somit durch den Betriebszweck verursachte Aufwendungen beziehungsweise Erträge.

Erinnerung Kosten sind nichts anderes als das, was an Geld anfällt, wenn Sie Ihre Produkte oder Dienstleistungen erstellen. Leistungen sind das Gegenteil, nämlich das, was an Geld anfällt, wenn Sie Ihre Produkte und Dienstleistungen verkaufen.

Um die Kosten und Leistungen zu bestimmen, braucht man zwei Angaben: die Menge und den dazugehörigen Preis. Die Menge kann bei Rohstoffen beispielsweise in verbrauchten Stückzahlen, Kilogramm oder Litern ausgedrückt werden. Bei Maschinenlaufzeiten rechnet man meist mit Stunden. Multipliziert man diese Mengen mit den dazugehörigen Preisen (oder Stundensätzen), erhält man die jeweiligen Kosten.

Zwischen Kosten und Aufwendungen einerseits sowie Leistungen und Erträgen andererseits bestehen also unmittelbare Verbindungen. Für Kosten und Aufwendungen etwa gilt:

  • Viele Aufwendungen sind zugleich auch Kosten. Und zwar die, die mit dem Betriebszweck zu tun haben. Diese Schnittmenge nennt man auch Grundkosten.
  • Aufwendungen, die nichts mit dem Betriebszweck zu tun haben wie eben die besagte Spende an den Sportverein oder der Kauf von Wertpapieren der Gärtnerei, nennt man Neutrale Aufwendungen.

    Erinnerung Neben Aufwendungen, die nichts mit dem Betriebszweck zu tun haben, den sogenannten betriebsfremden Aufwendungen, fließen auch Aufwendungen aus anderen Abrechnungszeiträumen in das Töpfchen der neutralen Aufwendungen. Die nennt man periodenfremde Aufwendungen. Beispiele hierfür wären etwa Steuernachzahlungen für Vorjahre oder Mietvorauszahlungen für die nächsten fünf Jahre. Außerdem sind auch Außerordentliche Aufwendungen sowie Sonstige neutrale Aufwendungen per Definition neutral.

  • Kosten, die keinen Aufwand darstellen, heißen hingegen Zusatzkosten. Das sind in der Regel kalkulatorische Größen wie zum Beispiel der kalkulatorische Unternehmerlohn.
  • Aufwendungen, die zwar Kosten sind, jedoch in beiden Rechenwelten mit unterschiedlichen Werten angesetzt werden, sind sogenannte Anderskosten. So können beispielsweise Abschreibungen in der Kostenrechnung mit anderen Beträgen angesetzt werden als mit den gesetzlich zulässigen Werten aus der Finanzbuchhaltung.

Um einer etwaigen Verwirrung aufgrund der vielen Begrifflichkeiten entgegenzuwirken, atmen wir einmal tief durch und fassen das Ganze in einer wunderhübschen Abbildung zusammen, nämlich Abbildung 2.1.

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Abbildung 2.1: Aufwendungen und Kosten

Analog gilt die ganze Systematik auch für Leistungen und Erträge:

  • Viele Erträge sind zugleich auch Leistungen. Und zwar die, die mit dem Betriebszweck zu tun haben. Diese Schnittmenge nennt man auch Grundleistungen.
  • Erträge, die nichts mit dem Betriebszweck zu tun haben wie eben ein Gewinn durch den Verkauf von Wertpapieren einer Gärtnerei, nennt man Neutrale Erträge.

Erinnerung Neben den betriebsfremden Erträgen zählen auch Erträge aus anderen Abrechnungszeiträumen, die periodenfremden Erträge, zu den neutralen Erträgen. Ein Beispiel hierfür wären Steuerrückerstattungen aus Vorjahren. Außerdem sind auch sogenannte Außerordentliche Erträge und Sonstige neutrale Erträge per Definition neutral.

  • Leistungen, die keine Erträge sind, heißen – Sie ahnen es: Zusatzleistungen. Ein Beispiel hierfür wäre der wöchentliche Gratis-Haustrank einer Brauerei an ihre Mitarbeiter.
  • Leistungen, die Erlöse sind, jedoch in anderer Höhe, heißen Andersleistungen.

Abbildung 2.2 fasst das alles nochmals anschaulich zusammen.

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Abbildung 2.2: Erträge und Leistungen

Die Welt der FiBu

Finanzbuchhaltung und Kostenrechnung bilden als jeweils unterschiedliche Disziplinen zusammen das Betriebliche Rechnungswesen.

Die meisten der gängigen Kontenrahmen beinhalten zwei getrennte Rechnungskreise – einen für die Finanzbuchhaltung und einen für die Kostenrechnung. Die Finanzbuchhaltung, oftmals auch kurz und liebevoll FiBu genannt, bildet innerhalb der beiden Rechenwelten den sogenannten Rechnungskreis I.

spyglass_icon Im Industriekontenrahmen (kurz: IKR) beispielsweise bilden die Kontenklassen 0 bis 8 den Rechnungskreis I. Die Konten der Klassen 5, 6 und 7 im Speziellen umfassen die Aufwands- und Ertragskonten und sind somit die Basis der Gewinn-und-Verlust-Rechnung.

Abbildung 2.3 verdeutlicht dieses Zweikreissystem.

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Abbildung 2.3: Die beiden Rechnungskreise

Im Rechnungskreis I werden alle Geschäftsvorgänge mit den gesetzlich vorgeschriebenen Methoden der Buchführung dokumentiert und auf Bestands- oder Erfolgskonten verbucht.

Definition Bestandskonten dienen dazu, Veränderungen des Vermögens- und des Kapitalbestands festzuhalten. Der Kauf eines neuen Lieferwagens für eine Gärtnerei wäre ein Beispiel dafür. Bestandskonten bilden die Basis für die Bilanz.

Erfolgskonten

Am Ende werden aus diesen Daten die Bilanz und die Gewinn-und-Verlust-Rechnung erstellt. Das Resultat der Gewinn-und-Verlust-Rechnung, also der Gewinn in guten sowie der Verlust in schlechten Zeiten heißt auch Unternehmensergebnis.

Erinnerung Die gesetzlichen Bestimmungen zur Finanzbuchhaltung finden Sie in Deutschland im HGB und in Österreich im UGB. In der Schweiz wird das Ganze innerhalb des Obligationenrechts geregelt.

Da sich Aufwendungen und Kosten sowie Erträge und Leistungen teilweise überlappen – bei den Grundkosten und den Grundleistungen nämlich –, überschneiden sich logischerweise auch die beiden Rechnungskreise.